Projektporträt

Feldpraxis trifft Hightech für einen klimaangepassten Zuckerrübenanbau

Das Forschungsprojekt DiP-ZAZIkI zeigt, wie der Zuckerrübenanbau in einer zunehmend trockenen Region mit Streifenbodenbearbeitung, Einsatz von Drohnen und KI klimaresilienter werden kann. Es verbindet Feldpraxis und Hightech, um Wasser zu sparen, Emissionen zu bewerten und Landwirtinnen und Landwirten konkrete Entscheidungshilfen zu liefern.

Zwischen den Zuckerrüben-Reihen im Streifenanbau (Strip Till) liegen Pflanzenreste der Zwischenfrüchte, statt nur blanker Boden. Projektkoordinatorin Dr. Olga Fishkis zeigt die Streifenanbau-Präsentationsfläche auf den DLG Feldtagen 2026.
Quelle: Die Blattmacher GmbH
Zwischen den Zuckerrüben-Reihen im Streifenanbau (Strip Till) liegen Pflanzenreste der Zwischenfrüchte, statt nur blanker Boden. Projektkoordinatorin Dr. Olga Fishkis zeigt die Streifenanbau-Präsentationsfläche auf den DLG Feldtagen 2026.

Zwischen diesen Zuckerrübenreihen liegt nicht einfach nur blanker Boden. Hier bleiben Pflanzenreste stehen, die den Boden schützen, Wasser im System halten und helfen sollen, den Anbau in einer zunehmend trockenen Region abzusichern. Das Projekt DiP-ZAZIkI will zeigen, wie sich der Zuckerrübenanbau im Mitteldeutschen Revier an Trockenheit, Extremwetter und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen anpassen lässt. Dazu kombiniert das Vorhaben Streifenbodenbearbeitung, Drohnen- und Satellitenmonitoring, KI-Auswertung und sogenannte On-Farm-Versuche direkt auf landwirtschaftlichen Betrieben. 

Das bis 2028 laufende Forschungsprojekt ist Teil des DiP-Verbunds in Sachsen-Anhalt, der eine Modellregion für digitalisierte und klimaneutrale Bioökonomie aufbauen soll („DiP“ steht für Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten). In DiP-ZAZIkI forschen drei Institute: Das Institut für Zuckerrübenforschung in Göttingen, der Fachbereich Geoökologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Deutsche Biomasseforschungszentrum in Leipzig. Die Forschenden verfolgen eine praxistaugliche, ressourcenschonende Zuckerrübenproduktion. Im Zentrum stehen also nicht nur neue Methoden, sondern auch die Frage, wie sich diese unter realen Betriebsbedingungen bewähren. Warum braucht es das überhaupt? Die Antwort liegt in der Region selbst.

Eine Region unter Druck braucht Rettung für ihre Zuckerrübe

In Deutschland ist die Zuckerrübe eine wichtige Kulturpflanze mit mehreren hunderttausend Hektar Anbaufläche (siehe unten Infobox), doch die Fläche schwankt deutlich von Jahr zu Jahr. Sachsen-Anhalt ist eine der historischen Anbauregionen des deutschen Zuckerrübenanbaus; dort wächst rund ein Siebtel der deutschen Rüben. Das Bundesland ist allerdings vergleichsweise trocken, mit geringem Jahresniederschlag, und nun nehmen Trockenphasen und Extremwetter auch noch zu. Für eine Kultur wie die Zuckerrübe wird das wandelnde Klima zum Problem. Der sachsen-anhaltische Anbau gerät zunehmend unter Druck – der wirtschaftliche Zuckerrübenanbau könnte dort bald Geschichte sein.

Die DiP-ZAZIkI Projektkoordinatorin Dr. Olga Fishkis vom Institut für Zuckerrübenforschung macht daher ihre Motivation klar:  Wenn die Zuckerrübe in Sachsen-Anhalt erhalten bleiben, soll, muss eine klimaangepasste und wirtschaftliche Alternative gefunden werden!  Es braucht also ein Anbausystem, das Wasser sparsamer nutzt und mit veränderten Klimabedingungen besser zurechtkommt.

Genau hier setzt die Streifenbodenbearbeitung, also „Strip-Till“, an. Hierbei wird der Bodeneingriff verringert, denn anders als bei der klassischen Bodenbearbeitung wird nur in der Saatreihe intensiv gelockert, wo später die Kultur wächst. Die Zwischenräume bleiben währenddessen weitgehend unangetastet – dort bleiben die Pflanzenreste der Zwischenfrüchte liegen. So schützen sie vor Austrocknung und können zugleich das Erosionsrisiko mindern. In Deutschland findet Strip-Till vor allem beim Maisanbau Anwendung, aber für Zuckerrüben ist diese Methode noch ein praxisnahes Zukunftslabor auf dem Acker, weil es technisch anspruchsvoller ist.

