Inventur für die deutsche Biotechnologie-Branche: In dieser Woche haben gleich zwei Branchenanalysten die wirtschaftlichen Kennzahlen vorgelegt.
Zum einen ist der Deutsche Biotechnologie-Report 2024 erschienen, den die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY in enger Kooperation mit dem Branchenverband BIO Deutschland erstellt hat. Laut dem Report stieg die Kapitalaufnahme im Jahr 2023 auf 1,1 Mrd. Euro – ein Plus von 17 % im Vergleich zum Vorjahr, als 921 Mio. Euro eingesammelt werden konnten. Der aktuelle Wert liegt damit wieder in etwa auf dem Vor-Pandemie-Niveau – allerdings deutlich unter den Summen, die während der Corona-Krise 2020 (3,1 Mrd. Euro) und 2021 (2,3 Mrd. Euro) in der Biotechnologie-Branche in Deutschland erzielt wurden.
Die Hälfte der VC-Investitionen ging an ein Münchener Unternehmen
Investitionen in Form von Venture Capital stiegen im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls an, von 465 Mio. Euro im Jahr 2022 auf 533 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Allerdings: Fast die Hälfte dieser Summe (255 Mio. Euro) ging an ein einzelnes Unternehmen, die ITM Isotope Technologies Munich SE aus München. Und auch im internationalen Vergleich erscheinen die Investitionssummen eher gering: In Deutschland wurden 0,01 % des BIP in Biotech investiert, während es im restlichen Europa immerhin 0,02 % und in den USA sogar 0,05 % waren.
Schwächelnde Frühphasenfinanzierung
Herausfordernd bleibt dem Biotech-Report zufolge die Lage, was die Frühphasenfinanzierung zu Beginn der Unternehmensgründung betrifft: 2023 wurde Kapital in Höhe von 203 Mio. Euro von Biotech-Startups in der Frühphase eingesammelt, was den geringsten Wert der vergangenen sechs Jahre darstelle und auch deutlich unter dem Schnitt dieses Zeitraums (325 Mio. Euro) liege. Insgesamt gab es 18 Investitionsrunden in der Frühphase, das durchschnittliche Transaktionsvolumen schrumpfte auf 11 Mio. Euro und lag damit deutlich unter dem 6-Jahres-Durchschnitt von 21,2 Mio. Euro.
Insgesamt lag der Gesamtumsatz der Biotech-Branche im Jahr 2023 bei 12,7 Mrd. Euro – ein Minus von 51 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatzeinbruch ist vor allem auf die rückläufige Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen zurückzuführen. Die Zahl der Mitarbeitenden stieg dagegen um 10 % auf 61.705 Angestellte in inzwischen 996 Unternehmen (plus 3 %). Die Unternehmenszahl setzt sich aus 784 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland und 212 deutschen Tochtergesellschaften zusammen.