Abwasser, Klärschlamm und Bioabfälle aus Haushalten enthalten Kohlenstoff und Nährstoffe, die bisher meist nur begrenzt genutzt werden. Das EU-Projekt DEEP PURPLE will solche Restströme aus Städten und Kommunen in verwertbare Produkte überführen. In Badajoz ist dafür nun eine Demonstrationsanlage offiziell eröffnet worden. Sie soll zeigen, wie sich Abwasserbehandlung, Bioabfallnutzung und die Herstellung biobasierter Produkte miteinander verbinden lassen.
Am 6. Mai 2026 wurde die Anlage auf dem Gelände der Kläranlage Rincón de Caya in Badajoz eingeweiht. Sie nutzt ein von Aqualia entwickeltes Verfahren mit beleuchteten, sauerstofffreien Reaktoren. Darin wachsen Purpurbakterien, die Bestandteile aus Abwasser und Klärschlamm aufnehmen und in nutzbare Biomasse umwandeln. Laut Circular Bio-based Europe Joint Undertaking (CBE JU) kann die Anlage bis zu 600 Kubikmeter Abwasser pro Tag behandeln. Nach dem Standort Linares ist Badajoz der zweite große Demonstrator dieser Bakterien-Technologie unter realen Betriebsbedingungen.
Purpurbakterien als Produktionshelfer
Purpur-phototrophe Bakterien, abgekürzt PPB, nutzen Licht als Energiequelle und können unter sauerstofffreien Bedingungen wachsen. Diese Eigenschaft macht sie für Bioraffinerien interessant, weil sich aus der erzeugten Biomasse unterschiedliche Produkte gewinnen lassen. Dazu gehören Polyhydroxyalkanoate (PHA). Diese biologisch abbaubaren Biopolymere können als Bausteine für Folien, Sammelbeutel oder andere Verpackungsanwendungen dienen.
Zum Projekt gehörten neben den PPB-Anlagen in Linares und Badajoz weitere Verfahrensschritte für die organische Fraktion von Siedlungsabfällen und für Biogas. Die Demonstrationsversuche lieferten unter anderem 95 Prozent reines PHA, biobasierte Polyester mit Eigenschaften ähnlich kommerziellen Vergleichsmaterialien und angereicherte Bakterienbiomasse als Grundlage für organischen Dünger. Diese wurde auf Versuchsflächen in Frankreich, Italien und Spanien getestet. CORDIS nennt zudem Ectoin für Kosmetikformulierungen, Cellulose-Nanofasern für Verpackungs- und Materialanwendungen sowie selbstreparierende Baustoffe als Ergebnisse des Projekts.
Aus Abfallströmen werden Produktketten
Damit zielt DEEP PURPLE nicht nur auf eine bessere Abwasserreinigung. Die beteiligten Partner haben mehrere Wertschöpfungsketten erprobt, darunter Langzeitdünger aus angereicherter Bakterienbiomasse, biobasierte Zwischenprodukte für Verpackungen und den Kosmetikwirkstoff Ectoin. Ectoin schützt Zellen vor Stress und wird deshalb in Hautpflegeprodukten eingesetzt.
Das Projekt lief von Mai 2019 bis April 2024 und erhielt knapp sieben Millionen Euro aus dem Bio-based Industries Joint Undertaking (BBI JU), dem Vorgänger des heutigen CBE JU, im EU-Programm Horizon 2020. Die Anlage in Badajoz ist laut CBE JU bereits seit 2025 in Betrieb und wurde nun offiziell eröffnet. Das Folgeprojekt POSTPURPLE soll nun am Standort Badajoz untersuchen, wie sich das Verfahren weiterentwickeln und unter Praxisbedingungen stabil betreiben lässt. Dabei geht es auch um die Frage, welche Kosten, betrieblichen Anforderungen und regulatorischen Vorgaben bei einer größeren Umsetzung zusammenkommen.
ag