Drohne von DiP-ZAZIkI fliegt übers Feld
Im DiP ZAZIkI Projekt nehmen Drohnen Tausende Bilder zu verschiedenen Entwicklungsstadien der Pflanze auf, damit die KI genügend Lernmaterial erhält
Quelle: Institut für Zuckerrübenforschung (IFZ Göttingen)
Forschung im Feld: „On-Farm“

DiP-ZAZIkI ist ausdrücklich als sogenannte On-Farm-Forschung angelegt. Das heißt, die Versuche laufen nicht auf Kleinparzellen, sondern auf großen Streifen und unter Bewirtschaftungsbedingungen örtlicher Betriebe. Die Landwirtinnen und Landwirte übernehmen viele Arbeiten selbst; das Forschungsteam kommt dazu, wenn innovative Verfahren, Messtechnik oder Drohneneinsätze gebraucht werden. 

Gerade diese Praxisnähe ist für das Projekt zentral, aber auch aufwendig. Es braucht nämlich Abstimmung mit Betrieben, Verbänden und Industriepartnern, und es braucht auch Technik, die vor Ort funktioniert. Eine der ersten Hürden sei laut Fishkis, dass überhaupt eine geeignete Maschine für die Streifenbodenbearbeitung gefunden werden musste; am Ende kam sie von einem Hersteller aus Polen, wo der Streifenanbau etablierter sei als hierzulande. „In Polen dominieren sandreiche Böden und dort ist es im Durchschnitt trockener, unter diesen Bedingungen scheint die Streifenbodenbearbeitung weniger anspruchsvoll zu sein als auf tonreicheren Lössböden in Deutschland“, erklärt Fishkis.

Das unterstreicht, wie experimentell und gleichzeitig handfest solche Projekte sind. Es geht nicht um abstrakte Digitalisierung, sondern um Maschinen, Abläufe und Entscheidungen, die im Alltag funktionieren müssen. Nichtsdestotrotz ist die Digitalisierung zentral, um den Streifenanbau zukunftsfähig zu gestalten, weil er sonst nicht wirtschaftlich wäre.

Drohnendaten DiP ZAZIkI - links von oben - rechts Zoom
Links ist zur Übersicht das Feld von oben, rechts die vergrößerte Drohnenaufnahme der Zuckerrüben eines Feldausschnitts zu sehen.
Quelle: Institut für Zuckerrübenforschung (IFZ Göttingen)
Hightech mit Drohnen, KI und Satellitendaten

Der digitale Kern des Projekts liegt in der Datenerfassung und -auswertung. DiP-ZAZIkI entwickelt Systeme auf Grundlage von Drohnen- und Satellitenbildern mit dem Ziel möglichst viel aktuelle Information über die Entwicklung des Zuckerrübenbestandes zu gewinnen, ohne ständig jeden Schlag vor Ort kontrollieren zu müssen. Das spart Feldfahrten und eröffnet eine neue Form der Beobachtung. Damit das funktioniert, müssen die Systeme mittels KI und großen händisch erhobenen Datenmengen zunächst trainiert werden. Die Entwicklung der Zuckerrübe etwa gliedert sich phänologisch in verschiedene Stadien. „Für jedes Wachstumsstadium braucht man ein paar tausend Bilder. 

"Wenn wir zehn verschiedene Wachstumsstadien charakterisieren wollen, brauchen wir mindestens 20.000 Bilder dafür", erklärt Fishkis den enormen Aufwand, den ihr Team und insbesondere ihre Kollegin Julia Müller aufbringen muss. "Während der Vegetationszeit fliegt und befährt Julia Müller fast täglich die Felder, um die Datengrundlage zu schaffen. Erst danach kann am Rechner das eigentliche Auswertungsverfahren entwickelt werden." 

Pflanzenentwicklungsstadien Zuckerrübe (einige der Hauptstadien)
Entwicklungsstadien der Zuckerrüben (diese Stadien werden in weitere unterteilt, dies ist nur eine Übersicht). Abbildung angelehnt an Infos der Landwirtschaftskammer NRW, www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/zuckerrueben/index.htm
Quelle: Die Blattmacher GmbH

Die Hightech liegt hier also nicht nur in der Drohne selbst, sondern in der Kombination aus der großen Flächenleistung bei der Datenerhebung aus der Luft und maschinellem Lernen mit Bilddaten. Satellitenbilder bieten eine deutlich höhere Flächenleistung im Vergleich zu Drohnendaten, verlieren jedoch an Auflösung. Eine der Forschungsfragen ist daher, welche Daten über Satelliten erhoben werden können und für welche Daten die Erhebung per Drohne unabdingbar ist. 

Der Projektmitarbeiter Johannes Löw von der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg nutzt die verschiedene Satellitendaten (u.a. der Europäischen Raumfahrtagentur), um den Zustand der Vegetation (relatives Bestandsvolumen, Vitalität und Phänologie) auf dem Acker abzuschätzen. Die Satellitendaten helfen also, Pflanzenbestand und Entwicklungsstand flächig und regelmäßig zu beobachten und Veränderungen in Raum und Zeit einzuordnen, um Fragen zu beantworten wie z.B.: Ist Feld A vitaler als Feld B? Oder: Wo ist die Zuckerrübe 2025 schneller aufgewachsen als 2024? Währenddessen liefern die Drohnen die detaillierten Nahaufnahmen für die genaue Auswertung. 

