Wofür verwendet: Mithilfe verschiedener molekularbiologischer Methoden wird ein ausgesuchtes Gen oder genetisches Material in Nutzpflanzen eingeführt. So werden wertvolle Eigenschaften übertragen, die stabil an Nachkommen weitergegeben werden können.
So funktioniert es: Durch die sogenannte Grüne Gentechnik werden Pflanzenzellen in die Lage versetzt, ein neu in ihr Erbgut eingeführtes Gen zu produzieren. Das kann ein fremder DNA-Abschnitt aus einer anderen Pflanzenart sein oder sogar von Tieren oder sogar den Menschen stammen – denn der genetische Code ist universell. Ein wichtiger Schritt in diesem Verfahren ist der Gentransfer, durch den das fremde Erbmaterial in die Zelle eingeschleust wird: dafür werden in erster Linie Agrobakterien als Einschleuser verwendet. Die Bodenmikrobe Agrobacterium tumefaciens hat in der Evolution Tricks entwickelt, an Pflanzenzellen anzudocken und dann einen DNA-Ring ins Innere der Zelle zu bugsieren. Biotechnologen haben diesen DNA-Ring für seinen Einsatz als Gen-Taxi optimiert. Im Zellkern nimmt der natürliche Prozess der nicht-homologen Rekombination seinen Lauf: das neue Erbmaterial wird an einer zufälligen Stelle in das Genom eingebaut. In der Regel bleibt diese Prozedur für die Pflanze ohne negative Auswirkungen. Mithilfe molekularbiologischer Verfahren lässt sich nachweisen, wo genau das eingefügte Gen im Erbgut gelandet ist. Durch den Gentransfer entstehen sogenannte transgene Pflanzen. Man spricht von gentechnisch veränderten Organismen – GVO (genetically modified organisms, GMO). Sie werden in Deutschland im Gentechnikgesetz reguliert.
Seit wann eingesetzt: Der Siegeszug der Gentechnik bei Mikroorganismen begann in den 1970er Jahren. Nach der Entschlüsselung der molekularen Grundlagen des Gentransfers von Agrobakterien wurde 1983 die erste transgene Tabakpflanze hergestellt. Der kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen begann 1996 – Monsanto brachte eine Sojabohne auf den Markt, die gegen das Herbizid Glyphosat resistent ist.
Schwachpunkte: Ein mögliches ökologisches Risiko: Der Pollen von Gentechnik-Pflanzen kann potenziell auf Nachbarfelder gelangen oder in verwandte Arten oder Wildarten auskreuzen. Die Schädlinge, gegen die gv-Pflanzen gerichtet sind, können Resistenzen entwickeln – ein auch in der konventionellen Züchtung unvermeidliches Phänomen, das der Evolution geschuldet ist. Für Gesundheitsrisiken (etwa Allergien, Krebs oder Diabetes) durch den Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln aus Pflanzen hat die Wissenschaft und die relevanten Kontrollbehörden wie auch die WHO bisher keine überzeugenden Hinweise gefunden. Gleichwohl bleibt der Einsatz Grüner Gentechnik auf dem Acker gesellschaftlich umstritten und stößt besonders in Europa auf geringe Akzeptanz bei Verbrauchern und der Politik. Eine Sorge gilt auch der zunehmenden Konzentration der Gentechnik-Aktivitäten auf wenige große, internationale Saatgutkonzerne.
Bedeutung: Durch die Übertragungsmöglichkeiten über die Grenzen einer Art hinweg lässt sich die biologische Vielfalt durch Gentechnik für die Landwirtschaft besser nutzen. Neue Eigenschaften müssen nicht mehr nur ausschließlich aus dem begrenzten Genvorrat derselben Pflanzenfamilie genutzt werden, sondern können beispielsweise von anderen Pflanzen oder aus Bakterien stammen. Am häufigsten werden Mais, Soja, Baumwolle und Raps als gentechnisch veränderte Sorten angebaut. Sie tragen zumeist entweder eine Herbizidtoleranz (etwa für Glyphosat) oder eine Resistenz gegen Schadinsekten auf Basis des Bt-Proteins, eine Vorstufe eines Toxins, das erst im Darm von Insekten seine giftige Wirkung entfaltet. Das bedeutet eine gezieltere Bekämpfung von Schädlingen, die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln und anderer Agrarchemie und geringere Ernteverluste. Eine neue Generation von gentechnisch veränderten Pflanzen setzt auf das Hinzufügen von Inhaltsstoffen, die die Nahrungs- oder Futterqualität steigern sollen.
Für die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen für den Anbau gelten äußerst hohe Sicherheitsstandards und aufwendige Prüfungen durch Kontrollbehörden. 2016 wurden weltweit auf 185 Millionen Hektar Ackerfläche gentechnisch veränderte (gv) Nutzpflanzen angebaut. Die wichtigsten Anbauländer sind die USA, Brasilien, Argentinien, Indien und China. Von hier werden die gentechnisch veränderten Ernteprodukte in alle Welt exportiert. Rund 60 gv-Pflanzensorten sind für den Import in die EU zugelassen. Angebaut werden in Europa gv-Pflanzen jedoch kaum – Spanien bildet hier die Ausnahme.