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Speiseöl und Biomasseöle machen Kraftstoffe klimafreundlicher

Eine Studie der EU-Kommission zeigt, wie gebrauchte Speiseöle und Öle aus Biomasse in herkömmlichen Erdölraffinerien zu Biokraftstoffen werden können. Forschende errechnen 73 bis 96 Prozent weniger Treibhausgase.

Beim Co-Processing werden Speise- und Biomasseöle gemeinsam mit herkömmlichen Raffinerierohstoffen zu Kraftstoffen verarbeitet.
Quelle: Redaktion Bioökonomie.de / KI-generiert
Beim Co-Processing werden Speise- und Biomasseöle gemeinsam mit herkömmlichen Raffinerierohstoffen zu Kraftstoffen verarbeitet.

Herkömmliche Erdölraffinerien könnten einen Teil ihrer fossilen Ausgangsstoffe durch Rohstoffe aus Biomasse ersetzen und beide gemeinsam zu Kraftstoffen verarbeiten. Wie sich dieses Co-Processing auf die Treibhausgasbilanz auswirkt, hat ein internationales Forschungsteam um Marco Buffi vom Gemeinsamen Forschungszentrum der Europäischen Kommission für eine typische europäische Raffinerie berechnet. Untersucht wurden vier Verfahren mit gebrauchtem Speiseöl und Pyrolyseölen, die durch Erhitzen von Holz und anderer faserreicher Biomasse entstehen. Die Studie ist im Fachjournal Energy Conversion and Management erschienen.

Vier Wege durch bestehende Raffinerien

Beim Co-Processing werden Rohstoffe aus Biomasse gemeinsam mit klassischen Raffinerierohstoffen aus Erdöl in herkömmlichen Anlagen verarbeitet. Für gebrauchtes Speiseöl betrachtete das Team Hydrotreating, bei dem das Öl mithilfe von Wasserstoff zu Kohlenwasserstoffen umgewandelt wird, sowie Hydrocracking, bei dem die Moleküle zusätzlich stärker aufgespalten werden. Zwei weitere Varianten nutzten unbehandeltes sowie mit Wasserstoff vorbehandeltes Pyrolyseöl. In den untersuchten Verfahren machten Rohstoffe aus Biomasse 5 bis 20 Prozent des jeweils verarbeiteten Rohstoffgemischs aus.

Gegenüber fossilen Kraftstoffen errechneten die Forschenden Treibhausgaseinsparungen von 73 bis 96 Prozent. Besonders gut schnitt das Hydrotreating von gebrauchtem Speiseöl ab: Es kam auf die geringsten Emissionen und lieferte zugleich die größten Kraftstoffmengen. Die Pyrolyseöl-Verfahren schnitten bei Klimabilanz und Ausbeute schlechter ab, können dafür aber Holz und andere faserreiche Biomasse als Rohstoff erschließen.

Bis zu 13,9 Millionen Tonnen Biokraftstoff

Für die EU berechneten die Forschenden außerdem das theoretische Potenzial. Bei fünf Prozent Biomasse im jeweils verarbeiteten Rohstoffgemisch könnten europaweit rechnerisch bis zu 13,9 Millionen Tonnen Kraftstoff pro Jahr aus Biomasse stammen. Gemeint ist also nicht die gesamte Menge der gemeinsam erzeugten Kraftstoffe, sondern nur deren Anteil aus Biomasse. Diesen Fünf-Prozent-Anteil halten die Autoren mit bestehender Raffinerieinfrastruktur kurzfristig für umsetzbar.

Davon entfielen rund 10,3 Millionen Tonnen auf Diesel, 2,4 Millionen Tonnen auf Kerosin und 1,3 Millionen Tonnen auf Benzin. Das theoretische Potenzial entspräche mehr als der Hälfte der heutigen EU-Produktion an Biokraftstoffen.

Die 13,9 Millionen Tonnen sind keine Produktionsprognose. Wie viel davon tatsächlich hergestellt werden könnte, hängt vor allem von der Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe ab. Gebrauchtes Speiseöl ist begrenzt und wird bereits anderweitig für Biokraftstoffe genutzt. Pyrolyseöle könnten künftig größere Mengen Holz und andere faserreiche Biomasse erschließen, sind aber technisch anspruchsvoller zu verarbeiten.

js