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15.06.2019

Bioökonomie in Baden-Württemberg

Bioökonomie und nachhaltiges Wirtschaften spielen in Baden-Württemberg eine große Rolle. Bereits 2013 gab es eine eigene Forschungsstrategie, im Juni 2019 wurde die Landesstrategie "Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg" beschlossen, für deren Umsetzung 50 Mio. Euro bereitgestellt werden. Zum anderen befassen sich viele Forschungseinrichtungen mit Bioökonomie und der erste deutsche Masterstudiengang Bioökonomie wurde in Baden-Württemberg eingeführt. Eine enge Verknüpfung von Forschung und Wirtschaft wird durch gemeinsame Projekte von Forschungseinrichtungen mit Unternehmen, verschiedenen – auch internationalen – Konferenzen ermöglicht.

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Politische Grundlagen

Baden-Württemberg zählte 2013 zu den ersten Bundesländern mit einer eigenen Bioökonomie-Forschungsstrategie sowie einem landeseigenen Forschungsprogramm „Bioökonomie Baden-Württemberg“. Im Juni 2019 beschloss die Landesregierung eine ressortübergreifende Politikstrategie: Die Landesstrategie „Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg“.

Die Erarbeitung der Bioökonomie-Landesstrategie war bereits im Koalitionsvertrag der seit 2016 amtierenden grün-schwarzen Landesregierung vereinbart worden. Die Ministerien für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sind federführend für die Landesstrategie, die den Rahmen für eine nachhaltige, kreislauforientierte Bioökonomie und deren weitere Entwicklung in Baden-Württemberg absteckt sowie hierfür geeignete Handlungsfelder und Maßnahmen beschreibt.

Für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen stellt die Landesregierung von 2020 bis 2024 insgesamt 50 Mio. Euro bereit. Das Budget speist sich jeweils zur Hälfte aus Mitteln des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes.

Im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der UN und denen des Landes eröffnet die Bioökonomie nicht nur Chancen für den Umwelt- und Klimaschutz, sondern wird als Innovationsmotor gesehen, der großes Potenzial für die Schaffung neuer, umweltfreundlicher Arbeitsplätze birgt.

Mit der Landesstrategie werden vier übergeordnete Zielsetzungen verfolgt:

  • mit innovativen biologischen Konzepten erneuerbare oder recycelbare Rohstoffquellen erschließen
  • die Treibhausgasemissionen zu senken, natürliche Ressourcen zu schonen und die Biodiversität zu stärken
  • Mit der Landesstrategie soll Baden-Württemberg zu einem Beispielland für eine Transformation hin zu einer nachhaltigen und kreislauforientierten Wirtschaftsform werden
  • Die ländlichen Räume in Baden-Württemberg sollen gestärkt werden, indem die regionale Wertschöpfung durch innovative bioökonomische Lösungsansätze erhöht wird und attraktive, zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen werden.

Das ressortübergreifende Konzept der Bioökonomie-Landesstrategie umfasst 37 Maßnahmen. Dazu gehört auch, dass vorhandenes Wissen aus Forschung und Entwicklung in praktische Anwendungen zu überführen und dafür entsprechende Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen, um die Potenziale auszuschöpfen.  

Die Landesagentur BIOPRO Baden-Württemberg GmbH hatte in einem breit angelegten Beteiligungsprozess mit Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft Handlungsempfehlungen erarbeitet, die in die Landesstrategie eingeflossen sind.

BIOPRO hat den Auftrag, Wissenschaft und Wirtschaft in den Bereichen Bioökonomie und Biotechnologie, Pharmazeutische Industrie und Medizintechnik zu vernetzen. Zudem finden sich bei BIOPRO ein Cluster zu Biopolymeren/Biowerkstoffen und Bioenergie. Die Landesgesellschaft BIOPRO unterstützt zudem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und vertritt sie in dem von der EU geförderten „Bio-based Industries Consortium (BIC)“. 

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Forschungslandschaft

In Baden-Württemberg gibt es über 120 Einrichtungen, die sich mit bioökonomischen Themen befassen. Einen Überblick gibt der Forschungsatlas auf bioökonomie.de und die Datenbank von BIOPRO. Viele von ihnen sind über das landeseigene Forschungsprogramm „Bioökonomie Baden-Württemberg“ miteinander vernetzt. Einzelne Forschungseinrichtungen haben sich für eine deutliche Schwerpunktsetzung im Bereich Bioökonomie entschieden. So gibt es beispielsweise an der Universität Hohenheim vielfältige Forschungsaktivitäten zur Bioökonomie und ein Bioökonomie-Forschungszentrum. Seit 2014 wird in Hohenheim der erste Bioökonomie-Studiengang in Europa als internationales Bioökonomie-Masterstudium angeboten; auch bei Promotionen kann ein bioökonomischer Schwerpunkt gewählt werden.

Neben der eigentlichen Forschung spielen auch Tagungen und Konferenzen für den wissenschaftlichen Austausch eine wichtige Rolle. 2017 fand der zweite Internationale Bioökonomie Kongress in Stuttgart-Hohenheim statt. Das Kompetenzzentrum Umwelttechnik (KURS) veranstaltet zusammen mit weiteren Einrichtungen seit 2013 jährlich das Bioabfallforum Baden-Württemberg. Auf dem vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft geförderten 5. Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftkongress BW 2017 präsentierten über 70 Experten aktuelle Entwicklungen, gelungene Umsetzungsbeispiele wurden vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht.

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