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29.10.2020

Costa Rica

Das in Zentralamerika gelegene Costa Rica gilt als einer der fortschrittlichsten Staaten Lateinamerikas. Der Staat hat früh auf Nachhaltigkeit gesetzt, gewinnt seinen Strom fast vollständig aus den regenerativen Quellen Wasser, Geothermie und Wind und hat rund ein Viertel der Landesfläche unter Naturschutz gestellt. Damit einher geht eine besonders hohe Biodiversität – mehr als 500.000 Arten wurden im Land bereits nachgewiesen. Der Ökotourismus hat neben dem Gesundheitstourismus, der Landwirtschaft und der IT-Branche große wirtschaftliche Bedeutung. Die stabile Demokratie erwirtschaftete mit ihren fünf Millionen Einwohnern ein Bruttoinlandsprodukt von 16.877 US-Dollar pro Kopf im Jahr 2017. Drei Viertel der Bevölkerung leben in Städten, allein 1,4 Mio. in der Hauptstadt San José. Die langjährigen Nachhaltigkeitsbestrebungen Costa Ricas mündeten im August 2020 in die Verabschiedung einer nationalen Bioökonomiestrategie. Sie fokussiert besonders auf die Bereiche Dekarbonisierung und zirkuläre Bioökonomie.

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Politische und rechtliche Grundlagen

Costa Rica hat bereits in den 1990er Jahren ein System entwickelt, um für Ökosystemdienstleistungen zu bezahlen. Das belohnt beispielsweise Landwirte, die ihre Flächen für den Erhalt der Artenvielfalt einsetzen. Gleiches gilt seit 1996 für Forstbesitzer, die ihre Waldflächen nachhaltig bewirtschaften. Seitdem ist der Raubbau an Wäldern deutlich rückgängig. Aber auch der umgekehrte Ansatz existiert: Unternehmen und Haushalte, die Wasser verschmutzen und in Gewässer einleiten, zahlen für das genutzte Wasser eine Steuer.

Costa Rica erzeugt Strom nahezu ausschließlich aus regenerativen Quellen und erklärte das Ziel, bis 2021 vollständig CO2-neutral zu wirtschaften. Ein wichtiger Schritt, dieses Ziel auch langfristig zu halten, ist die Bioökonomie, insbesondere die zirkuläre Bioökonomie.

Von 2018 bis 2020 hat Costa Rica unter anderem mit finanzieller Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland seine Nationale Bioökonomiestrategie 2020–2030 entwickelt und im August 2020 verabschiedet. Im Mai 2019 hatte sich der Präsident Costa Ricas, Carlos Alvarado, dazu in Deutschland bei Bundeskanzlerin Angela Merkel über Best-Practice-Lösungen in der Bioökonomie informiert. Federführend für die Formulierung war das Ministerium für Forschung, Technologie und Telekommunikation; maßgeblich beteiligt waren die Ministerien für Umwelt und Energie sowie für Wirtschaft, Industrie und Handel. Der Prozess beinhaltete zudem regionale Konsultationen und hat mehr als einhundert potenzielle Projekte für die Implementierung zutage gefördert.

Die Grundlage der Nationalen Bioökonomiestrategie Costa Ricas bilden der bestehende politische Rahmen aus der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, das Übereinkommen von Paris zum Klimaschutz sowie die Übereinkommen über die biologische Vielfalt und zur Bekämpfung der Wüstenbildung. Hinzu kommt der Nationale Plan für Entwicklung und Investitionen, der den Zeitraum 2019 bis 2022 umfasst.

Die nun vorgestellte Strategie soll private und öffentliche Ideen zu einem gemeinsamen Rahmen zusammenführen, Anreize setzen – darunter für private Investitionen – und die relevanten Handlungsfelder benennen. Im Mittelpunkt der Strategie stehen die Dekarbonisierung des bereits zu mehr als 99% von erneuerbaren Energien versorgten Landes sowie die Verbindung von Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft. So soll die Bioökonomie eine der Säulen werden, die die Transformation des costa-ricanischen produzierenden Gewerbes durch Innovationen, neue

Mehrwerte und Diversifikation unterstützt. Wichtig seien dabei die faire und angemessene Nutzung der Biodiversität und verstärkte Anstrengungen im Bereich der Biotechnologie, wie Präsident Carlos Alvarado bei der Vorstellung der Strategie betonte. So soll das Land zu einer wissensbasierten Wirtschaft mit nachhaltiger Produktion hochwertiger Güter auf Grundlage gut gemanagter Biodiversität werden.

