In der neuen Strategie werden drei zentrale Handlungsfelder umrissen und 14 Politikmaßnahmen (Schlüsselbegriffe jeweils fett) erläutert:
Ausbau und Stärkung der biobasierten Wirtschaft in Europa
Damit biobasierte Innovationen und Produkte zu einer wettbewerbsfähigen Alternative werden, will die EU öffentlich-private Partnerschaften (PPP) mit biobasierten Industriesektoren fortsetzen. Hier gilt es, möglichst viele verschiedene Akteure einzubinden. So soll eine Palette an Werkzeugen entwickelt werden, die technologische Lösungen aufzeigt, mit denen sich aus Bioressourcen hochwertige biobasierte Produkte erzeugen lassen.
Die Fortschritte in den Biowissenschaften und der Biotechnologie dienen dazu, traditionelle Industrien in Europa zu modernisieren und zu stärken. Eine mit 100 Mio. Euro ausgestattete Investitionsplattform („Circular Bioeconomy Thematic Investment Plattform“) soll private Investitionen in nachhaltige Lösungsansätze risikoärmer gestalten. Ziel des Instruments: die Finanzierungslücke innovativer Projekte von der Demonstrations- bis zur Kommerzialisierungsphase überbrücken. Um die Potenziale bestmöglich zu nutzen, sollen mögliche Engpässe, Chancen und Hindernisse für biobasierte Innovationen frühzeitig identifiziert werden, etwa mittels Studien und Analysen zu Hindernissen und förderlichen Faktoren der Marktentwicklung.
Um die Akzeptanz der Märkte und der Konsumenten für die neuen Produkte zu gewinnen, sollen zuverlässige und vergleichbare Informationen über die Umweltleistungen von Produkten für Verbraucher verfügbar sein, zum Beispiel mittels der Product-Environmental-Footprint-Methode (PEF). Ebenso soll die Weiterentwicklung von Standards und Labels gefördert werden. Ein weiterer Aspekt zielt auf die Förderung der Entwicklung nachhaltiger Bioraffinerien ab. Schätzungen zufolge müssten bis 2030 etwa 300 neue Bioraffinerien entstehen, um den Bedarf zu decken. Desweiteren sollen Investitionen in Forschung und Innovation forciert werden, um erdölbasierte Produkte durch biobasierte zu substituieren und zur Bewältigung des Plastikmüll-Problems, insbesondere in Gewässern und Meeren, beizutragen.
Regionale und lokale Bioökonomien ausbauen
Das Nutzungspotenzial von Biomasse und biologischen Reststoffen ist insbesondere in osteuropäischen Regionen und Kommunen noch nicht ausgeschöpft. Die EU-Kommission will deshalb ein Umsetzungskonzept zur Stärkung lokaler Bioökonomien entwickeln („Strategic Deployment Agenda“). Hierbei liegt der Fokus vor allem auf der Nutzung von Nebenerzeugnissen aus der Landwirtschaft, Aquakultur und biobasierten Materialien. In Form von Pilotprojekten soll das Potenzial der Bioökonomie im ländlichen Raum, in Küstengebieten und städtischen Gegenden aufgezeigt werden. Damit alle Regionen der Europäischen Union ihr Bioökonomie-Potenzial entwickeln und ausschöpfen können, ist zudem die Einrichtung einer EU-weiten Beratungsstelle zur Unterstützung der Mitgliedstaaten geplant. Eine aufstrebende Bioökonomie stellt neue Anforderungen an die Ausbildung. Es sollen entsprechende Lehrpläne und Programme für die Bildung und Ausbildung entwickelt werden, die dem Bedarf der Bioökonomie gerecht werden.
Die ökologischen Grenzen der Bioökonomie erkennen
Die neue Bioökonomie-Strategie ist auch dem Schutz der Ökosysteme und der Erforschung der ökologischen Grenzen der Bioökonomie gewidmet. Damit die Bioökonomie nachhaltig sein kann, müssen ihre Ein- und Auswirkungen auf die Ökosysteme besser verstanden werden. Nur so kann die Bioökonomie die Biodiversität schützen und Druck von den Ökosystemen nehmen. Um dies zu erreichen, möchte die EU die Wissensbasis zur Bioökonomie ausbauen, also mehr Daten sammeln, daraus bessere Informationen gewinnen und systemischer analysieren. Als Wissensplattform soll das EU Knowledge Center for Bioeconomy weiter gefördert werden. Zudem will die EU Kommission ein EU-weites Monitoring etablieren, um Fortschritte und Fehlentwicklungen auf dem Weg in die Bioökonomie messbar zu machen.
Auf Basis des gewonnenen Wissens sollen freiwillige Leitlinien entwickelt werden, wie die Bioökonomie gestaltet werden kann, ohne Naturschutz und Biodiversitätsschutz zu beeinträchtigen. Die Vorteile biodiversitätsreicher Ökosysteme in der landwirtschaftlichen Produktion sollen hervorgehoben und durch die Förderung agrarökologischer Methoden oder mikrobiombasierter Lösungen forciert werden.