Wie kann das durch Ihre Forschung entstandene Wissen zukünftig helfen, notwendige Transformationsprozesse hin zu einer nachhaltigen Bioökonomie zu initiieren, zu gestalten und zu verstetigen? Welche Rolle spielt für Sie in diesem Zusammenhang die gesellschaftswissenschaftliche Forschung in der Bioökonomie?
Die gesellschaftswissenschaftliche Forschung ist essentiell, soll die Diskussion nicht auf Aspekte wie technologische Innovationen reduziert werden, sondern auch die Ebenen Produktionsbeziehungen, Arbeit, Politik und Kultur einbeziehen, die für gesellschaftliche Veränderungs- und Umbauprozesse aller Art grundlegend sind. Ein entsprechend umfassender Blick ist darüber hinaus auch aus dem oben bereits kurz genannten Grund wichtig, dass Verbesserungen in einem nachhaltigkeitsrelevanten Handlungsfeld durch Strategien in anderen potenziell relativiert werden können: „Grünere“ Produktionstechnologie nützte beispielsweise wenig, wenn im Rahmen von Internationalisierungsstrategien die Produktion an anderen Standorten mit niedrigeren Standards einherginge. Ob sich unsere Erkenntnisse unmittelbar auf Transformationsprozesse in anderen Bereichen übertragen lassen, muss sich noch zeigen – unsere Forschung kann hier dazu beitragen, Besonderheiten herauszuarbeiten, die die Fleischindustrie gegenüber anderen Wirtschaftszweigen aufweist. Zum jetzigen Zeitpunkt wollen wir aber erst einmal herausfinden, mit welchen Strategien Unternehmen der Branche auf nachhaltigkeitsrelevanten Feldern agieren und welche Auswirkungen diese auf den nötigen Wandel hin zu nachhaltigen Produktionsweisen haben. Dabei sind verschiedene Szenarien denkbar: Es kann auch den Fall einschließen, dass partielle Veränderungen in einzelnen Bereichen der industriellen Fleischproduktion und sozial-ökologische Nachhaltigkeit sich als gesamtgesellschaftliche Frage nicht vereinbaren lassen.
Interview: Beatrix Boldt, Philipp Graf