Belgische Pilotanlage im kontinuierlichen Betrieb getestet
Die LignoValue-Pilotanlage des Forschungszentrums VITO hat erstmals einen stabilen 72-Stunden-Dauerbetrieb erreicht. In dieser Zeit wurden rund zwei Tonnen ligninreicher Rohstoff kontinuierlich verarbeitet, ohne Unterbrechung. Für die industrielle Umsetzung ist genau das entscheidend, denn Prozesse müssen zuverlässig funktionieren und skalierbar sein.
Die Anlage kombiniert zwei Prozessschritte: In der sogenannten PILLAR-II-Einheit wird Lignin aus Biomasse gelöst, anschließend wird es in der LignoValue-Anlage katalytisch zerlegt. Das Ergebnis sind sogenannte Aromaten, chemische Bausteine, die bislang überwiegend aus Erdöl gewonnen werden. Mit einer Verarbeitungskapazität von derzeit etwa 40 Kilogramm pro Stunde zeigt die Pilotanlage, dass sich Laborprozesse erfolgreich in größere Maßstäbe übertragen lassen.
Lignin als ein Schlüssel zur fossilfreien Chemie
Lignin fällt als Nebenprodukt etwa in der Papierindustrie an und galt lange als schwer nutzbar. Dabei steckt enormes Potenzial darin: Aromatische Verbindungen machen rund 40 Prozent aller Chemikalien aus und sind bislang fast ausschließlich fossilen Ursprungs. Bioaromaten könnten diese Abhängigkeit deutlich reduzieren.
Die möglichen Anwendungen sind vielfältig, von Beschichtungen über Harze bis hin zu Verbundwerkstoffen. Besonders relevant ist der Ersatz problematischer Stoffe wie Bisphenol A in Epoxidharzen. Damit eröffnet die Technologie neue Perspektiven für nachhaltige Materialien etwa im Bauwesen oder in der chemischen Industrie.
Zusätzlichen Schub erhält die Entwicklung durch das EU-geförderte Projekt RECIPE. Hier wird die Pilotinfrastruktur weiter ausgebaut, etwa durch Anlagen zur effizienteren Lösungsmittelrückgewinnung und neue Reaktoren zur gezielten chemischen Modifikation von Lignin-Bausteinen. Ziel ist es, maßgeschneiderte Materialien für verschiedene industrielle Anwendungen zu entwickeln. Technologien wie LignoValue können so dazu beitragen, Wertschöpfungsketten neu zu denken, weg vom Erdöl, hin zu nachwachsenden Ressourcen.
hb