Nachricht

Digitale Plattform vernetzt biobasierte Reststoffe

Das EU-Projekt TREASoURcE zeigt, wie Kreislauflösungen über Pilotversuche hinauskommen können. In Finnland vermittelt eine Plattform biobasierte Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft.

Digitale Marktplätze können helfen, biobasierte Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft mit regionalen Abnehmern zu verbinden.
Quelle: Edijs / stock.adobe.com
Digitale Marktplätze können helfen, biobasierte Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft mit regionalen Abnehmern zu verbinden.

Aus Gülle, Stroh, Rinde oder Sägespänen wird nicht automatisch ein Rohstoff. Gerade in ländlichen Regionen fallen biobasierte Nebenströme oft dezentral, saisonal und in unterschiedlichen Qualitäten an. Das EU-Projekt TREASoURcE hat deshalb untersucht, wie Kreislaufwirtschaft über einzelne Pilotversuche hinaus in Regionen verankert werden kann. Nach vier Jahren legte das Konsortium am 19. Mai 2026 seine Ergebnisse vor.

TREASoURcE wurde über Horizon Europe mit knapp 10 Millionen Euro gefördert, vom finnischen Forschungszentrum VTT koordiniert und mit 17 Partnern aus sieben Ländern umgesetzt. Im Fokus standen drei Wertschöpfungsketten: Kunststoffe, ausgediente Elektroauto-Batterien sowie biobasierte Seiten- und Abfallströme.

Reststoffe brauchen passende Abnehmer

Für die biobasierten Nebenströme spielte ein digitaler Marktplatz eine zentrale Rolle. Die finnische Plattform KiertoaSuomesta.fi war bereits 2019 gestartet, wurde im Projekt weiterentwickelt und 2023 neu aufgelegt. Sie bringt Anbieter und Nutzer von biobasierten Reststoffen zusammen, etwa Landwirte, Forstbetriebe, Lebensmittelverarbeiter, öffentliche Akteure und industrielle Abnehmer.

Gehandelt oder gesucht werden können zum Beispiel Gülle, Stroh, Pflanzenreste, Rinde, Baumstümpfe, Sägespäne oder andere bislang wenig genutzte Biomasse. Nach Angaben des EU CAP Network kommt die Plattform inzwischen auf rund 2.000 regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer pro Jahr. Sie ist kostenlos, mehrsprachig verfügbar und derzeit auf Finnland ausgerichtet.

Der Nutzen liegt weniger in der Technik allein als in der besseren Sichtbarkeit der Stoffströme. Wer Reststoffe abgeben oder nutzen will, braucht Informationen zu Menge, Qualität, Ort und Verfügbarkeit. Zugleich bleiben Logistik, Qualitätsprüfung und fehlende Standards Hürden. TREASoURcE beschreibt deshalb digitale Plattformen als wichtigen, aber nicht ausreichenden Baustein für regionale Kreisläufe.

Batterien und Kunststoffe ergänzen den Ansatz

Neben den biobasierten Reststoffen testete TREASoURcE weitere Kreislauflösungen. Für ausgediente Elektroauto-Batterien wurden in Finnland und Norwegen drei stationäre Speichersysteme aufgebaut. Sie sollen Lastspitzen in öffentlichen und gewerblichen Gebäuden abfedern und lokale Energiesysteme unterstützen. Im Kunststoffbereich kombinierte das Projekt mechanisches und chemisches Recycling. Bei schwer recycelbaren Mischkunststoffen kamen katalytische Pyrolyse und eine anschließende Hydrierung zum Einsatz, um chemische Ausgangsstoffe zu gewinnen und Verunreinigungen zu verringern.

Damit aus solchen Demonstrationen mehr wird, hat das Konsortium ein öffentlich zugängliches Replication Handbook erstellt. Es bündelt Praxisanleitungen, Beispiele und Übertragungswissen für Kommunen, Regionen, Unternehmen und weitere Akteure. Der finnische Marktplatz zeigt dabei ein Grundproblem vieler Reststoff-Kreisläufe: Biomasse ist vorhanden, wird aber erst nutzbar, wenn Erzeuger, Verarbeiter und Abnehmer in einer Region zueinanderfinden. Ob ähnliche Plattformen auch außerhalb Finnlands dauerhaft funktionieren, hängt deshalb weniger von der Software ab als von aktiven Netzwerken, passenden Geschäftsmodellen und verlässlichen Qualitätsregeln.

ag