Grüne Mode ist zunehmend gefragt: Die Ethical Fashion Show und der Greenshowroom, die parallel zur Berliner Fashion Week vom 4. bis 6. Juli 2017 stattfinden, melden jährlich steigende Besucher- und Ausstellerzahlen. Bei der vergangenen Winterschau waren es bereits 178 nachhaltige Labels, in diesem Sommer sind es 180. Besonders nachhaltig hergestellte Kleidungsstücke werden mit Preisen ausgezeichnet und prominent in den Medien diskutiert. Zur Fashion Week macht sich nun auch der Bioökonomierat, ein Expertengremium, das die Bundesregierung auf dem Weg in eine biobasierte Wirtschaft berät, für den Einsatz von biobasierten Rohstoffen und Verfahren in der Textilindustrie stark und gibt einen Überblick über vielversprechende Innovationen in diesem Bereich.
Chemiefasern dominieren Textilindustrie
Am globalen Modemarkt gemessen fristen nachhaltige Textilien immer noch ein Nischendasein. Weiterhin sind 60% der Stofffasern chemischen Ursprungs, 80% hiervon sind aus dem Kunststoff Polyester. Diese Fasern basieren auf Erdöl und ihre Herstellungsverfahren sind sehr energieintensiv. Nahezu 1% des globalen Erdölverbrauchs wird allein für die Textilfaserherstellung genutzt. Ihr Abrieb (Mikroplastik) belastet die Ökosysteme der Meere und Seen.
Bei den übrigen 40% handelt es sich um Pflanzenfasern. Fast ausschließlich wird hierfür Baumwolle eingesetzt. Anbau und Verarbeitung von Baumwolle sind prinzipiell sehr ressourcenintensiv. „An vorderster Stelle steht dabei der hohe Wasserverbrauch, aber auch die negativen Auswirkungen für eine nachhaltige Bodennutzung in Schwellen- und Entwicklungsländern. Das müssen wir berücksichtigen“, betont Joachim von Braun, Co-Vorsitzender des Bioökonomierates.
Der hohe Energie- und Chemikalieneinsatz, der bei der Veredelung von Kleidungsstücken und Modeaccessoires entsteht, stellt ein weiteres Problem dar. Stoffe werden meist mit chemischen Farben koloriert, Jeansteile mit aggressiven Bleichmitteln behandelt und Leder zur Gerbung in giftige Chromlaugen getaucht.
Biobasierte Verfahren verbessern Umweltbilanz
Die Bioökonomie bietet eine wachsende Zahl an beeindruckenden Produkten und Verfahren, die in ihrer Gesamtheit einen Unterschied machen können. In der Bioökonomie gilt die Natur mit ihren geschlossenen Kreisläufen und funktionalen Materialien als zentrales Vorbild.
„Biobasierte Verfahren können die Umweltbilanz der Textilherstellung stark verbessern. Sie benötigen deutlich weniger Wasser und Energie als die üblichen chemischen Prozesse und erzeugen kaum Schadstoffe“, erläutert Christine Lang, ebenfalls Vorsitzende des Bioökonomierates. Cellulasen erzielen beispielsweise den modernen Stonewashed-Effekt bei Jeans. Das Enzym Katalase wiederum ermöglicht umweltfreundlicheres Bleichen und Färben. Naturstoffe spielen ebenso eine wichtige Rolle bei der Veredelung von Textilien. Extrakte von Rhabarberwurzeln oder Olivenblättern etwa können zur haut- und umweltfreundlichen Ledergerbung verwendet werden.
Mikroalgen und biobasierte Farben ermöglichen schadstofffreies Färben. Biobasierte Verfahren tragen auch dazu bei, Kleidung besser zu pflegen und die Lebensdauer zu verlängern. Spezielle Enzyme in Waschmitteln reinigen Textilien z. B. schon bei niedrigen Waschtemperaturen. Andere wiederum verhindern die Knötchenbildung von Baumwollfasern. Die Kleidungsstücke nutzen sich dadurch langsamer ab und bleiben länger in Gebrauch. Was Enzyme alles in der Textilbearbeitung leisten, ist in diesem Dossier beschrieben.