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22.09.2016

Italien

Italien ist nach Deutschland das zweitwichtigste Industrieland der EU. Der Norden ist vornehmlich industrialisiert, der Süden landwirtschaftlich geprägt. Die Nahrungsmittelbranche mit ihren Klassikern wie Olivenöl, Wein und Teigwaren gilt als eine tragende Säule der Wirtschaft des Landes. Wesentlicher zur Wirtschaftskraft tragen allerdings Chemieexporte bei. Daher liegen künftige Potenziale der Bioökonomie insbesondere auch in der chemischen Industrie. Hierfür rüsten die Unternehmen bereits ehemalige petrochemische Anlagen um. Eine nationale Bioökonomie-Strategie gibt es nicht, sie soll allerdings bis Sommer 2017 entwickelt werden. Die meisten Entwicklungen im Land werden bisher durch Unternehmen oder durch die Regionen vorangetrieben.

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Politische und rechtliche Grundlagen

Italiens Bioökonomie ist vornehmlich industriegetrieben und wird als ein Weg gesehen, das Land zurück auf einen Wachstumspfad zu führen – insbesondere über eine grüne Chemie. Eine dezidierte Bioökonomie-Strategie der Regierung gibt es bisher nicht. Doch bis zum Sommer 2017 soll eine vorliegen. Bisher sieht die Regierung in einer „grünen Wirtschaft“ die Möglichkeit, das menschliche Wohlergehen zu verbessern und  hat in den letzten Jahren entsprechende Bioökonomie-relevante Aktivitäten gestartet. So nennt die aktuelle Wissenschaftsstrategie 2014-2020 des italienischen Forschungsministeriums (MIUR) Bioökonomie, nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherheit als zentrale Unterpunkte. Mit 300 Mio. Euro förderte das MIUR im Jahr 2012 die Bildung nationaler Technologiecluster mit dem Ziel, ein nachhaltigeres Wirtschaftswachstum im Land und eine stärkere Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft zu erreichen. Von den insgesamt acht ausgewählten Clustern können zwei der Bioökonomie zugeordnet werden: Grüne Chemie und Nahrungsmittelindustrie.

Das Landwirtschaftsministerium (MIPAAF) veröffentlichte 2014 zudem seinen Plan für Innovation und Forschung 2014-2020, in dem die Nutzung nachwachsender Ressourcen für Industrie und Energiegewinnung zentral ist. Darüber hinaus stellte das Ministerium 2014 seinen Bioenergie-Plan vor. Bereits 2010 legte das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung (MSE) seinen Aktionsplan für erneuerbare Energien (NREAP) vor, in dem auch der Wettbewerb von energetischer und stofflicher Verwertung von Biomasse thematisiert wurde. 2013 folgte die Nationale Energiestrategie, die Biokraftstoffe der zweiten Generation priorisiert. Zudem hat die italienische Regierung wie andere Länder Europas Beimischungsquoten für Biokraftstoffe beschlossen. Vereinfachte Regelungen des Umweltministeriums (MATTM) zu Bioraffinerien aus dem Jahr 2013 haben den bisherigen bürokratischen Aufwand entschlackt. Mit der Industriegruppe Mossi & Ghisolfi unterzeichnete die Regierung bereits mehrere Abkommen zu Bioraffinerien.

Regionale Aktivitäten zur Bioökonomie

Unabhängig von nationalen Aktivitäten geben die Regionen in unterschiedlichem Ausmaß Hilfestellungen. So verkündete die kleinste italienische Region Basilicata, aus dem Süden Italiens, Anfang 2016 die erste konkret auf die Bioökonomie ausgerichtete Strategie im Land. Hierfür bündeln die Verantwortlichen die Aktivitäten in der Agrar- und Lebensmittelindustrie mit denen der grünen Chemie in einem Cluster. Die Lombardei, der Landstrich um die Metropole Mailand, fördert regionale Projekte mit Bezug zur Bioökonomie. Beispielsweise zur Nutzung von Biomasse. Zudem werden mit der Initiative „Innova Lombardia“ Landwirtschaft und umweltfreundliche Industrien wie die industrielle Biotechnologie politisch und finanziell gefördert. Die Stadt Mailand fördert Start-ups im Bereich Nahrungsmittel: Ausgewählte Firmen können in das Gründerzentrum einziehen und werden gezielt betreut. Die Region Ligurien und andere bringen sich in das CL.A.N.-Netzwerk ein.

