Können Sie die fünf Kernstrategien für eine „Zukunftsfähige Bioökonomie“ erläutern, die Sie in der gleichnamigen Studie herausgearbeitet haben?
Erstens: Die planetaren Grenzen sollten in maximale Biomassemengen übersetzt werden, die ohne nachteilige Wirkungen für Mensch und Umwelt sowie für künftige Generationen nutzbar sind: Hier muss Deutschland „seine“ Grenzen definieren und dabei auch die (Nicht-) Nachhaltigkeit von Importen einbeziehen.
Zweitens: Es gilt, das Ernährungssystem zu transformieren in Hinblick auf Ernährungssicherung, Biodiversität, Klimaschutz und nachhaltige Landnutzung: Nahrungs- und Futtermittel sind die größten Verbraucher von Biomasse, dominieren die globale Flächennutzung, den Flächennutzungswandel und viele Umwelteinflüsse wie den Biodiversitätsverlust. Dieser Problemlage muss auf der Nachfrageseite durch geänderte Ernährungsweisen (weniger tierische Proteine) und auf der Angebotsseite durch Umstellung auf ökologischem Anbau und Tierhaltung begegnet werden. Eckpfeiler nachhaltiger Ernährungssysteme sind Innovation und Produktivität, auch die Verringerung von Lebensmittelverlusten und Wertschöpfung aus Nebenprodukten der Lebensmittelverarbeitung gehören dazu.
Drittens: Vorrang hat die stoffliche Biomasse-Nutzung in Kaskaden und in dezentralen Bioraffinerien, die energetische, stoffliche und Futter-Produkte integriert bereitstellen. Zudem sollten biogene Abfall- und Reststoffe vorrangig genutzt werden – unter Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien. Bioraffinerien sind hierbei keine zentrale Großanlagen, sondern dezentrale Technologien, die über biologische und chemisch-physikalische Verfahren die in der Biomasse bereits vorhandenen Komponenten auftrennen und weiter verarbeiten.
Viertens: Der Biomasseanbau sollte in eine ökologische Landwirtschaft integriert werden, die über Zwischen- und Zweitkulturen sowie Acker-Wald-Mischformen biogene Rohstoffe ohne direkte oder indirekte Landnutzungsänderungen bereitstellt. Ziel ist die Steigerung von Biodiversität sowie Bodenkohlenstoff durch mehr Ökosystemleistungen in der offenen Agrarlandschaft.
Fünftens: Biogene Rohstoffe sollten verstärkt auf Flächen angebaut werden, die wegen geringer Bodengüte, Rentabilität und Wasserverfügbarkeit nicht für Nahrungs- oder Futtermittel genutzt werden. Hierzu zählen zum Beispiel durch Überweidung degradierte Flächen, auf denen in mehrjährigen Kulturen biogene Rohstoffe (nach)wachsen können.