Die Bioökonomiestrategie identifiziert fünf Themenbereiche, in denen die Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft in den kommenden zehn Jahren verbessert werden soll:

  • Bioökonomie für die Entwicklung des ländlichen Raums
  • Biodiversität und nachhaltige Entwicklung
  • Bioraffinerien auf Basis von Bioabfällen und Reststoffen
  • Fortschrittliche Bioökonomie (z. B. industrielle Biotechnologie, moderne Pflanzenzüchtung)
  • Urbane Bioökonomie für grüne Städte

Auf gesellschaftlicher Ebene soll mit der Bioökonomiestrategie die soziale Inklusion über Geschlechtergrenzen gefördert werden, unter Berücksichtigung der indigenen Bevölkerung und aller Regionen des Landes. Außerdem verspricht sich die Regierung von der Bioökonomie neue hochwertige „grüne“ Arbeitsplätze.

Zeitlich ist das Vorhaben in drei Abschnitte unterteilt: Der Zeitraum 2020 bis 2022 dient der Impulssetzung. In dieser Zeit wollen die Akteure Costa Ricas die institutionellen Grundlagen schaffen, um die Bioökonomie entwickeln zu können. Dazu zählen Aktionspläne, mit denen die Strategie implementiert werden soll, sowie die Identifizierung einer Reihe von Projekten, mit denen die Bioökonomie besonders vorangebracht werden kann. Für einige dieser Projekte sollen dann die notwendigen Ressourcen identifiziert und gemanagt werden.

Bis 2026 ist geplant, die Maßnahmen auszuweiten. Sind die institutionellen und rechtlichen Grundlagen für die Bioökonomie in Costa Rica konsolidiert, soll der Umfang der regionalen Aktionspläne zur Bioökonomie ausgeweitet werden. Eine weitere Runde strategisch wichtiger Projekte und Initiativen soll umgesetzt werden, diesmal mit dem Fokus auf Sektoren, die besonders hohen Zusatznutzen sowie besonders hochwertige Produkte versprechen.

Die Zeit bis 2030 soll schließlich der Konsolidierung der neuen Bioökonomie als Modell der Dekarbonisierung und der nachhaltigen Entwicklung Costa Ricas dienen. Am Ende soll Costa Rica ein Vorzeigeland sein für die Entwicklung einer biobasierten Wirtschaft im Kontext einer nachhaltig gemanagten hohen Biodiversität.

Ländlicher Raum

Als Ziele für die Bioökonomie im ländlichen Raum sieht die Strategie vor, dass Ackerbau, Viehzucht, Fischfang und Aquakulturen weiterhin eine wichtige Rolle in der Wirtschaft Costa Ricas spielen, dabei jedoch noch nachhaltiger werden. Indem man aus Biomasse Energie gewinnt, sollen Mehrwerte entstehen. Gleichzeitig schafft Diversifikation mehr ökonomische Sicherheit für die Akteure. Es wird zudem angestrebt, die Akteure besser zu vernetzen, um Wertschöpfungsketten zu schaffen Natur und Prozesse besser zu managen.

Die geplanten Maßnahmen in diesem Bereich konzentrieren sich darauf, eine nachhaltige und von fossilen Rohstoffen unabhängige Landwirtschaft zu etablieren, Lebensmittel und Inhaltsstoffe mit

Mehrwerten und vielseitigen Eigenschaften zu erzeugen sowie Fischfang und Aquakulturen nachhaltig auszurichten.