Regierung fördert Markteintritt

Der Markteintritt umweltfreundlicher Produkte wird durch die Regierung aktiv gefördert. So muss in Italien und erstmals in Europa bis zum Jahr 2018 0,6% Biosprit der zweiten Generation dem verkauften Kraftstoff beigemischt sein – 2022 sind 1% vorgesehen. Strenge Regelungen zur Nutzung von Plastiktüten gelten bereits seit 2011. Sie müssen biologisch abbaubar sein und seit 2012 ist für die Tüten sogar ein Zertifikat notwendig. In einem 2008 veröffentlichten und 2013 aktualisierten Aktionsplan zu einem umweltorientierten öffentlichen Beschaffungswesen werden ökologische Entscheidungskriterien als integral angesehen. Innovationen werden dagegen über Steuergutschriften für Forschung und Entwicklung sowie reduzierte Steuersätze im Zusammenhang mit geistigem Eigentum gefördert. Zusätzliche Fördermittel und Sonderkonditionen können innovative kleine Unternehmen in Anspruch nehmen. Auch die Nahrungsmittelbranche profitiert. Um die Exporte weiter zu steigern, stellt die Regierung Fördermittel bereit.

Zahlreiche Ministerien für Gentechnik verantwortlich

Genetisch veränderte (gv-)Pflanzen dürfen in Italien nicht angebaut werden, doch der Import von Produkten oder Futtermitteln mit gv-Anteilen bleibt erlaubt. Hauptlieferant für Sojamehl, das meist verfüttert wird, ist Argentinien. Öffentliche Fördermittel für die Agrobiotechnologie kürzte die Regierung massiv. Gleichwohl werden genetische Methoden in der Pflanzenzucht und der Forschung genutzt. In der Tierzucht werden Genomtechnologien meist nur zur Selektion genutzt. Verantwortlich für Regelungen zu Freisetzung, Forschung und Zulassung von gv-Organismen sind eine Reihe von Ministerien: Neben dem MATTM – zuständig für das Inverkehrbringen, dem MIPAAF – zuständig für den Anbau von gv-Pflanzen –  dem MSE und dem MIUR auch das Arbeits- und das Gesundheitsministerium. Letzteres verantwortet die Sicherheit von Nahrungs- und Futtermitteln. Produkte, die mehr als 0,9% an gv-Bestandteilen enthalten, müssen per Gesetz entsprechend gekennzeichnet sein. Auf regionaler Ebene erklärten sich rund 15 Landesteile zu Gentechnik-freien Anbaugebieten.

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Unternehmenslandschaft

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt nimmt Italien in der EU Platz 4 ein. Gemessen am Produktionswert folgen die Südeuropäer nach Deutschland bereits auf Platz 2. So zählen nach Angaben von Gemany Trade und Invest der Maschinen- und Automobilbau sowie die chemische Industrie zu den bedeutendsten Industriezweigen. Mit einem Produktionswert von 52 Mrd. Euro (2013) gehört das Land im Bereich Chemie nach Deutschland und Frankreich zu den größten Herstellern in Europa. Im Ausland besonders gefragte Produkte der 2.800 Unternehmen sind Fein- und Spezialchemikalien. Als Kernsektor der italienischen Wirtschaft gilt mit 58.000 Unternehmen auch die Nahrungsmittelindustrie, die 2014 mit Produkten wie Obst, Gemüse, Kartoffeln, Soja, Getreide, Oliven und Fisch einen Gesamtumsatz von 132 Mrd. Euro erzielt hat. Zudem bekannt ist die italienische Textil- und Möbelindustrie. Wichtigster Handelspartner ist Deutschland. Das gesamte Produktionspotenzial der italienischen Bioökonomie erreichte laut einer Studie des Biotechnologie-Verbands Assobiotech im Jahr 2013 bis zu 240 Mrd. Euro, mit 1,5 Mio. Arbeitsplätzen, die vornehmlich in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie zu finden waren. Großes Potential erkannten die Experten insbesondere in der chemischen Industrie. Hier prognostizieren sie, dass bis zu 40% der chemischen Abläufe künftig auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen ablaufen könnten.

