Bakterielle Cellulose ist ein biobasiertes Material mit hoher Reinheit und Festigkeit. Anders als pflanzliche Cellulose enthält sie weder Lignin noch Hemicellulose und kommt unter anderem für Verpackungen, medizinische Produkte oder Lederalternativen infrage. Forschende der Universität Leipzig wollen im neuen Projekt CelloTECH nun einen Bioreaktor entwickeln, der bakterielle Cellulose kontinuierlich produziert und dafür zuckerhaltige Restströme nutzt.
Solche Restströme fallen beispielsweise in der Lebensmittel- und Bioenergieproduktion oder in der Landwirtschaft an. Sie sollen den Mikroorganismen als kostengünstige Kohlenstoffquelle dienen. Damit verbindet das Projekt die Herstellung eines biobasierten Werkstoffs mit der stofflichen Nutzung von Nebenströmen. Auch in der Forschung gilt der Einsatz günstiger Reststoffe als wichtiger Ansatz, um die Produktion bakterieller Cellulose wirtschaftlicher und ressourceneffizienter zu machen.
Kontinuierliche Produktion im Bioreaktor
Im Mittelpunkt von CelloTECH steht ein Bioreaktor-Prototyp, der innerhalb der zwölfmonatigen Projektlaufzeit von August 2026 bis Juli 2027 entwickelt werden soll. Angestrebt ist ein Technologiereifegrad von TRL 4 bis 5. Demnach soll der Aufbau zunächst unter Laborbedingungen erprobt und anschließend in einer für die Anwendung relevanten Umgebung validiert werden.
Das Projekt gliedert sich in drei Schritte. Zunächst werden Konzept und Prototyp des Reaktors entwickelt, danach folgen Tests unter kontrollierten Bedingungen. In der dritten Phase wollen die Forschenden Verfahren untersuchen, mit denen sich die produzierte Cellulose für unterschiedliche Produktlinien aufbereiten lässt. Als mögliche Einsatzgebiete nennt das Team Medizin, Pharmazeutik, Kosmetik und Lebensmittel sowie Verpackungsmaterialien und Lederalternativen.
CelloTECH wird über die EFRE-Validierungsförderung „Leipzig Innovation Booster“ kofinanziert. Wissenschaftlicher Leiter ist Rohan Karande von der Forschungsgruppe Sustainable Biofilm Technologies. In den kommenden Monaten soll der Prototyp zeigen, wie sich kontinuierliche Produktion, Reststoffnutzung und Aufbereitung technisch verbinden lassen.
ag