Biodiversität

Für die nachhaltige Nutzung der Biodiversität setzt Costa Rica auch auf die weitere Unterstützung durch die „Biodiversity Finance Initiative“ der Vereinten Nationen. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten hat das Land progressive Mechanismen entwickelt, um ein nachhaltiges Management seiner natürlichen Ressourcen zu fördern. Das hat dazu geführt, dass inzwischen mehr Wald aufgeforstet als zerstört wird. Zudem blieb die Biodiversität bislang bewahrt, die mit rund vier Prozent aller Arten, die auf der Erde leben, ein wahrer Hotspot der Vielfalt ist. Seit 1996 stehen vier Aspekte von Ökosystemdienstleistungen im Fokus des Programms; für deren Erhalt fließen Zahlungen: Kohlendioxidverwertung, hydrologische Dienstleistungen, nachhaltiges Biodiversitätsmanagement und der Erhalt der natürlichen Landschaft für den Tourismus. Die Maßnahmen haben nicht nur Effekte für den Naturschutz, sondern fördern auch Frauen und indigene Minderheiten. Die Bioökonomiestrategie sieht die Fortführung der Maßnahmen unter dieser Initiative vor. Costa Ricas Minister für Umwelt und Energie betonte in diesem Zusammenhang, dass sich inzwischen viele Länder Costa Rica zum Vorbild nähmen, da es gezeigt habe, dass Naturschutz nicht etwa die Entwicklung bremse, sondern wichtige wirtschaftliche Chancen eröffne. Dank besserer Regierungsarbeit sei man vielen anderen Ländern im Naturschutz ein Jahrzehnt voraus.

Die so bewirkte Stärkung der Ökosystemdienstleistungen und die nachhaltige Nutzung der Land- und Meeresbiomasse sollen als Motor der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung mit hohem Zusatznutzen und niedrigen Treibhausgasemissionen dienen.

Die Maßnahmen in diesem Themenfeld betreffen außerdem den Ausbau des Ökotourismus, die Identifikation und Erschließung genetischer und biochemischer Ressourcen der Artenvielfalt – sprich Gene, Enzyme und weitere Stoffwechselprodukte – sowie die Entwicklung digitaler Anwendungen im Zusammenhang mit Naturschutzgebieten und der landschaftlichen Schönheit Costa Ricas.

Bioraffinerien

Um Mehrwerte im ländlichen Raum zu schaffen und höherwertige Produkte aus Biomasse zu erzeugen, kommt Bioraffinerien eine zentrale Bedeutung in der Nationalen Bioökonomiestrategie Costa Ricas zu. Zugleich fördern sie den Ausstieg aus fossilen Rohstoffen, weil sie viele Basischemikalien erzeugen können, die bislang auf Erdöl basieren. Die Strategie betont dabei den Nachhaltigkeitsaspekt der vollständigen Verwertung der Biomasse, bei der es sich vornehmlich um Reststoffe aus Landwirtschaft, Agrarindustrie, Forstwirtschaft und auch Fischfang handeln soll.

Als Maßnahmen sieht das Papier vor, zunächst zu erfassen, wo welche Art von Biomassereststoffen überhaupt anfällt – und in welchen Mengen. Außerdem sollen sowohl die Produktion von Bioenergie als auch die von biobasierten Stoffen massiv ausgebaut werden. Um das ganze frühzeitig wirtschaftlich zu machen, soll gemäß dem Prinzip einer Bioraffinerie diese Produktion ergänzt werden durch die gleichzeitige Herstellung hochwertiger Biomoleküle und Bioprodukte.

Biotechnologie

Unter dem Bereich Advanced Bioeconomy – also fortschrittliche Bioökonomie – führt die Nationale Bioökonomiestrategie vor allem die Biotechnologie und die Bionanotechnologie. Ein Fokus liegt dabei auf der Roten Biotechnologie, da Costa Rica schon heute in der Medizin stark aufgestellt ist. Hinzu kommen andere Felder der Biotechnologie. ; insbesondere die Grüne Biotechnologie, denn in diesem Zusammenhang erwähnt die Strategie moderne Züchtungsverfahren für die Landwirtschaft.

Das übergeordnete Ziel dabei ist es, die bestehenden biowissenschaftlichen Kapazitäten des Landes mit einer nachhaltigen Nutzung der reichhaltigen Biodiversität zu verbinden. So sollen Anreize geschaffen werden, rund um die Biotechnologie innovative Produkte, Anwendungen und Plattformen zu entwickeln.