Grüne Wirtschaft im Mittelpunkt

Bedeutender Treiber für eine Transformation der Wirtschaft ist der Nationale Rat für eine grüne Wirtschaft, ein Zusammenschluss von 60 Verbänden und Organisationen wie dem Verband der Bioplastik-Hersteller und den Vertretern der landwirtschaftlichen Betriebe. Ihre Vorstellungen zur künftigen Wirtschaft veröffentlichten sie 2013 unter dem Titel: „La Roadmap per la green economy in Italia“. Für die grüne Chemie stehen mehr als 100 Akteure, die sich im Nationalen Technologiecluster SPRING – Sustainable Processes and Resources for Innovation and National Growth – organisiert haben. Darunter: das größte Chemieunternehmen Versalis, Teil des Erdölkonzerns Eni, und der BASF-Konzern aus Deutschland, der in Italien mehrere Standorte betreibt, sowie kleine Unternehmen wie Galatea Bio Tech und Forschungseinrichtungen wie die Universität Bologna. Versalis bezeichnet die grüne Chemie als eine Hauptstütze seiner künftigen Geschäftsstrategie. Zahlreiche Kooperationen mit Biotechnologieunternehmen wie Genomatica aus den USA unterstreichen seine Ambitionen in diesem Feld. Hierfür soll auch der bisherige Produktionsstandort in Porto Marghera nahe Venedig genutzt werden. Bekannter Biokunststoffhersteller ist Novamont, dessen Produkte vornehmlich aus Stärke, Zellulose und pflanzlichen Ölen bestehen. Auch die Distel wird als Ausgangsrohstoff genutzt. Eingesetzt werden die biobasierten Kunststoffe als Verpackungsmaterial für Lebensmittel, Additive für Konsumgüter, Füllstoffe für Verpackungen oder Abfallsäcke. Für seine Prozesse rüstet das Unternehmen stillgelegte chemische Anlagen auf die neuen Verfahren um. Zudem integriert er lokale Lieferketten in den Betrieb seiner Bioraffinerien. Auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen werden zudem Biochemikalien von den Italienern produziert.

Petrochemische Anlagen werden zu Bioraffinerien

Mossi & Ghisolfi (M&G), zweitgrößtes Chemieunternehmen im Land, setzt inzwischen auf Biokraftstoffe und eröffnete 2009 hierfür seine erste Pilotanlage auf halbem Weg von Mailand nach Genua in Rivalta Scrivia. Eine Anlage für die industrielle Produktion von Bioethanol der zweiten Generation folgte 2013 ebenfalls im Nordwesten Oberitaliens. Aufgrund ihrer Lage kann die notwendige Biomasse für ihren Betrieb in Form von agrarischen Reststoffen in einem Umkreis von 70 km günstig beschafft werden. Betrieben werden die Anlagen von der Tochter Beta Renewables. Biochemtex, ebenso Teil von M&G, verantwortet innerhalb der Gruppe den Bau der Bioalkoholfabriken. Auf Sardinien entsteht unterdessen der größte Produktionsstandort im Bereich „Grüne Chemie“. Hier will Matrìca SpA, ein Joint Venture von Novamont und dem Chemiekonzern Versalis, Biochemikalien auf Basis lokaler, landwirtschaftlicher Rohstoffe herstellen. Das Unternehmen rüstet hierzu eine ehemalige petrochemische Anlage des italienischen Erdöl- und Energiekonzerns Eni um. Dieser Konzern hat laut eigenen Angaben weltweit erstmalig eine ehemalige Öl-Raffinerie in eine Bioraffinerie umgewandelt. So produziert die Eni-Anlage bei Venedig nun Biodiesel auf Pflanzenölbasis, das auch von der italienischen Marine im Rahmen des Projekts „Flotta Verde“ getestet wurde. Die Verluste im herkömmlichen Raffineriegeschäft lösten die laufende Restrukturierung des Unternehmens aus. Unternehmen wie Novaol oder Ital Bi Oil produzieren in ihren Fabriken ebenfalls Biodiesel. Ausgangsstoffe sind hier zumeist importierte Raps-, Sojabohnen oder Palmöle. Die junge GFBiochemicals aus Mailand glänzt unterdessen mit einer umgebauten Anlage in Caserta in der Lävulinsäure kommerziell aus Cellulose-haltigen Rohstoffen gewonnen wird. Das Molekül gilt als eine der wichtigsten Plattformchemikalien und ist dementsprechend für eine Reihe von Märkten wertvoll.

