Das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna erhält Unterstützung für den weiteren Ausbau seiner Forschungsinfrastruktur. Wissenschaftsminister Armin Willingmann besuchte das Zentrum und übergab einen Förderbescheid des sächsischen „Just Transition Fund“, mit dem die anwendungsnahe Forschung an biobasierten Verfahren gestärkt werden soll. Das CBP entwickelt und erprobt Technologien, mit denen sich nachwachsende Rohstoffe und alternative Kohlenstoffquellen in industrielle Produktionsprozesse überführen lassen.
Skalierungslücke der industriellen Bioökonomie schließen
Die Besonderheit des Zentrums liegt in der Verbindung von Laborforschung und industrieller Anwendung. Neue Verfahren aus der Chemie und Biotechnologie müssen nicht nur im kleinen Maßstab funktionieren, sondern auch unter realistischen Produktionsbedingungen getestet werden können. Dafür stehen am Standort Leuna Pilotanlagen zur Verfügung, in denen Prozesse zur Rohstoffaufbereitung, biotechnologischen Umwandlung, chemischen Verarbeitung und Produktaufarbeitung untersucht werden. Gerade für die Bioökonomie ist diese Schnittstelle entscheidend. Viele innovative Ansätze scheitern nicht an der grundsätzlichen Machbarkeit, sondern daran, dass der Schritt vom Labor in die industrielle Produktion komplex ist. Das Fraunhofer CBP schließt diese Lücke, indem Forschungseinrichtungen und Unternehmen Verfahren unter praxisnahen Bedingungen weiterentwickeln können.
Von nachwachsenden Rohstoffen zu neuen Wertschöpfungsketten
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Technologien, die fossile Rohstoffe in Teilen ersetzen können. Dazu zählen beispielsweise Verfahren zur stofflichen Nutzung von Biomasse oder zur Herstellung neuer Grundstoffe für die chemische Industrie. Ziel ist es, Kohlenstoff aus erneuerbaren Quellen effizienter in Produkte zu überführen und damit neue industrielle Wertschöpfungsketten aufzubauen. Ein wichtiger Forschungsbereich ist die Nutzung von Lignin, einem Bestandteil pflanzlicher Biomasse, der bisher häufig nur energetisch genutzt wurde. Wissenschaftliche Ansätze untersuchen, wie sich daraus hochwertige Materialien und chemische Vorprodukte gewinnen lassen. Solche Entwicklungen könnten langfristig dazu beitragen, fossile Ausgangsstoffe in Bereichen wie Kunststoffe, Beschichtungen oder Spezialchemikalien zu ersetzen. Mit seiner Infrastruktur in Leuna schafft das Zentrum eine wichtige Grundlage und stärkt die Verbindung zwischen Forschung, Wirtschaft und industrieller Umsetzung.
hb