Zu den Maßnahmen zählt zunächst das Bestreben, ein günstiges Klima in Wirtschaft und Gesellschaft für diese Produktbereiche und Anwendungen zu schaffen. Unternehmertum, das sich mit Nano- und Biotechnologie befasst, soll gezielt gefördert werden. Insbesondere Vorhaben, die sich in den finanziell riskanten Pilot- und Skalierungsphasen der Entwicklung befinden, sollen gestützt werden. Sobald diese Wirtschaftsbereiche Fahrt aufgenommen haben, möchte die Regierung sich darum bemühen, die internationale Vermarktung dieser Bioprodukte, Plattformen und biotechnologischen Anwendungen zu erleichtern.

Urbane Bioökonomie und grüne Städte

Die Bioökonomie hat in Verbindung mit der Kreislaufwirtschaft großes Potenzial, Städte stärker regional mit vielen Gütern zu versorgen und diese Versorgung nachhaltig zu gestalten – insbesondere durch neue Baumaterialien, urbane Landwirtschaft, verbesserte Wasseraufbereitung und regionale Erzeugung von Strom und Wärme. Deshalb ist das fünfte Handlungsfeld der Nationalen Bioökonomiestrategie Costa Ricas die städtische Bioökonomie in Verbindung mit „grünen Städten“.

Lokale Politik und Initiativen der städtischen Entwicklung sollen verstärkt biologische Prinzipien anwenden. Explizit bezieht sich die Strategie dabei auf das Abfallmanagement, die Schaffung von Erholungsflächen und die Bauweise von Gebäuden. Es sollen feste Abfallstoffe als Rohstoffe etabliert und entsprechend nachhaltig einer weiteren Nutzung zugeführt werden. Innerhalb der Städte sollen grüne Korridore entstehen, die sowohl der Erholung als auch dem Mikroklima und der Artenvielfalt nützen. Die Stadtplanung soll sich inspirieren lassen von biologischen Prinzipien, Prozessen und Systemen.

Als übergeordnete Maßnahmen möchte die Bioökonomiestrategie fünf Handlungsachsen verbinden: Die relevanten Bildungsbereiche sollen qualitativ und quantitativ ausgeweitet werden. Gleiches gilt für Forschung und Entwicklung. Rund um die Bioökonomie werden Anreize und finanzielle Unterstützung geschaffen und ausländische Investments angeworben werden. Der Marktzugang für biobasierte Produkte soll erleichtert werden, und nicht zuletzt wird angestrebt, über Kommunikationsmaßnahmen die Öffentlichkeit stärker für das Thema zu sensibilisieren.

Joachim von Braun, bis 2019 Vorsitzender des deutschen Bioökonomierates, resümierte zur Vorstellung der Nationalen Bioökonomiestrategie Costa Ricas, damit sei das Land der „Elite-Liga“ der bioökonomiebasierten Strategien beigetreten. Nur 17 Länder hätten bislang spezifische Bioökonomiestrategien formuliert und die von Costa Rica sei „bahnbrechend“ und erzeuge ein „sehr positives bio-ökologisches Bild“. Tatsächlich ist die Bioökonomiestrategie Costa Ricas wesentlich konkreter als die der meisten anderen Länder und definiert neben klaren zeitlichen Zielen teils messbare Kriterien.

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Unternehmenslandschaft

Neben dem Ökotourismus ist die Landwirtschaft mit einem Exportvolumen von 2,7 Mrd. US-Dollar (2015) der wichtigste Wirtschaftszweig. Zu beobachten ist jedoch auch, dass andere Branchen als die Landwirtschaft in der jüngeren Vergangenheit deutlich gewachsen sind, darunter insbesondere digitale Dienstleistungen und Produkte, die inzwischen ein Viertel der Landesproduktion ausmachen, und pharmazeutische Produkte. Der Großteil der Industrie befindet sich im Umfeld der Hauptstadt San José, weitere Schwerpunkte bilden die Städte Alajuela, Heredia und Cartago.