CL.A.N. als Dach der Nahrungsmittelindustrie

Italien zählt sich zu den führenden Produzenten von Bio-Lebensmitteln. Meistens im Süden des Landes produziert, nimmt auch der inländische Verbrauch dieser Lebensmittel weiter zu. Gegenüber gv-Nahrungsmitteln gehen die Meinungen auseinander. Selbst die landwirtschaftlichen Verbände vertreten gegensätzliche Positionen. Laut einer Studie der Handelskette Coop Italia schließen mehr als zwei Drittel der Italiener nicht aus, künftig auch gv-Lebensmittel zu konsumieren, obwohl die öffentliche Meinung aktuell gv-Nahrungsmittel nicht favorisiert. Nationale Akteure der Nahrungsmittelindustrie wie der weltführende Nudelhersteller Barilla, der Nutella-Produzent Ferrero mit seinem Forschungszentrum Soremartec, die Universität Bologna, Forschungseinrichtungen wie die ENEA und Verbände fasst das CL.A.N.-Netzwerk zusammen. Zudem unterstützen zahlreiche italienische Regionen das Cluster in seinem Bestreben die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen und die Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu verbessern. Zudem bekannt sind Asti und Cinzano als Weinproduzenten, Bertolli für sein Olivenöl. Granarolo, Verkäufer von Milchprodukten, bietet inzwischen auch Produkte auf Soja-Basis an. Veronesi Holding und Gesco Consorzio Cooperativo sind bei Fleisch und Fleischprodukten führend.

Rolle für die grüne und die industrielle Biotechnologie

Impulse für die Bioökonomie könnten künftig auch eine Reihe von Firmen der grünen und industriellen Biotechnologie liefern. Meist im Norden des Landes angesiedelt, zählte der Branchenverband Assobiotec in der Agro-Biotechnologie 95 Firmen (85 Mio. Euro Umsatz, 2015), 76 (183 Mio. Euro Umsatz, 2015) beschäftigen sich mit der Transformation von Biomasse oder der nachhaltigen Entwicklung von Biotreibstoffen, Materialien oder Biochemikalien. Bio-on SpA, Spezialist für Prozesse zur Herstellung von Bioplastik, ging 2015 in Mailand an die Börse. Dessen Technologie nutzt künftig auch Pizzoli SpA, größter italienischer Kartoffelproduzent. Er will biobasierte Kunststoffe aus Resten der Kartoffelverwertung herstellen. Verbindungen Italiens zur deutschen Bioökonomie gibt es auch bereits. So unterzeichneten der Branchenverband Assobiotec und der nordrhein-westfälische CLIB2021-Cluster im Jahr 2013 eine Übereinkunft mit dem Ziel einer engeren Kooperation im Bereich der industriellen Biotechnologie.

Ausländische Firmen engagieren sich in Italien

Der deutsche Autohersteller BMW kooperierte mit dem Biokunststoffproduzenten Novamont und dem US-amerikanischen Reifenhersteller Goodyear, um eine zweite Generation von Biopolymeren zu entwickeln. Der dänische Weltmarktführer für technische Enzyme Novozymes hält 10% der Anteile an Beta Renewables, dem Experten im Bereich Biokraftstoffe und biobasierter Chemikalien und Teil der Mossi & Ghisolfi-Gruppe. Reverdia stellt dagegen, ebenfalls in Oberitalien, in einer neu errichteten Bioraffinerie Bernsteinsäure aus nachwachsenden Rohstoffen kommerziell her. Das Unternehmen geht auf ein Joint Venture des niederländischen Technologiekonzerns DSM und dem französischen Stärkehersteller Roquette zurück.

Fördermittelgeber

Mit 250 Mio. Euro stattete das MSE im Jahr 2013 seinen Fonds für Nachhaltigkeit aus, der Forschungs- und Entwicklungsprojekte von Unternehmen unter anderem zum Thema Ressourceneffizienz mitfinanziert. Industria 2015, eine Initiative desselben Ministeriums, zielte ab dem Jahr 2007 darauf ab, auch großtechnische Prozesse in den Bereichen Biokraftstoffe, Feinchemikalien, Biomaterialien und Abfallverwertung zu etablieren. Zielgruppen waren erneut große und kleinere Unternehmen. Grundsätzliches Ziel der Regierung ist es, die Forschungsaktivitäten in den Unternehmen stärker mit der universitären Forschung zu verzahnen. Auch vor dem Hintergrund die Firmen stärker in die Finanzierung einzubinden.

