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15.07.2019

Grillen mit Maisspindeln

Mario
Sacilotto

Beruf: Gas-Wasser-Installateur
Position: Gründer und Geschäftsführer von Grillmais mit Sitz in Alfter


Der Grillmais-Gründer Mario Sacilotto
Quelle: 
Mario Sacilotto
Trockene Maisspindeln statt Holzkohle: Mario Sacilotto setzt auf Agrarreste als Brennmaterial fürs Barbecue.

Die Maisspindel, der innere Teil des Körnermaiskolbens, bleibt nach der Ernte der Körner als Agrarreststoff ungenutzt zurück. Für Mario Sacilotto sind die Spindeln das ideale Brennmaterial für den Grill – und eine ökologischere Alternative als die Holzkohle. Seinen aus Italien importierten Grillmais bietet der Unternehmer aus Alfter bei Bonn seit dem vergangenen Jahr in deutschen Supermärkten an.

Frage 

Wie kamen Sie auf die Idee, Maisspindeln zum Grillen zu nutzen?

Der Grillmais-Gründer Mario Sacilotto
Antwort 

Mir ist das Grillen auf Maisspindeln seit meiner Kindheit bekannt. Mein Vater kommt aus einem Maisanbaugebiet in Italien und dort ist es, wie in vielen anderen Ländern Südeuropas, Kult, die Maisspindel zum Grillen zu nutzen. In einem Selbstversorgerurlaub 2016 mit Freunden besorgte ich Spindeln bei meinem Onkel und wir grillten darauf. Alle waren sehr überrascht, wie schnell, sauber und unkompliziert dies funktionierte. Die Damen in dieser Runde hatten die Vorteile erkannt und baten mich, ihnen in Deutschland Maisspindeln zu besorgen. Nach einiger Recherche stellte ich fest, dass es in Deutschland unmöglich war, Maisspindeln zu bekommen, weil sie schlicht niemand anbot. Schnell war mir klar, dass ein Produkt mit einem solchen Potenzial in punkto Nachhaltigkeit in Deutschland fehlt – und damit war die Idee Grillmais geboren.

Frage 

Was macht das Grillen mit Maisspindeln nachhaltiger verglichen mit Holzkohle?

Der Grillmais-Gründer Mario Sacilotto
Antwort 

Die Maisspindel ist ein reines Abfallprodukt der Kornmaisernte. Sie wird nur getrocknet, dagegen wird zur Herstellung von Holzkohle eine Unmenge an Holz benötigt: Um 35 Kilogramm Holzkohle herzustellen, wird zwei-  bis zehnmal so viel Holz benötigt. Bei einem Jahresverbrauch von 250.000 Tonnen im Jahr 2018 an Grillholzkohle nur in Deutschland scheint mir das mehr als besorgniserregend zu sein. Dies ist mitunter ein Grund, warum wir Holzkohle aus Paraguay, Nigeria und der Ukraine importieren und somit leider bislang unwissend den schonungslosen Raubbau an deren Wäldern unterstützen. Hinzu kommt, dass der Wandlungsprozess von Holz in Holzkohle keineswegs umweltfreundlich ist. Kornmais aus ökologischem Anbau wird während der Wachstumsphase nicht mit Pestiziden behandelt und hat den geringsten Behandlungsindex aller Kornarten. Der Grillmais stammt aus ökologischem Landbau und ist somit frei von Gentechnik.

Er ist der Holzkohle auch aus gesundheitlicher Sicht vorzuziehen. Die Emissionen bei der Verbrennung sind weit geringer, vom Entzünden bis zur grillfertigen Glut vergehen maximal 14 Minuten, es entsteht weder Schmutz, beißender Geruch noch Funkenflug, die Rauchentwicklung ist sehr gering. Auch verursacht tropfendes Fett keine Flammen in der Glut – ein Aspekt, der das Krebsrisiko reduziert.

Frage 

Warum nutzen Sie Maisspindeln aus Italien? Schließlich wird auch in Deutschland Mais angebaut.

Der Grillmais-Gründer Mario Sacilotto
Antwort 

Bei Mais werden drei Kategorien unterschieden: Zucker-, Futter- und Kornmais. Nur Letzterer ist nutzbar für die Herstellung von Grillmais. In Deutschland sind nur knapp 10% der Maisanbaufläche Kornmais, dieser ist bei der Ernte wesentlich feuchter (16 bis 33%) als der in Italien (12 bis 13%). Da die Maisspindel maximal 10% Restfeuchte bei Einlagerung enthalten darf, muss sie nachgetrocknet werden, dies ist hierzulande nur mir sehr hohem Energieaufwand möglich, wobei in Italien der Großteil über die Sonne getrocknet wird. Zudem hat man in Italien die Erntemaschinen umgerüstet, sodass die Spindeln nach der Abernte des Korns nicht wie üblich gehäckselt werden, sondern als Ganzes zur Verfügung stehen.     

Frage 

Wie wird der Grillmais in Deutschland angenommen?

Der Grillmais-Gründer Mario Sacilotto
Antwort 

Es bedarf einiges an Aufklärung, denn das Bewusstsein für das, was man wirklich braucht zum Grillen, wird stetig auch medial leider ins falsche Licht gerückt. Hier wird den Leuten suggeriert, im Grill müsse es lange glühen und möglichst heiß sein. Gute Hitze ist wichtig, aber der Großteil der Deutschen zählt zu den „Kurzgrillern“. Wenn der Grill also einmal glüht, wird alles in ein oder maximal zwei Runden zubereitet und gemeinsam gegessen. Warum muss da noch stundenlang Glut sein? Niemand käme auf die Idee, fünf Liter Wasser zu kochen, um eine Bockwurst zu erwärmen. Beim Grillen ist das Bewusstsein noch ein völlig anderes.

Hier aufzuklären, ist mitunter keine leichte Aufgabe, aber generell bekomme ich durchaus positives Feedback von denen, die Grillmais verwendet haben. Sehr glücklich bin ich, mit REWE einen tollen Partner gefunden zu haben, der auf Nachhaltigkeit setzt und im Produkt Grillmais gute Chancen sieht. Grillmais steht für ökologisch sauberes und unbedenkliches Grillen, für einen Grillspaß mit gutem Gewissen.

Interview: Beatrix Boldt

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