Ökotourismus

Der Ökotourismus erzielt 40% der gesamten Branchenumsätze von jährlich mehr als 2 Mrd. US-Dollar. Dabei setzen sich die Umsätze aus vielen kleinen Beiträgen bei vielen kleinen Anbietern zusammen. Auch Nationalpark-Eintritte, Transportdienstleistungen und andere Effekte wie ein - inländischer Kaffeekonsum durch Touristen fördern die costa-ricanische Wirtschaft. In Bereichen, in denen die Rodung von Wäldern gestoppt wurde, hat die ökotouristische Erschließung Arbeitsplätze erhalten.

Landwirtschaft

Zehn Prozent der Landesfläche Costa Ricas werden landwirtschaftlich genutzt. Im Wesentlichen gibt es drei unterschiedliche Anbaumethoden: (Obst-)Plantagen großer internationaler Konzerne wie Dole, Chiquita und Del Monte, Permakulturen costa-ricanischer Landwirte und Subsistenzfarmen vor allem indigener Gemeinschaften. Ein großer Teil der Plantagenfrüchte sind genetisch modifizierte Pflanzen. Das Wachstum der Plantagen war ein wichtiger Treiber der Abholzung in Costa Rica, bis die Regierung für eine Trendwende sorgte. Seitdem sind kleinere Betriebe mit nachhaltigeren Anbaupraktiken auf dem Vormarsch – auch mit Blick auf das Ziel der für 2021 angestrebten Klimaneutralität des Landes. Denn die Anbaupraktiken und der internationale Handel durch die wenigen Konzerne, in deren Hand große Teile der industriellen Landwirtschaft liegen, tragen erheblich zum CO2-Fußabdruck Costa Ricas bei.

Insbesondere der Anbau von Bananen (2,5 Millionen Tonnen im Jahr 2018) und zuletzt vor allem Ananas (3,4 Millionen Tonnen im Jahr 2018) war von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Kaffee ist ebenfalls noch immer ein wichtiges Exportprodukt, wenngleich die Produktionsmenge in den vergangenen Jahren stark schwankte. Rückläufig ist die Exportbilanz von Zuckerrohr (4,4 Millionen Tonnen im Jahr 2018) und auch der Rinderzucht. Weitere landwirtschaftliche Exporte betreffen Papaya, Melonen, Macadamia-Nüsse, Reis, Palmöl und Zierpflanzen.

Aquakultur und Fischfang

Aufgrund der langen Küstenlinien ist gut ein Viertel der Bevölkerung als Fischer unterwegs und verkauft seine Fänge auch an Fischereifirmen. Kommerzielle Fischfangflotten benötigen staatliche Lizenzen. Allerdings hat die Regierung 2017 weite Bereiche der Küstengewässer für kommerzielle Fangflotten gesperrt. Der Fischfang umfasste 2018 rund 13,6 Millionen Tonnen. Aquakulturen erzeugen rund 21.000 Tonnen Fisch und Garnelen im Jahr 2018. Die Produzenten sind vorrangig kleine und mittlere Unternehmen. Wegen der steigenden inländischen Nachfrage übertraf in den vergangenen Jahren der Importwert erstmals den der Exporte.

Forst- und Holzindustrie

Holz und Holzprodukte hatten lange Zeit mit etwa 15% einen wichtigen Anteil an der costa-ricanischen Wirtschaft, doch dieser immer noch bedeutsame Sektor ist rückläufig. Nachdem zwischen 1950 und 1990 die Waldfläche von 70% auf 20% der Landesfläche geschrumpft war, liegt sie jetzt wieder bei mehr als 50%, vor allem dank der Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen. Dadurch erfolgt die Nutzung der Wälder heute weitgehend nachhaltig. Der Holzexport ist gesunken, da viele Wälder touristisch genutzt werden. 2017 wurden noch etwas unter einer Million Kubikmeter Holz geerntet. Dabei ist der Anbau von Hölzern in Plantagen mit drei Vierteln der Produktion weiterhin die wichtigste Größe. Unternehmen in diesem Bereich sind unter anderem Life Forestry Costa Rica, Novelteak Costa Rica, Dee und CR Teak.