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Forschungslandschaft

Das Nord-Südgefälle zeigt sich auch im Bereich Forschung und Innovation. Der Norden verfügt über eine Konzentration von forschenden Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Spitzenuniversitäten. Die Universität Bologna ist die älteste europäische Universität. Hier engagieren sich Wissenschaftler in der Pflanzenzucht und koordinieren die Technologieplattform „IT-Plants for the Future“, die italienische Bioökonomie-Akteure zusammenbinden und Kooperationen fördern soll. Ein ähnliches Ziel verfolgt auch die in Bologna sitzende Suschem-Plattform – auf dem Gebiet der nachhaltigen Chemie. Forschungsarbeiten beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, wie Abfälle der Weinindustrie innerhalb einer Kaskade in Biochemikalien und Biogas umgewandelt werden können. Die Forschung an der Universität Florenz gilt als führend im Bereich Algen-Biotechnologie. Bioenergieforschung ist hier ein weiterer Schwerpunkt. Auf Bioenergie und die effektive Verwendung von Biomasse konzentrierte sich auch die Universität von Foggia, die hierfür drei kleine Pilotanlagen aufbaute. Wissenschaftler an der Technischen Universität von Mailand und der Universität Pisa entwickelten die Verfahren, mit denen GFBiochemicals inzwischen biobasierte Lävulinsäure im industriellen Maßstab herstellt. Technische Enzyme, Bioraffinerien und Biomasse sowie Innovationen in der Landwirtschaft stehen im Fokus der Forscher an der Universität Turin. Für die heimische Weinindustrie interessant waren auch die Ergebnisse der Universitäten von Udine, Padua, Mailand, Bari und Verona. Sie waren an der Sequenzierung des Weingenoms beteiligt.

Außeruniversitäre Forschungsorganisationen unterstehen einzelnen Ministerien

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen unterstehen in Italien einzelnen Ministerien. Die wichtigste staatliche Forschungseinrichtung und dem MIUR zugeordnet ist der Nationale Forschungsrat (CNR). Seine mehr als 8.000 Mitarbeiter forschen in rund 100 Instituten in ganz Italien. Projekte in den Bereichen Umwelt, nachhaltige Landwirtschaft, Grüne und Weiße Biotechnologie und nachhaltige Chemie gehören zum Forschungsprogramm, in das 2010 insgesamt 870 Mio. Euro flossen. Mit 2.700 Angestellten und neun Zentren gilt die Italienische Agentur für neue Technologien, Energie und Umwelt (ENEA) als zweitgrößte außeruniversitäre Forschungsorganisation Italiens. Hier stehen die Grundlagen- und angewandte Forschung sowie technologische Innovationen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Italiens im Mittelpunkt der Aktivitäten. Biokraftstoffe auf Basis von land- und forstwirtschaftlicher Biomasse oder Mikroalgen sind ein Betätigungsfeld. Pflanzen- und industrielle Biotechnologie sind weitere Kernfelder. Insgesamt 270 Mio. Euro investierte die ENEA 2010 in ihre Projekte. Als größtes landwirtschaftliches Forschungsinstitut gilt mit 1.400 Mitarbeitern und 15 Zentren der Rat für landwirtschaftliche Forschung (CRA). Dieser wie auch das Nationale Institut für Agrarökonomie (INEA), das Nationale Reis-Institut (ENR) und das Nationale Institut für Lebensmittelforschung (INRAN) unterstehen dem MIPAAF. Geforscht wird in den zahlreichen Laboratorien zu Bioökonomie, Landwirtschaft, Pflanzen- und Tierzucht, Aquakultur, Weinbau und Forstwirtschaft. Die als Stiftung organisierte Fondazione Edmund Mach konzentriert sich in Südtirol auf die Land- und Forstwirtschaft.

Fördermittelgeber

Die staatliche Forschungsförderung erfolgt maßgeblich durch das Ministerium für Forschung (MIUR) . Der Bereich Innovation wird zusätzlich vom Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung (MSE) abgedeckt. Es existieren zwei nationale Großförderprogramme des MIUR: Der Fonds für Investitionen in der Grundlagenforschung (FIRB) und das Programm für Forschungsprojekte von nationalem Interesse (PRIN). Forschungsmittel kommen zudem von den Ministerien für Umwelt (MATTM) und Landwirtschaft (MIPAAF). Neben den genannten Fördermittelgebern spielt die private Cariplo-Stiftung für die italienische Bioökonomie-Forschung eine Rolle.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Insbesondere Forschungskooperationen bilden eine Plattform für die Zusammenarbeit beider Länder in Bioökonomie und industrieller Biotechnologie. Beispielsweise über EU-Projekte wie der FACCE-Joint Programming-Initiative, in der Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit Fokus sind. Zusammen mit der deutschen Nova-Institut GmbH, dem Fraunhofer-Institut und weiteren Partnern arbeitet Novamont im Rahmen des EU-BIO-QED-Projekts seit 2014 an industriellen Verfahren für die Herstellung von Butandiol, einem Rohstoff für die Kunststoffproduktion, und Itakonsäure, einer bedeutenden Plattformchemikalie.

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