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Seesanierer sucht Selbstläufer

Arno
Cordes

Beruf: 

Biotechnologe

Position:

Geschäftsführer des Enzymherstellers ASA Spezialenzyme in Wolfenbüttel

Arno Cordes
Quelle: 
Arno Cordes

Arno Cordes hat mit der Herstellung von Biokatalysatoren seine Nische gefunden und mit seinem Unternehmen ASA Spezialenzyme GmbH von Wolfenbüttel aus den Markt erobert.

Eigentlich wollte Arno Cordes Brauereitechnologie studieren. Doch das Studium war ihm zu fad und so entschied sich der Niedersachse für die Biotechnologie. Im Nebenfach "Brauerei und Brennerei" destillierte der Praktikant zunächst aus den angefallenen Restbieren "eine Art Whisky" für die Labormitarbeiter an der TU Berlin. In der Herstellung von Enzymen fand der Biotechnologe vor vielen Jahre dann seine Nische. Seit fast 24 Jahren ist Arno Cordes nun Chef des Enzymherstellers ASA Spezialenzyme. Seine Firma produziert Enzyme und Bakterienmischkulturen für die Industrie, die unter anderem in biologischen Reinigern für Gewässer zum Einsatz kommen.

"So ein echter Selbstläufer, eine Art Cashcow, das fehlt uns noch“, räumt Arno Cordes ein. Gleichwohl kann der heute 59-jährige Vater von drei Töchtern und Chef  des Enzymherstellers ASA Spezialenzyme auf eine bemerkenswerte Firmengeschichte zurückblicken. Denn die Biotech-Konkurrenz in Deutschland hat er im Durchschnitt locker mehrfach überlebt. Klar, mit 16 Mitarbeitern und Jahresumsätzen von etwa einer Million Euro ist die Firma kein Schwergewicht. Doch Cordes hat sich mit der Herstellung von Enzymen und Bakterienkulturen erfolgreich seine Nische geschaffen.

Von Entrostungsgel bis Gewässerreiniger

Angefangen hat alles in der Waschküche seines Hauses: "Es geht nicht klischeehafter, es war aber so", gibt er schmunzelnd zu Protokoll. Bei der Gründung 1991 kann er preiswert auf die Ausstattung seines Ex-Brötchengebers, die Braunschweiger Biotechnologie GmbH, zurückgreifen. Der Enzymexperte musste nach einem Verkauf an eine Schweizer Immobiliengruppe schließen. Deren Urteil: nicht innovativ genug. Cordes war zuletzt Geschäftsführer und musste den 30 Mitarbeitern kündigen. Als die Nachfrage nach den Enzymen in den folgenden Monaten aber nicht abebbte, entschloss er sich, auf eigene Faust weiterzumachen. "Auch die Bakterien- und Pilzstämme konnte ich einfach so mitnehmen", erinnert sich der Niedersachse.

Biologisches Entrostungsgel ist in der Oldtimer-Szene gefragt

1993 stellte er die ersten beiden Mitarbeiter ein. Zu den eigenentwickelten Enzymprodukten gehört zum Beispiel ein biologisches Entrostungsgel, welches vor allem in der Oldtimer-Szene gefragt ist. Neben der Enzymherstellung etablierte sich bald ein neuer Geschäftszweig: die Herstellung von Bakterienmischkulturen. "Als sich die Umsätze ab 1995 eine Zeit lang jährlich verdoppelten, wusste ich, dass es mit der Firma auch längerfristig klappen könnte", so der 59-Jährige. "In Deutschland gibt es neben uns meines Wissens nur noch eine Firma, die Bakterienkulturen in großen Mengen kommerziell herstellt", so Cordes.

Biologischer Reiniger für Gewässer

Das wichtigste Produkt gibt es in vielen Baumärkten zu kaufen: ein biologischer Reiniger für Gewässer. Unter der Marke des Aquarien-Spezialisten Dennerle geht die Bakterienkultur an den Endkunden, mit interessierten Kommunen spricht ASA Spezialenzyme direkt. Die in den Produkten enthaltenen Bakterien reduzieren Ammonium, Ammoniak, Nitrit und Nitrat im Gewässer und haben so bereits in etlichen deutschen Badeseen für eine gute Wasserqualität gesorgt. Die Methode gilt als deutlich schonender für das Ökosystem als das Ausbaggern des Sees, hält aber dafür nicht so lange vor.

ASA Spezialenzyme GmbH

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Risikokapital sieht Cordes kritisch

Cordes lässt seine Firma langsam wachsen, Risikokapital sieht er kritisch: "Viele Gründer werden gedrängt, Geschäftspläne zu schreiben, die sie dann nicht umsetzen können. Als ich einmal mit Risikokapital geliebäugelt hatte, eröffneten mir ein paar sehr junge Männer, die von mir geschätzen Umsatzrenditen seien viel zu gering. Deren Vorschlag: 'Gestalten Sie doch die Zahlen etwas optimistischer!' Das konnte – und wollte – ich aber nicht." Ein paar Jahre später musste ASA nach einer Eigenbedarfskündigung nach neun Jahren in Braunschweig 2002 in den Nachbarort Wolfenbüttel ziehen, wo sich Cordes auch heute noch wohlfühlt.

Wohl fühlt er sich auch zu Hause, wenn er am Klavier sitzt und komponiert. Gemeinsam mit seiner Frau arbeitet er an einer Musiktheaterproduktion mit. Sie führt Regie, er schreibt die Musik. "Alle zwei Jahre steigt eine Vorstellung. Das nächste Mal im Juni!" Gut möglich, dass bis dahin auch der sehnlichst erhoffte Selbstläufer gefunden ist. Der heißeste Kandidat ist derzeit eine Keratinase: "Selbst hinter Bio-Abflussreinigern steckt nur Chemie", berichtet Cordes. Dank des neuartigen Haar-weg-Enzyms könnte es bald eine echte Bio-Alternative geben. Allerdings brauchen auch diese Enzyme mindestens vier Stunden für den Job, den Chemikalien in 30 Minuten machen. "Es ist wieder ein gutes Produkt – aber wieder eines mit einem Pferdefuß. Wenn es uns gelingt, die Anwendungsdauer noch einmal deutlich zu senken, dann würde ich den Rohrreiniger in drei Jahren in den Handel bringen – notfalls auch mit Risikokapital!"

Autor: Martin Laqua

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