Stretchjeans, Sportkleidung oder Schuhsohlen enthalten oft elastische Kunststoffe. Für ihre Herstellung braucht die Chemieindustrie Ausgangsstoffe, die bisher meist aus Erdöl, Erdgas oder Kohle stammen. Zwei neue Produktionsstarts zeigen, dass solche Stoffe inzwischen auch in großen Industrieanlagen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Pflanzen oder landwirtschaftlichen Reststoffen hergestellt werden.
Zwei neue Anlagen starten
Hyosung TNC, ein südkoreanischer Textil- und Chemiekonzern, hat Ende August in Ho-Chi-Minh-Stadt eine Anlage für Butandiol, kurz BDO, in Betrieb genommen. BDO wird in Vietnam zu Polytetramethylenglykol, kurz PTMG, weiterverarbeitet. Dieser Stoff wird für Elastan gebraucht, also die dehnbare Faser in Sportkleidung oder Stretchjeans. In diesem Fall wird er aus Zucker aus Zuckerrohr gewonnen. Die Anlage kann zunächst 50.000 Tonnen pro Jahr produzieren und soll bei wachsender Nachfrage später auf bis zu 200.000 Tonnen erweitert werden.
Anfang September meldete auch CovationBio, ein US-Unternehmen für biobasierte Materialien, erste Produktionsmengen in Verkaufsqualität aus einer neuen Anlage in Qidong in China. Dort entsteht Tetrahydrofuran, kurz THF, das im nächsten Schritt zu Polytetramethylenetherglykol, kurz PTMEG, weiterverarbeitet wird. Es wird unter anderem für Elastan und Polyurethane genutzt, also Kunststoffe etwa für Schuhsohlen, Beschichtungen und Schaumstoffe. Als Ausgangsmaterial nennt CovationBio landwirtschaftliche Nebenprodukte wie Maiskolbenreste. Die Anlage ist auf 50.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt.
Zur Einordnung: Das weltweite Marktvolumen von BDO liegt bei mehr als 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Bei THF und PTMEG sind es jeweils rund eine Million Tonnen. Mit Kapazitäten von jeweils 50.000 Tonnen bewegen sich die neuen Anlagen damit bereits klar im industriellen Maßstab.
Weitere Anbieter ziehen nach
Die beiden Produktionsstarts stehen nicht allein. Qore ist ein Gemeinschaftsunternehmen des US-amerikanischen Agrarkonzerns Cargill und des deutschen Chemieunternehmens HELM. Es produziert seit 2025 biobasiertes BDO aus Mais. Der deutsche Chemiekonzern BASF hat sich Zugang zu diesem Rohstoff gesichert, um daraus biobasierte Varianten von THF und PolyTHF anzubieten. PolyTHF ist der BASF-Name für PTMEG. Auch der taiwanische Chemiehersteller Dairen Chemical will das BDO von Qore zu biobasiertem PTMEG für Elastanfasern der Marke LYCRA weiterverarbeiten.
Die Unternehmen arbeiten dabei nicht alle zusammen. Zusammengenommen zeigen die Entwicklungen aber, dass mehrere wichtige Rohstoffe für Elastan und Kunststoffe inzwischen in großen Mengen für den Markt aus Biomasse hergestellt werden. Wie viel fossile Rohstoffe sie tatsächlich ersetzen und wie groß der Umweltvorteil über den gesamten Lebensweg ist, lässt sich bislang nicht einheitlich vergleichen.
js