Warum optimieren Sie eigentlich nicht einfach anaerobe Mikroorganismen, deren Stoffwechsel von Natur aus ohne Sauerstoff auskommt?
Es gibt zwei Arten von anaerobem Stoffwechsel: Fermentation und anaerobe Atmung. Wir nutzen den anaeroben Fermentationsstoffwechsel weitläufig für die Produktion von Metaboliten des Zentralstoffwechels dieser Organismen, etwa Ethanol und Methan. Da diese Organismen nur Energie über den Substratstoffwechsel gewinnen können – nicht über Atmung –, treiben sie ihren Stoffwechsel hoch und die Überflussmetabolite sind wichtige Biotech-Produkte. Da in diesen Organismen aber wenig ATP zur Verfügung steht, sind andere Syntheseaufgaben – zum Beispiel von Enzymen – mit diesem Energiestoffwechsel eher nicht möglich. Eine anaerobe Atmung, besonders mit Nitrat als Elektronenakzeptor, würde deutlich mehr Energie liefern, hätte aber den großen Nachteil, dass dem Substrat angepasste Mengen an Nitrat zugegeben werden müssten, welches als Produkt Ammonium liefert. Und Ammonium ist das eigentliche Problem, wenn es im Überfluss vorkommt: Es verändert den pH-Wert stark, es kann toxisch für die Bakterien werden, und es stellt einen kritischen Parameter für die Abwasserreinigung dar. Letzter Punkt wird zwar erst bei sehr großen Produktionsanlagen relevant, aber er zeigt, dass eine Nitratatmung technisch nicht unproblematisch skalierbar ist. Dagegen würden bei einer Elektrodenatmung keine toxischen oder problematischen Nebenprodukte gebildet.