Lebensmittelwirtschaft

In der Lebensmittelwirtschaft sind viele kleinere und mittlere einheimische Unternehmen aktiv, darunter beispielsweise Florida Ice and Farm Company, Café Britt, Dos Pinos, Rostipollos und Ujarrás. Sieben kleine Anbieter haben sich außerdem vor allem zum Zweck des erfolgreicheren Exportgeschäfts zur Costa Rican Food Group zusammengeschlossen. Daneben sind eine Reihe internationaler Akteure in Costa Rica aktiv, darunter Cargill (Fleischprodukte, Eier, Tierfutter), Del Monte (Obst, Saft), Bimbo (Backzutaten), Nestlé (Milchprodukte, Süßwaren), Demasa (Mais und Snackzutaten), Sigma Alimentos (Fleisch- und Fertiggerichte), Chiquita, Dole und Del Monte (Obst), Unilever (verarbeitete Lebensmittel), Riviana (Mehl, Getreide, Nüsse, Trockenobst) und Inolasa (Sojaprodukte).

Biotechnologie und pharmazeutische Industrie

Costa Rica ist einer der führenden Standorte in Lateinamerika im Bereich der Lebenswissenschaften. Es gibt 35 Zentren für Biotechnologie, von denen etwas weniger als die Hälfte im privatwirtschaftlichen Sektor angesiedelt sind. Etwa 15 Unternehmen haben ihren Schwerpunkt in der Biotechnologie, darunter CR biomed, bioTD, Speratum, Bio Engineering und Magenta Biolabs. Rund die Hälfte der Firmen befasst sich mit medizinischen Produkten. Land- und Forstwirtschaft sind das Ziel eines weiteren Drittels der Biotech-Unternehmen. Etwa zehn Prozent entwickeln für die industrielle Biotechnologie, weitere fünf Prozent für die Umweltbiotechnologie.

Pharmazeutische Produkte werden von 18 einheimischen Unternehmen hergestellt, darunter Apotex, Farmanova und Technofarma. Hinzu kommen fünf internationale Konzerne, die auch in Costa Rica aktiv sind – AstraZeneca, Bayer, GlaxoSmithKline, Pfizer und Roche.

Chemische Industrie

Die chemische Industrie hat bislang einen einstelligen Prozentanteil an der Wirtschaftsleistung Costa Ricas, befindet sich jedoch im Aufschwung. Anteil daran haben zahlreiche internationale Konzerne, die inzwischen auch in Costa Rica aktiv sind. Oftmals handelt es sich dabei jedoch nur um Distributionen. Regionale Unternehmen sind meist auch in den benachbarten Staaten Zentralamerikas tätig. Zu den in Costa Rica hergestellten Produkten gehören neben Agrarchemikalien, Feinchemikalien und Kunststoffen auch Gummiprodukte. Dienstleistungen wie

Umweltanalysen werden ebenfalls angeboten. Zu den regionalen Akteuren zählen unter anderem Chemlabs, Daiso Chemical, Elastec HC, Exenos Costa Rica, Fortech, Pisos HC, Plásticos Agro Industriales, Resin Cleaner Industrial Solutions und Thermaflex.

Energiesektor

Costa Rica profitiert von bergigem Gelände und den starken Regenfällen, die das Land durch zahlreiche Wasserkraftwerke nutzt. Fossile Energieträger spielen in der Stromerzeugung schon heute praktisch keine Rolle mehr. Der Anteil der energetisch genutzten Biomasse ist mit unter einem Prozent gering, weil andere Formen der erneuerbaren Energiequellen den Bedarf hinreichend decken. Raffiniertes Petroleum ist dennoch das wichtigste Importprodukt und wird sowohl zum Heizen, fürs Kochen als auch für die chemische Industrie genutzt. Die Costa Rican Petroleum Refinery gilt als größtes Unternehmen in Zentralamerika. Inzwischen forscht und entwickelt das Unternehmen auch im Bereich der Biokraftstoffe und der Wasserstoffnutzung. Die Asociación Costarricense de Productores de Energía (ACOPE) bündelt einige private Kraftwerke, die erneuerbare Energien nutzen, darunter auch Biomassekraftwerke.

