Forscher-Porträt

Mit zellfreien Biosynthesen auf Kurs

Stefan Kubick
Quelle: Stefan Kubick
Stefan Kubick

Fraunhofer-Forscher Stefan Kubick ist Spezialist für die zellfreie Herstellung von Eiweißmolekülen. Membranproteine – die in der Pharmaforschung begehrt sind – kann der passionierte Segler in Windeseile und in beträchtlichen Mengen herstellen.


Stefan Kubick begeistert sich schon seit vielen Jahren für Proteine, insbesondere für jene Eiweißmoleküle, die in Zellmembranen eingebettet sind. Diese im Labor herzustellen, gilt allerdings als extrem aufwendig. Doch der 48-jährige Biotechnologe, Abteilungsleiter am Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Potsdam, verfolgt einen neuen Weg, für den man nicht länger lebende Zellen einsetzen muss: Er lässt Teile der Eiweiß-Produktionsmaschinerie im Reaktionsgefäß die Arbeit erledigen. Die sogenannte zellfreie Bioproduktion haben Kubick und sein Team für die Proteinherstellung im großen Maßstab optimiert. Der passionierte Segler, der zuvor neun Jahre in einem Berliner Biotech-Unternehmen arbeitete, ist davon überzeugt: Diese Technologie wird die Pharmaforschung und Medikamentenentwicklung deutlich beschleunigen.

Touren in den Segelrevieren der Karibik, im Mittelmeer, an Nord- und Ostsee und in der vielfältigen Seenlandschaft in Brandenburg zählen zur großen Leidenschaft von Stefan Kubick. „Ich bin sehr gerne in der Natur unterwegs“, sagt der hochgewachsene Kubick. Schon nach dem Abitur war der gebürtige Schwabe für den Grundwehrdienst zur Marine nach Flensburg gegangen. Seither hat er sämtliche Segelscheine gemacht und ist mit allen Bootsklassen vertraut. Forschung und Segeln haben viel gemeinsam, so Kubick, „man muss präzise planen und navigieren, gut im Team zusammenarbeiten und hin und wieder müssen pragmatische Entscheidungen getroffen werden“.

Einen klaren Kurs, mit einigen interessanten Manövern, hat Kubick auch in seiner wissenschaftlichen Laufbahn verfolgt. Zunächst studierte der gebürtige Esslinger Chemie und Biologie auf Lehramt an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Schon bald weckten Membranproteine sein Interesse und er spezialisierte sich dann auf die Molekularbiologie und Membranphysiologie. „Damals waren Forscher weltweit auf der Suche nach den Geruchsrezeptoren“, erinnert sich Kubick, hierbei aktiv mitzuwirken, habe damals seinen Forscherehrgeiz beflügelt.

Neun Jahre in einem Berliner Biotech-Unternehmen

Die Welt der Proteine hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Nach Biologie-Diplom und Promotion in Hohenheim wechselte Kubick 1998 nach Berlin. Als Postdoc arbeitete er dort an der Freien Universität in der Arbeitsgruppe des renommierten Pharmakologen Günter Schultz. Zur Jahrtausendwende wechselte er dann in die Wirtschaft: In Berlin hatte der umtriebige Biochemie-Professor Volker Erdmann das Start-up „RiNA GmbH“ gegründet. Kubick machte sich hier nun daran, gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der Biotech- und Pharmaindustrie neue zellfreie Proteinsynthese-Systeme zu entwickeln. Solche In-vitro-Systeme sind bis heute sein Steckenpferd geblieben.