Wenn eine der wichtigsten deutschen Forschungsorganisationen in die Zukunft der Bioökonomie schaut, ist das von hoher Relevanz für die Politik. Die Roadmap mit dem Titel „Zirkuläre Bioökonomie für Deutschland“ wurde am 2. Dezember auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg vorgestellt und den Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) und für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) übergeben. Rund 50 Interessierte waren zur Präsentation des Papiers und anschließender Diskussionsrunde in die Räume des Fraunhofer ENIQ gekommen.
Ein interdisziplinäres Team von Fraunhofer-Forschenden aus zehn Instituten – aus Materialwissenschaft und Verfahrenstechnik, Bio- und Lebensmitteltechnologie sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – hat in dem Papier den Stand der Technik, die Chancen und Herausforderungen in verschiedenen Anwendungsfeldern der Bioökonomie analysiert und daraus Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet.
Zirkuläre Bioökonomie als Leitbild
„In der Roadmap betrachten wir die Weiterentwicklung der Bioökonomie bis 2035“, sagte Markus Wolperdinger, Institutsleiter am Fraunhofer IGB und Mitglied im Bioökonomierat. Dabei seien zwei Fragen zentral gewesen: „Wie können wir mit Bioökonomie den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken? Und wie können wir Lösungsansätze für globale gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln?“
Das Leitbild der Fraunhofer-Forschenden ist hierbei die nachhaltige, zirkuläre Bioökonomie. Sie kombiniert das Konzept biobasiertes Wirtschaften mit der Kreislaufwirtschaft. Zwei übergreifende Anwendungsfelder der Bioökonomie haben die Autorinnen und Autoren der Roadmap betrachtet: Zum einen die Ernährung und zum anderen die stoffliche Nutzung von Biomasse sowie CO2.
Neben den technologischen Möglichkeiten und Anforderungen unterstreicht die Roadmap auch die Notwendigkeit für Anpassungen der Rahmenbedingungen: So gelte es, regulatorische Hürden abzubauen, Investitionen in den Technologietransfer auf den Weg zu bringen sowie Stakeholder, Verbraucherinnen und Verbraucher frühzeitig einzubinden, um den Markteintritt neuer Verfahren und Produkte und damit ein umwelt- und klimafreundliches Wirtschaften voranzubringen.
Schneller in den Industriemaßstab kommen
„Unsere Roadmap zeigt, dass bereits viele innovative Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette und für verschiedenste Anwendungen und Branchen der Bioökonomie entwickelt sind“, fasste Wolperdinger zusammen. „Jetzt müssen die Weichen so gestellt werden, dass diese Verfahren schnell in industrielle Dimensionen skaliert werden können, regulatorische Hemmnisse beseitigt und biobasierte Produkte wettbewerbsfähig zu solchen aus fossilen Rohstoffen gemacht werden.“ Dazu zähle mittelfristig auch eine verbesserte Nachhaltigkeitsbewertung über entsprechende Metriken.