Forscher-Porträt

Papier und Kartons aus Grasfasern

Papier und Kartons aus Grasfasern
Quelle: Uwe D'Agnone/ Creapaper GmbH

Uwe D'Agnone setzt sich für eine nachhaltige und ressourcenschonende Industrie ein und schlägt mit seinem Gras-basierten Papier und Verpackungen neue Wege ein.


Hemdsärmelig, voller innovativer Ideen und absolut überzeugt von Nutzen und Notwendigkeit einer nachhaltigen und biobasierten Industrie – dafür steht Uwe D’Agnone. Der 53-jährige Tüftler und Geschäftsführer von Creapaper hat sich der nachhaltigen, ressourcenschonenden Verwendung von Rohmaterialien in der Papierindustrie verschrieben.

Für den gelernten Kaufmann mit Bürositz in Hennef nahe Bonn ist eine ökologische Industrie jedoch nicht nur der neueste Trend, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung und Notwendigkeit: „Mein Frau und ich sind begeisterte Hobbytaucher. Leider bekommen wir dadurch auch hautnah mit, wie die Ozeane immer mehr verschmutzt und Korallenriffe zerstört werden“, so D’Agnone.

Und auch beruflich kam er schon früh mit umweltschonenden Prozessen in Berührung: „Das Thema Nachhaltigkeit hat mich schon während meiner Ausbildung in einer Druckerei interessiert und begleitet.“ Bereits kurz nach der Ausbildung hat er sich in der Druckberatung selbstständig gemacht, um eigene Ideen zum Thema Nachhaltigkeit in der Druck- und Papierindustrie zu entwickeln und zu realisieren.

Alternativer Rohstoff für Papier

Vor etwa sechs Jahren dann habe er sich erstmals ernsthaft über einen alternativen Rohstoff für die Papierproduktion Gedanken gemacht und schließlich auch das Unternehmen CREAPAPER gegründet. „Der schwierigste Schritt in der herkömmlichen Papierherstellung ist, die Holzfasern vom Lignin zu trennen. Hierfür wird enorm viel Chemie, Energie und Wasser benötigt.“ Je höher eine Pflanze wächst, umso mehr Lignin enthält sie. Also habe er sich nach niedrigwachsendem Material umgeschaut. „Wir verwenden getrocknetes Gras, also Heu, damit wir ganzjährig produzieren können“, erklärt D’Agnone.

Während man für eine Tonne Zellstoff aus Holz etwa 6.000 Liter Wasser und 5.000 Kilowattstunden Energie verbraucht, benötigt man für dieselbe Menge Zellstoff aus Gras nur etwa zwei Liter Wasser und 137 Kilowattstunden. „Um aus Gras Papier zu gewinnen, genügt ein rein mechanischer Prozess – die luftgetrockneten Fasern werden gereinigt, auf Faserlänge geschnitten, zermahlen und pelletiert“, sagt D’Agnone.

Damit spart er in der Herstellung von Graspapier gegenüber herkömmlichen Papier oder Altpapier enorme Mengen an CO2-Emissionen ein. Und auch preislich ist die Grasfaser mehr als 40% günstiger. Je nach Produkt verwendet D’Agnone in der Herstellung inzwischen bis zu 51% Graspellets. Und obwohl es technisch möglich wäre, weiß gestrichenes Graspapier herzustellen, bevorzugen die meisten Kunden die hellbraun-hellgrüne Färbung, sodass die nachhaltige Herkunft ihres Produktes eindeutig zu erkennbar bleibt.

Mehrfach ausgezeichnete Idee

Tatsächlich müssen sich weder das Produkt noch seine Herkunft verstecken: schließlich wurde der Gras-Karton aufgrund seines Nachhaltigkeitsaspektes im Jahr 2015 für den Deutschen Verpackungspreis nominiert. Und im Jahr 2016 gewann Creapaper in der Kategorie Start-up sogar den StartGreen Award für die Entwicklung des grasbasierten Ersatzrohstoffes für die Papierherstellung. 2018 erhielt der nachhaltige Verpackungsansatz zudem den KfW-Award. Außerdem zeichnete das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) die Creapaper GmbH mit dem deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) aus.