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Ernährungswende schafft Billionen-Gewinn

Ein globaler Report unter Beteiligung Potsdamer Forschender zeigt, wie die Weltwirtschaft von einer Agrar- und Ernährungswende profitieren würde, und unterstreicht, dass dringend politische Rahmenbedingungen überarbeitet werden müssen.

Eine Ernährungswende hin zu mehr mehr Gemüse und Obst würde Fachleuten zufolge die Klimabilanz der Landwirtschaft deutlich verbessern.
Quelle: Pixabay
Eine Ernährungswende hin zu mehr mehr Gemüse und Obst würde Fachleuten zufolge die Klimabilanz der Landwirtschaft deutlich verbessern.

Rund ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen entstehen durch die Art und Weise, wie Land bewirtschaftet wird und Lebensmittel produziert werden. Vor allem der Fleischkonsum und die damit verbundene Tierhaltung tragen zu den klimaschädlichen Emissionen bei und erfordern ein Umdenken in der Landwirtschaft. Ein globaler Bericht über die Ökonomie von Agrar- und Ernährungssystemen zeigt, wie die Weltwirtschaft von einer Ernährungswende profitieren würde. Die Studie, die von führenden Ökonominnen und Ökonomen sowie der Food System Economics Commission (FSEC) verfasst wurde, macht aber auch deutlich, dass die derzeitige Praxis mehr Wertschöpfung vernichtet als schafft und die politischen Rahmenbedingungen für eine Ernährungswende dringend überarbeitet werden müssen.  

Vorteile überwiegen Kosten für Transformation

Der Bericht „The Economics of the Food System Transformation“ ist nach Angaben der Forschenden die „bisher umfassendste Studie zur Ökonomie globaler Agrar- und Ernährungssysteme“. „Die Kosten, die entstehen, wenn wir das schlecht funktionierende Ernährungssystem nicht aktiv umgestalten, werden die Schätzungen dieses Berichts wahrscheinlich noch übersteigen, da die Welt weiterhin auf einem extrem gefährlichen Weg ist“, sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Initiator der FSEC. Der „einzige Weg“, um das Pariser Klimaziel von 1,5° C zu erreichen, ist nach Ansicht des Potsdamer Forschers neben dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und dem Schutz der Natur die „Transformation des Agrar- und Ernährungssystems von einer Quelle von Treibhausgasen zu einer Senke“.  Von diesem globalen Ernährungssystem hänge die Zukunft der Weltbevölkerung ab, betont Rockström.

Nicht nur Klima, Umwelt und Gesundheit würden von einer globalen Ernährungswende profitieren, so der Bericht. Die Forschenden haben errechnet, dass eine umfassende Transformation jährliche Gewinne von 5 bis 10 Billionen US-Dollar bringen würde. „Die Kosten für diese Transformation – schätzungsweise 0,2 bis 0,4 % der weltweiten Wirtschaftsleistung pro Jahr – sind gering im Vergleich zu den Vorteilen, die sich daraus ergeben würden und die wirtschaftlich mehrere Billionen Dollar pro Jahr ausmachen“, sagt Hermann Lotze-Campen, FSEC-Kommissionsmitglied und Leiter der Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK.

Zwei Zukunftsszenarien modelliert

Für den Bericht wurden die Auswirkungen von zwei möglichen Zukunftsszenarien für das globale Ernährungssystem modelliert. Zum einen der Pfad der gegenwärtigen Trends, zum anderen der Pfad der Transformation des Ernährungssystems. Beim "Weiter-so-Pfad" wird prognostiziert, dass – selbst wenn die politischen Entscheidungsträger alle derzeitigen Zusagen einhalten – Unterernährung und Fettleibigkeit in einigen Teilen der Welt bis 2050 weiter zunehmen werden, die Nahrungsmittelproduktion anfälliger für den Klimawandel sein wird und die Ernährungssysteme weiterhin für ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sein werden, was zu einem Anstieg der globalen Erwärmung auf 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts führen wird.