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Warum Pflanzenreste Enzyme ausbremsen

Beim Zerlegen von Holz und Stroh sollen Enzyme Zucker freisetzen. Eine Nature-Communications-Studie erklärt, warum pflanzliche Begleitstoffe sie dabei chemisch ausbremsen können.

Weizenstroh ist ein möglicher Rohstoff für Bioraffinerien, enthält aber auch Begleitstoffe, die den enzymatischen Aufschluss erschweren können.
Quelle: Wikipedia CC BY-SA 4.0
Weizenstroh ist ein möglicher Rohstoff für Bioraffinerien, enthält aber auch Begleitstoffe, die den enzymatischen Aufschluss erschweren können.

Holz, Stroh und andere Pflanzenreste enthalten viel Cellulose. Für Bioraffinerien ist das attraktiv, weil sich daraus Zucker gewinnen lässt, die später zu Kraftstoffen oder Chemikalien weiterverarbeitet werden können. Doch der Weg dorthin ist mühsam. Cellulasen, also Enzyme zum Abbau von Cellulose, verlieren bei der Verzuckerung oft an Wirkung. Eine Studie in Nature Communications zeigt nun genauer, warum das passieren kann.

Ein Forschungsteam mit Beteiligung des Qingdao Institute of Bioenergy and Bioprocess Technology und der Ocean University of China untersuchte dafür phenolische Verbindungen. Diese kleinen aromatischen Moleküle können aus Lignin entstehen, dem holzartigen Stützstoff der Pflanzenzellwand. Sie kommen aber auch in wasserlöslichen Begleitstoffen vor, die bereits in der unbehandelten Biomasse enthalten sind. In der Studie wurden unter anderem Weizen- und Reisstroh untersucht.

Wenn Pflanzenstoffe Enzyme verkleben

Im Mittelpunkt steht ein chemischer Mechanismus, der die Enzyme ausbremst. Besonders phenolische Aldehyde, darunter Vanillin, können unter Sauerstoffeinfluss feste Bindungen mit den Eiweißmolekülen der Cellulasen eingehen. Vereinfacht gesagt: Die Enzyme werden chemisch verändert und teilweise miteinander vernetzt. Dadurch verlieren sie Aktivität und bauen Cellulose schlechter ab.

Die Forschenden zeigten diesen Effekt zunächst an einem Modell-Enzym. Nach Kontakt mit einem Hydrolysat aus vorbehandeltem Weizenstroh sank dessen Aktivität auf etwas mehr als die Hälfte. Weitere Tests mit verschiedenen bakteriellen und pilzlichen Cellulasen zeigten, dass der Effekt nicht auf ein einzelnes Enzym beschränkt ist. Die Autorinnen und Autoren beschreiben ihn deshalb als breiteres Prinzip bei der enzymatischen Verzuckerung von Lignocellulose.

Nicht nur bessere Enzyme zählen

Für die Anwendung ist wichtig, dass die Studie auch Gegenmaßnahmen prüft. Weniger Sauerstoff im Prozess verringerte die schädliche Vernetzung. Zudem konnten bestimmte Verbindungen mit Aminogruppen die Reaktion teilweise abfangen. Die Forschenden machen aber deutlich, dass solche Zusätze nicht automatisch für industrielle Prozesse geeignet sind. Entscheidend dürfte eher sein, störende phenolische Stoffe bei der Vorbehandlung der Biomasse zu reduzieren und Enzyme zu finden oder zu entwickeln, die robuster darauf reagieren.

Bis daraus ein optimierter Industrieprozess wird, bleibt viel Entwicklungsarbeit. Die Studie verschiebt den Blick aber auf einen oft unterschätzten Punkt: Bei Pflanzenresten zählt nicht nur, wie gut die Enzyme sind. Ebenso wichtig ist die chemische Umgebung, in der sie arbeiten müssen.

ag