Produkt

Fahrradhelm aus Bioplastik

Forschende des Fraunhofer ICT haben einen Fahrradhelm entwickelt, dessen Teile vollständig aus dem biobasierten Kunststoff PLA bestehen. Der Helm ist dadurch nicht nur sicher, sondern verursacht bei seiner Herstellung auch weniger CO₂ und lässt sich leichter recyceln.

Steckbrief

DATEN & FAKTEN

Branche: 
Kunststoffgewerbe

Nachwachsender Rohstoff: 
Pflanzliche Rohstoffe wie Weizen

Beteiligte Unternehmen: 
Fraunhofer ICT, Nexofoam GmbH

Bioökonomie-Faktor: 
Verwendung von Polymilchsäure als biobasierte Alternative zu Polystyrol

Status: 
Markteinführung in Vorbereitung

Fahhradhelm aus biobasiertem PLA-Schaum
Quelle: Fraunhofer ICT Quelle: Test source 2 Quelle: Test Source 3

Fahrradhelme bestehen üblicherweise aus mehreren erdölbasierten Kunststoffen, die nach der Nutzung nur schwer voneinander getrennt und recycelt werden können. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT haben deshalb einen Fahrradhelm entwickelt, dessen Komponenten vollständig aus Polymilchsäure (PLA) bestehen. Der biobasierte Kunststoff wird aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt. Durch die Monomaterial-Konstruktion lassen sich Sicherheit und Kreislauffähigkeit miteinander verbinden.

Ein zentraler Bestandteil des Helms ist ein speziell entwickelter PLA-Partikelschaum, der bei einem Sturz Energie absorbiert. Der im Rahmen eines von der Fraunhofer Zukunftsstiftung geförderten Projekts entwickelte Helm erfüllt die europäischen Anforderungen an die Crash-Sicherheit und bietet damit den gleichen Schutz wie erdölbasierte Alternativen. Umfangreiche Tests bestätigten zudem seine Langzeitbeständigkeit gegenüber UV-Strahlung und Witterung.

Ökologische Vorteile

PLA weist gegenüber dem bei herkömmlichen Fahrradhelmen eingesetzten Polystyrol ein deutlich günstigeres Emissionsprofil auf. Bei der Herstellung eines Kilogramms Polystyrol entstehen rund 3,5 Kilogramm CO₂-Äquivalente, bei PLA sind es etwa 0,5 Kilogramm. Damit fallen die Emissionen um mehr als 85 % geringer aus.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Kreislauffähigkeit. Da sämtliche Komponenten des Helms aus PLA bestehen, kann er nach der Nutzungsphase zerkleinert und eingeschmolzen werden, ohne dass zuvor verschiedene Materialien voneinander getrennt werden müssen. Langfristig soll das PLA aus lokaler französischer Weizenproduktion stammen und damit einen geschlossenen europäischen Materialkreislauf ermöglichen.

Marktreife

Nach der erfolgreichen technischen Entwicklung stand einer Vermarktung bislang vor allem die fehlende kommerzielle Verfügbarkeit des benötigten PLA-Partikelschaums entgegen. Das von Mitarbeitenden des Fraunhofer ICT gegründete Start-up Nexofoam will das patentierte Herstellungsverfahren nun hochskalieren und den Schaumstoff kommerziell verfügbar machen. Neben Fahrradhelmen eignet sich das Material auch für Kühlboxen, Verpackungen für Haushaltsgroßgeräte und Elektronik, Dämmelemente oder Surfbretter.