Auf einem Milchviehbetrieb in West Cork ist Irlands erste Demonstrationsanlage gestartet, die Gras-Bioraffinerie und Biogaserzeugung direkt auf dem Hof verbindet. Am 1. September wurde sie auf der Shinagh Estates Demonstration Farm bei Bandon eröffnet. Die Anlage gehört zu Farm Zero C und soll unter realen Betriebsbedingungen zeigen, wie sich Gras neben der Fütterung auch als Quelle für Proteine, biobasierte Materialien und Energie nutzen lässt.
Fasern, Proteine und Energie aus Gras
Frisches Gras wird zunächst mechanisch in einen faserreichen Presskuchen und eine flüssige Fraktion getrennt. Der Presskuchen bleibt als Futter für Wiederkäuer nutzbar; zugleich wird sein Einsatz als Rohstoff für Materialien wie Verpackungen untersucht. Aus der Flüssigfraktion lassen sich Proteine und weitere biobasierte Inhaltsstoffe gewinnen. Sie kommen für Futtermittel infrage; mögliche Lebensmittelzutaten benötigen weitere Entwicklung und regulatorische Bewertung.
Verbleibende Stoffströme können anschließend anaerob vergoren werden. Dabei entstehen Biogas und ein nährstoffreicher Gärrest, der - sofern die geltenden Anforderungen erfüllt sind - als biobasierter Dünger genutzt werden kann. So verbindet die Anlage die stoffliche Nutzung des Grases mit der energetischen Verwertung verbleibender Ströme.
Praxistest für dezentrale Bioraffinerien
Die rund drei Millionen Euro teure Demonstrationsanlage wurde vom irischen Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Meeresangelegenheiten finanziert. Zugleich dient sie als irischer Demonstrationsstandort des EU-Projekts Rural BioReFarmeries, das die Munster Technological University koordiniert. Die öffentlich-private EU-Partnerschaft Circular Bio-based Europe Joint Undertaking (CBE JU) fördert das Projekt mit rund 7,35 Millionen Euro. Während die irische Förderung die Anlage finanzierte, unterstützt CBE JU die Erprobung des Modells und seine mögliche Übertragung auf weitere Regionen.
Rural BioReFarmeries läuft bis Ende November 2028 und will ein kleinmaßstäbliches, dezentrales Bioraffinerie-Modell für europäische Grünlandregionen weiterentwickeln. Bisherige grüne Bioraffinerien erzielen laut Projektprofil häufig nur geringe Gewinne. In Cork werden deshalb technische Leistung, Produktqualität, Umweltwirkungen und Geschäftsmodelle untersucht. Die Betriebsdaten sollen zeigen, unter welchen Bedingungen sich das Konzept auf weitere Höfe und Genossenschaften übertragen lässt.
ag
