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Der Algenbauer

Maarten
Heins

Beruf:
Landwirt und Unternehmer

Biopionier für:
Algenzucht

Maarten Heins
Quelle: 
BIOCOM AG
Maarten Heins

Ich kann nicht einfach einen Eimer mit Wasser voll machen und hoffen, dass da meine Alge drin wächst, sondern die eine Kultur, die ich produziere, will ich zum Wachsen bringen und keine andere.“ (Maarten Heins)

Maisfelder soweit das Auge reicht, flache Landschaft, Backsteinhöfe. – Mit einmal steht er vor der Tür, unter einem Psalmspruch, der den Betreibern des Landguts Segen spenden soll. Und das scheint zu wirken: Maarten Heins ist Landwirt in sechster Generation, auf dem Hof Bröös im niedersächsischen Rockstedt. Schon früh als Junge hat er sich entschlossen, dieses Erbe anzutreten. Jetzt steht er vor der Meisterprüfung. Verbriefter Landwirt werden – was heißt das mit 24 Jahren?

Für Strahlemann Maarten zunächst einmal: um drei Uhr aufstehen. Die nachtschlafene Zeit ist selbstgewählt; es gibt viel zu tun. Der Tag beginnt drinnen im Arbeitszimmer: Projekte strukturieren, Bürokram wegschaffen. Dann geht’s zu den Tieren. Den Schweinestall ausmisten, einer muss es ja tun, und Maarten tut es gerne, wenn auch längst nicht mehr so regelmäßig wie früher, denn es warten die nächsten Baustellen. „Für mich war von Anfang an klar, ich will was Eigenes machen, ich will selbständig sein, ich will selbst an einem Projekt arbeiten und das am besten so früh wie möglich, und der Hof war da der richtige Spielplatz dafür“, sagt Maarten selbstbewusst.   

Eigentlich müsste auf dem Schild über dem Türrahmen des Mehrgenerationenhauses ein Lob auf die Innovation prangen. Denn darum geht es seit jeher auf dem Hof: Basteln, schrauben, optimieren, neu erfinden. Bleibt das aus, kann das schnell auch das Aus für einen Hof von mittlerer Größe wie diesen bedeuten. Den drei Söhnen eine Zukunft bereiten, auf der heimatlichen Scholle. Wie könnte das gehen?

Auf beschränkter Fläche lässt sich die Schweinemast nicht vergrößern. Eine weitere Intensivierung ist keine Option. Maarten beteiligt sich an der Tierwohl-Initiative. Freilaufende Hühner sind dazu gekommen, sie legen Eier für die Direktvermarktung. Was noch? Vom Wohnhaus führt der Weg vorbei an den farbenfrohen Gallischen Hähnen und ihren Hennen aufs vermeintlich offene Feld.

Gewächshaus für Algenzucht
Gewächshaus für Algenzucht
Quelle: 
BIOCOM AG

In diesem Algenbecken gedeiht die Alge "Spirulina" prächtig.

Dort wartet die große Überraschung: Ein 2.500 m2 großes Gewächshaus, das Vater Johannes Heins 2016 auf dem Acker errichtet hat. Unter dem riesigen Glasdach werden Pflanzen gezüchtet, winzige Pflanzen: Mikroalgen der Gattung Spirulina. Stolz führt uns Maarten in sein neues Reich zu den Algenbecken: „Wir sind die ersten Landwirte in Deutschland, die das im großen Stil umgesetzt haben. Wir haben versucht, ganz pragmatisch und kostengünstig den Einstieg zu schaffen. Denn an sich ist das eine Zelle, die Photosynthese betreibt, wie die Pflanzen auf dem Acker.“

Die Luft ist feucht und schwül, fast wie in den Tropen. Die weiße Laboratmosphäre bildet einen merkwürdigen Kontrast zum blaugrün schillernden Algenteppich. Das Wasser blubbert, schlägt Bläschen. Durch feine Düsen strömt Sauerstoff. An den kurzen Enden der Becken wird das Algenwasser in Kurven gelenkt. Ein beständiger Strom grünen Lebens. Spirulina liebt es salzig und alkalisch, der Agrargast stellt Ansprüche an die richtige Pflege.