So entsteht aus beiden Datenquellen zusammen eine belastbare Grundlage für spätere Entscheidungshilfen, etwa wo wann wie bewässert, gedüngt, ausgesät oder für den optimalen Ertrag geerntet werden sollte. Die digitale Landwirtschaft im Projekt ist also nicht Selbstzweck, sondern dient dazu, die Abläufe auf dem Acker in Zukunft optimieren zu können.

Satellitenbild vom Zuckerrüben-Strip Till Anbau im DiP-ZAZIkI Projekt
Mit Satellitendaten können Pflanzenbestand und Entwicklungsstand flächig und regelmäßig beobachtet werden.
Quelle: Johannes Löw, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)
Mehr als Ertrag: Hier werden Klimabilanz und Nachhaltigkeit evaluiert

Bemerkenswert ist, dass das Projekt nicht beim Ertrag stehen bleibt. Im Fokus stehen nämlich auch Kosten, Treibhausgasemissionen, Risiken der Überdüngung für Gewässer und weitere Umweltwirkungen. Das Deutsche Biomasseforschungszentrum Leipzig erstellt daher Stoff- und Energiebilanzen sowie ökonomische Bewertungen auf Basis der erhobenen Daten.

So soll schlussendlich ein digitales Entscheidungsunterstützungstool als App entstehen, das Landwirtinnen und Landwirten auch bei der Öko-Bilanzierung hilft. Mit dieser geplanten App können die Menschen der Landwirtschaft nicht nur die Klima- und Wasserspeicherwirkung der Streifenbodenbearbeitung mit konventioneller Bodenbearbeitung vergleichen, sondern auch die Klimafreundlichkeit verschiedener Anbaumaßnahmen vor Bodenbearbeitung bewerten: Ist beispielsweise die Aussaat der Zwischenfrucht vor dem Zuckerrübenanbau per Drohne oder auf klassische Art und Weise klimafreundlicher? Lassen sich Überdüngung der Gewässer vermeiden, wenn keine Zwischenfrucht vor Zuckerrübe anbaut wird? Verbraucht der Zwischenfruchtanbau zu viel Wasser?

Infobox: Zahlen und Fakten zur Zuckerrübe in Deutschland 2025
  • 387.400 Hektar Zuckerrüben (3,3 Prozent des deutschen Ackerlandes)
  • 22.380 Betriebe
  • 32,3 Millionen Tonnen Ernte
  • Die Ernte erfolgt gewöhnlich mit speziellen Maschinen: Zuckerrüben-Vollernter.
  • Zuckerrüben gedeihen optimal auf tiefgründigen sandig-lehmige Böden bei gemäßigt warmen Klima. Deutsche Anbauregionen liegen vor allem in Niedersachsen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. 

Quelle: BMLEH 

Was am Ende bleiben soll

Am Ende soll DiP-ZAZIkI nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse liefern, sondern auch eine Wirkung in die Region entfalten. Die Technik soll Landwirtinnen und Landwirten gezeigt und nähergebracht werden, damit neue Verfahren überhaupt in die Umsetzung kommen können. Gleichzeitig soll ein Netzwerk entstehen, das Entscheidungen im Betrieb vereinfacht – etwa bei der Frage, welche Maßnahme unter welchen Bedingungen ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist. 

Das Projekt ist damit ein gutes Beispiel für den Wandel der Bioökonomie in Sachsen-Anhalt: Forschung wird hier als Zusammenarbeit verstanden, nicht als abgeschlossener Raum. Die Landwirtschaft bleibt wetterabhängig, die Region trocken, und die Anforderungen steigen. DiP-ZAZIkI antwortet darauf mit einem Ansatz, der Boden, Daten und Klimabilanz zusammendenkt – also mit einem System, das den Zuckerrübenanbau zukunftsfähig machen will.

von Tamara Worzewski

Zuckerrüben im Streifenanbau (Strip Till) Zoom auf DLG Feldtagen
Die Blattmacher GmbH
initiirt durch: BMFTR

DiP-ZAZIkI

Klimafit in die Zukunft: DiP-ZAZIkI entwickelt nachhaltige Anbausysteme für den Zuckerrübenanbau durch innovative Digitaltechnologien und künstliche Intelligenz.

ProjektpartnerInstitut für Zuckerrübenforschung in Göttingen (IfZ) [Koordination]
Fachbereich Geoökologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)
Deutsches Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig
FörderungBundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
FördermaßnahmeModellregion der Bioökonomie zur Digitalisierung der pflanzlichen Wertschöpfungskette im Mitteldeutschen Revier in Sachsen-Anhalt (DiP)
ProjektträgerProjektträger Jülich (PtJ)
Laufzeit04/2024 –12/2028 
Förderkennzeichen031B1460A-C
Fördersumme1.954.567 €