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Weltweit erste Demonstrationsanlage für Acrylnitril aus pflanzlichem Glycerin fertiggestellt

Acrylnitril steckt in Carbonfasern, Kunststoffen und Textilien. Trillium will den Grundstoff künftig aus pflanzlichem Glycerin herstellen und testet dafür eine Demonstrationsanlage in Texas.

Die Anlage Project Falcon soll zeigen, ob sich Acrylnitril aus pflanzlichem Glycerin in größerem Maßstab herstellen lässt.
Quelle: Trillium
Die Anlage Project Falcon soll zeigen, ob sich Acrylnitril aus pflanzlichem Glycerin in größerem Maßstab herstellen lässt.

Acrylnitril ist ein unscheinbarer, aber wichtiger Grundstoff der Chemieindustrie. Aus ihm entstehen unter anderem Carbonfasern, ABS-Kunststoffe, Acrylfasern, Acrylamid und Nitrilkautschuk. Weltweit werden laut Trillium Renewable Chemicals jährlich mehr als sechs Millionen Tonnen produziert, bislang fast vollständig aus fossilen Rohstoffen. Das Unternehmen aus Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee will diese Lieferkette um einen biobasierten Weg ergänzen. Seine Demonstrationsanlage Project Falcon auf dem Gelände von INEOS Nitriles in Port Lavaca, Texas, ist nach Unternehmensangaben fertiggestellt. Die Inbetriebnahme soll im zweiten Quartal 2026 beginnen, erste Produktlieferungen sind für den weiteren Jahresverlauf geplant.

Rohstoff aus Ölen und Fetten

Statt petrochemischem Propylen nutzt Trillium pflanzliches Glycerin, auch Glycerol genannt. Der Stoff fällt als Nebenprodukt an, wenn natürliche Öle und Fette zu Seifen, Waschmitteln oder Biokraftstoffen verarbeitet werden. Trillium wandelt diesen Rohstoff in einem thermochemischen Verfahren zu Acrylnitril um. Ein Eintrag im Green Chemistry for Sustainability Toolkit beschreibt den Prozess als zweistufige Route, bei der Glycerin zunächst zu Acrolein dehydratisiert und anschließend mit Sauerstoff und Ammoniak zu Acrylnitril umgesetzt wird.

Nach Angaben des Toolkits kann das biobasierte Acrylnitril den CO₂-Fußabdruck gegenüber fossilem Acrylnitril um rund 70 Prozent senken. Für Industriepartner ist zudem wichtig, dass der Stoff als Drop-in-Lösung gedacht ist. Er soll also in bestehenden Anwendungen und Lieferketten fossiles Acrylnitril ersetzen, ohne dass nachgelagerte Verarbeitungsschritte grundsätzlich umgebaut werden müssen. Das ist vor allem für Carbonfasern, Hochleistungskunststoffe und technische Textilien relevant, bei denen Qualität und Prozessstabilität eng kontrolliert werden.

Project Falcon prüft den Maßstab

Vor der Demonstrationsanlage hatte Trillium die Chemie in einem mehrjährigen Pilotprogramm validiert und Muster an potenzielle Kunden geliefert. Bereits 2024 hatte das Unternehmen den Standort Green Lake von INEOS Nitriles als Ort für Project Falcon ausgewählt. Dort befindet sich nach Angaben von Trillium das größte Acrylnitril-Werk der USA. Die Anlage soll nun zeigen, ob sich das Verfahren im industriellen Umfeld zuverlässig betreiben lässt und welche Daten für eine kommerzielle Anlage nötig sind. Auch Solvay ist in die Validierung eingebunden. Nach früheren Angaben von Trillium soll das Unternehmen Produktqualität und Lebenszyklusdaten prüfen.

Für die biobasierte Chemie ist das Vorhaben vor allem interessant, weil es einen Nebenstrom aus der Verarbeitung von Ölen und Fetten mit einem großen Markt für Basischemikalien verbindet. Ob sich dieser Ansatz auch in größeren Mengen zuverlässig und wirtschaftlich umsetzen lässt, hängt nun von Rohstoffversorgung, Kosten, Anlagenbetrieb und Produktqualität ab. Project Falcon soll dafür die nächsten belastbaren Daten liefern.

ag