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Forschungslandschaft

Dadurch, dass Costa Rica seit 1949 sein Militär abgeschafft hat, fließen kontinuierlich die eingesparten Gelder ins Sozialsystem und in die Bildung. Heute hat das kleine Land fünf öffentliche und mehr als 50 private Universitäten, darüber hinaus weitere öffentliche und privatwirtschaftliche Forschungsinstitute. Auch einige internationale Konzerne betreiben an ihren Standorten in Costa Rica Forschung, wobei die IT-Branche hier besonders heraussticht.

Öffentliche Universitäten

Die größte Universität ist die Universität von Costa Rica mit rund 40.000 Studierenden. Mehrere Institute und Forschungszentren befassen sich mit Landwirtschaft und Ernährung, aber auch mit Molekularbiologie, Naturschutz und Meereskunde. Besonders stark in den Lebenswissenschaften ist außerdem die Universidad Nacional de Costa Rica mit ihren rund 30.000 Studierenden. Neben Biologie und Chemie sind Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Umweltwissenschaften Schwerpunkte. Die Instituto Technológico de Costa Rica ist auf moderne technologische Themen spezialisiert. Dazu zählen die Biotechnologie, Waldinnovationen, Umweltschutz, Bauwesen, Agrarmanagement und Tropenlandwirtschaft.

Private Universitäten

Die meisten privaten Universitäten bilden nur aus, ein paar wenige betreiben jedoch auch Forschung, wenngleich oft in geringem Umfang. Die Universität EARTH beispielsweise konzentriert sich dabei auf vielfältige Nachhaltigkeitsthemen in den Bereichen Landwirtschaft und Naturschutz. Auch die University for Peace berührt die Bioökonomie insofern, dass sie unter anderem zu nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung forscht.

Sonstige Forschungseinrichtungen

Zu den öffentlichen Forschungseinrichtungen im Bereich der Bioökonomie gehört das Centro de Investigación en Biología Celular y Molecula (CIBCM) Zu den vielen Fragestellungen im Bereich der Molekularbiologie gehört die gentechnikbasierte Züchtung von Reis- und Kaffeepflanzen. Das Centro de Investigaciones Agronómicas (CIA) betreibt ebenfalls Pflanzenzüchtungsforschung, hier mit Schwerpunkten auf Knollen- und Wurzelgemüse. Ein dritter Akteur in der Pflanzenbiotechnologie ist das Laboratorio de Biotecnología en Biología (BIOLOGIA-UCR) dessen Schwerpunkt auf Reis liegt. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Ernährungssicherheit sowie ökologische Wirtschaft sind die Themen des Tropical Agricultural Research and Higher Education Center (CATIE). Das Instituto Costarricense de Pesca y Acuacultura reguliert Fischfang und Aquakultur und nimmt zudem Forschungsaufgaben wahr, um unter anderem Nachhaltigkeit zu fördern.

Auf Kaffee liegt der Fokus des Instituto del Café de Costa Rica (ICAFE) in öffentlich-privater Partnerschaft. Die sechs Jahrzehnte alte Züchtungsforschung wird seit zehn Jahren auch mit Methoden der Biotechnologie betrieben. Rein privat arbeitet die japanische Sakata Seed, die in Costa Rica vor allem Zierpflanzen entwickelt. Gleiches gilt für Dieca, eine costa-ricanische Firma, die Züchtungsforschung an Zuckerrohr betreibt.

Die NGO Maderas rainforest conservancy betreibt zwei Feldschulen, La Suerte Biological Field School und Ometepe Biological Field School, an denen auch Forschung betrieben wird. Im Fokus steht das weite Feld der Ökologie. Das gemeinnützige Monteverde Institute forscht unter anderem in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Ökotourismus, Artenschutz, Landnutzungsplanung. Generell gibt es in Costa Rica eine Reihe kleiner Forschungsinstitute, die sich mit Biodiversität, Ökologie und ähnlichen naturbezogenen Themen befassen.

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