Apropos Resistenzen: Im aktuellen Forschungsprojekt „DRIVE“ wollen Sie zur Sicherheit der Weizenproduktion beitragen. Welchen konkreten Gewinn soll das Projekt letztlich liefern, wie tragen Sie dazu bei und was ist hierbei der Flaschenhals?
Das generelle Hauptziel von dem DRIVE-Projekt ist es, Weizen resistenter gegenüber zukünftigen klimatischen Bedingungen und Krankheitserregern zu machen. Der entscheidende Gewinn ist die Fähigkeit, bioinformatische Vorhersagen zu treffen. Da es unmöglich ist, die tatsächlichen zukünftigen Klimabedingungen – wie etwa die Kombination aus Niederschlag, Temperatur und Tageslänge für das Jahr 2050 in Deutschland – im Feld zu testen, müssen wir anders vorgehen: Unsere Bioinformatik-Projektpartner entwickeln Modelle, die vorhersagen, wie sich bestimmte Weizengenotypen unter den möglichen Umweltbedingungen verhalten werden. Und die besten dieser vorhergesagten Genotypen müssen dann auch tatsächlich erzeugt werden. Die konkrete Aufgabe von unserem Projektteil ist die Etablierung der gezielten Züchtungstechnik, also wieder ein Proof of Concept, um die notwendige Pipeline zum Laufen zu kriegen. Die größte technische Herausforderung besteht hierbei in der Transformations- und Regenerationsfähigkeit von Weizen, insbesondere bei landwirtschaftlich nutzbaren Elite-Weizenlinien, die bisher noch nicht zuverlässig und einfach transformiert werden konnten. Es ist nämlich nicht selbstverständlich, fremde Gene gezielt in diese Linien einzubringen. Aber mein Mitarbeiter Philipp Berg erzielt gerade erste Erfolge.
Das Interview führte Tamara Worzewski