Bis zum Jahr 2050 wird Prognosen zufolge der Fleisch- und Fischkonsum der Weltbevölkerung um 70% steigen. Eiweißreiches Futter, um die Tiere zu mästen, ist jedoch bereits jetzt Mangelware. Eine vielversprechende alternative Proteinquelle sind Insekten. Ihr durchschnittlicher Proteingehalt liegt zwischen 35 und 77% und könnte vor allem in der Futtermittelindustrie Soja, Mais oder Fischmehl ergänzen.
Seit Juli 2017 erlaubt die EU-Kommission die Verwendung von Insektenproteinen für die Aquakultur. Insektenmehl als Eiweißquelle ist dem Fischmehl sehr ähnlich und könnte somit helfen, den Druck auf die natürlichen Fischbestände zu reduzieren. Rund die Hälfte des weltweit verzehrten Fisches stammt bereits aus Aquakulturen. Doch um die Ökosysteme wirklich zu entlasten, muss die Fischzucht dringend nachhaltiger gestaltet und auf Fischmehl und Fischöl aus Wildfangbeständen verzichtet werden. Eiweißreiche Insektenlarven haben hier ein besonders großes Potenzial, denn bei der Verarbeitung der Insekten wird neben dem Eiweiß auch ein hochwertiges Fett gewonnen, welches dem Palmkernöl ähnelt und vielfältig einsetzbar ist.
Sieben Insektenarten für Tierfutterproduktion zugelassen
Insgesamt sieben Insektenarten (Schwarze Soldatenfliege, Hausfliege, gelber Mehlwurm, kleiner Mehlwurm, Hausgrille, Streifengrille und Feldgrille) dürfen in der EU zur Erzeugung von Futtermitteln gezüchtet werden. Die Wissenschaft und Industrie interessiert sich dabei besonders für die Larven der schwarzen Soldatenfliege Hermetia illucens. Sie können den Mist, der im Stall anfällt, in Körpermasse mit bis zu 42% Eiweiß und 35% Fett umwandeln. Außerdem entsprechen die Inhaltsstoffe eines aus Hermetialarven hergestellten Mehls, in etwa dem von Fischmehl, was die Formulierung von Proteinmehls erleichtert. In dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „InProSol – Innovative Protein Solutions“ arbeiten Wissenschaftler daher an einem tragfähigen Zuchtkonzept, um die Eiweißquelle für nachhaltiges Fischfutter marktreif zu machen. Die Idee ist es, regionale Restströme aus der Landwirtschaft als Nährstoffsubstrate für die Larven zu nutzen. Denn als saprophage Lebensform kann die Soldatenfliege fast alle organischen Reststoffe verwerten. „Gelingt die großskalige Produktion von Insektenmehl, dann erhalten wir ein nachhaltiges Futtermittel mit dauerhafter Verfügbarkeit, kontrollierter Qualität und Sicherheit sowie stabilen Preisen“, erläutert. Werner Kloas, Leiter der IGB-Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur. „Hier können Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit im Sinne der Bioökonomie ideal verknüpft werden.“
Insekten, die in der EU zur Erzeugung von Lebensmitteln, Futtermitteln oder anderen Zwecken gehalten werden, zählen formal zu den Nutztieren und unterliegen den allgemeinen EU-Futtermittelvorschriften. Sie dürfen nicht mit bestimmten Materialien wie Gülle, Küchen- und Speiseabfälle oder verarbeiteten ehemaligen Fleisch- oder Fischprodukten gefüttert werden.