Grundlagen: Politik & Förderung
Weite Felder, Moore und die Ostsee prägen Mecklenburg-Vorpommern und eröffnen Wege in die Bioökonomie. Eine verabschiedete eigene Bioökonomiestrategie ist in den öffentlich zugänglichen Landesquellen bislang nicht belegt. Der Landtag beauftragte aber 2023 ihre Entwicklung mit dem Fokus auf Ernährungssicherung und Ressourceneffizienz.
Einen Rahmen setzt bereits die Regionale Innovationsstrategie 2021–2027: Sie verankert Bioökonomie als Querschnittstechnologie und verbindet sie mit Energie, Biotechnologie und Maschinenbau. Einen landestypischen Schwerpunkt setzt die 2025 vorgestellte Strategie zum Schutz und zur Nutzung der Moore. Sie verbindet Wiedervernässung mit der Perspektive, Flächen bei hohen Wasserständen weiter zu bewirtschaften. Die MoorAgentur MV berät dazu Eigentümer, Bewirtschafter und Projektträger.
Auch das im Juni 2026 beschlossene Klimaverträglichkeitsgesetz ist relevant, denn es verankert das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 und räumt dem Moorschutz ein überragendes öffentliches Interesse ein. Das Land soll auf die Beendigung der Moorentwässerung bis 2045 hinwirken. Damit rückt die Frage ins Zentrum, wie sich Klimaschutz und wirtschaftliche Nutzung nasser Böden verbinden lassen.
Forschung & Innovation
Antworten darauf entstehen am Greifswald Moor Centrum. Dort werden Paludikulturen erforscht und mit Praxispartnern umgesetzt: die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser oder wiedervernässter Moore. Schilf und Rohrkolben liefern beispielsweise Rohstoffe für Baustoffe, Torfmoose werden als Alternative zu Torf in Gartenbausubstraten untersucht. So eröffnet die Moorforschung neue Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe und die Verarbeitung ihrer Erzeugnisse.
In Neubrandenburg arbeiten die Hochschule und das Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie (ZELT) an Innovationen für die Ernährungswirtschaft. Das ZELT unterstützt Unternehmen bei der Produkt- und Verfahrensentwicklung sowie mit sensorischen, mikrobiologischen und chemischen Analysen. Die Hochschule gehört außerdem mit dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie in Greifswald zu den Initiatoren von PHYSICS FOR FOOD. Das Bündnis untersucht physikalische Verfahren für Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Kaltes Plasma wird etwa als Alternative zur chemischen Saatgutbeizung erforscht.
Eine Brücke zwischen Ostsee und Landwirtschaft schlägt das Verbundprojekt Alg4Nut. Die Universität Rostock und Partner, darunter das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf, untersuchen heimische Algen als Futter für Wiederkäuer. Im Mittelpunkt stehen Tiergesundheit, die Mikroorganismen im Pansen und mögliche Auswirkungen auf Methanemissionen. Zugleich wird geprüft, wie sich geeignete Algen kultivieren lassen. Das bis 2029 laufende Vorhaben verbindet damit marine Ressourcen mit den Anforderungen der Nutztierhaltung.
Wie vielfältig die wirtschaftlichen Anwendungen sind, zeigt der Blick nach Anklam, Greifswald und Rostock. Die Cosun Beet Company verarbeitet in Anklam Zuckerrüben zu Zucker, Bioethanol, Biomethan und Futtermitteln. Enzymicals in Greifswald entwickelt Enzyme und biokatalytische Produktionsverfahren für die Industrie. Das Rostocker Start-up Innocent Meat arbeitet an einem Produktionssystem für kultiviertes Fleisch, das Fleischverarbeiter künftig selbst einsetzen sollen.
Damit aus einzelnen Ideen regionale Wertschöpfung entsteht, braucht es Zusammenarbeit. Das Verbundprojekt Plant³, das unter anderem von der Universität Greifswald geführt wird, vernetzt rund 100 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Es erschließt pflanzliche Rohstoffe aus Land, Moor und Meer für Anwendungen von Baumaterialien über Lebensmittel bis zu Feinchemikalien. Landesweit koordiniert BioCon Valley das Querschnittsthema Bioökonomie innerhalb der Innovationsstrategie und die Arbeit des Bioökonomie-Boards.
Finanzielle Unterstützung bietet die Landesförderung für Forschung, Entwicklung und Innovation, die Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung einsetzt. Über das Technologie-Beratungs-Institut (TBI) können Unternehmen eigene Forschungsprojekte oder gemeinsame Vorhaben mit Forschungseinrichtungen fördern lassen. Auch Durchführbarkeitsstudien und Prozessinnovationen gehören zum Instrumentarium. Die Förderung unterstützt damit den Weg neuer Verfahren vom Labor in die wirtschaftliche Anwendung.
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