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Bioökonomieforum: Mit nachhaltigen Innovationen den Krisen begegnen

Das erste Bioökonomieforum des Bioökonomierats war ein vielseitiges Digital-Event. Akteure aus Politik, Wirtschaft und Forschung tauschten sich darüber aus, wie biobasiertes Wirtschaften in Zeiten akuter und chronischer Krisen vorangetrieben werden kann.

Auf dem Podium des Bioökonomieforums: Desiree Duray (Moderation), Thomas Karle (Energielandwirt) Raffael Wohlgesinger (FORMO), Silvia Bender (BMEL), Judith Pirscher (BMBF), Iris Lewandowski (BÖR).
Quelle: Ole Heinrich - bundesfoto
Auf dem Podium des Bioökonomieforums: Desiree Duray (Moderation), Thomas Karle (Energielandwirt) Raffael Wohlgesinger (FORMO), Silvia Bender (BMEL), Judith Pirscher (BMBF), Iris Lewandowski (BÖR).

Erstmals richtete der seit 2020 berufene Bioökonomierat der Bundesregierung (BÖR) das Bioökonomie-Forum aus, um mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft über die Rolle der Bioökonomie für eine nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren. „Wir wollen ein Zwischenfazit der bisherigen Ratsarbeit ziehen – aber auch verdeutlichen, dass Bioökonomie ein Schlüssel ist, um Lösungen für die verschiedenen Krisen unserer Zeit zu entwickeln“, sagte die Co-Vorsitzende des Bioökonomierats Daniela Thrän.

Désiree Duray moderierte das Digital-Event vom 21. bis 22. September aus einem Studio in den Räumen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die Teilnehmenden an den Monitoren konnten per Live-Umfragetool Slido Fragen stellen oder sich an Umfragen beteiligen. Parallel zum Forum trafen sich die Ratsmitglieder in Workshops und Arbeitsgruppen.

Europa und der Green Deal

„Die gegenwärtigen Krisen verschärfen die Notwendigkeit einer grünen Transformation“, betonte Peter Wehrheim, Referatsleiter Bioökonomie und Lebensmittelsysteme bei der EU-Kommission in seinem Impulsvortrag. Die Bioökonomie biete dafür Lösungen und sei daher auch elementarer Bestandteil des European Green Deal. Diese müssten aber auch wirklich nachhaltig sein. So sei es wichtig, mehr über den Gesamtverbrauch biogener Rohstoffe zu wissen. In seinem Impulsvortrag lobte er die Vorreiterrolle Deutschlands bei der Umsetzung des Konzepts Bioökonomie und insbesondere die Arbeit des Bioökonomierats. „Wir denken in Brüssel derzeit darüber nach, einen europäischen Bioökonomierat einzusetzen“, sagte Wehrheim.

Verfügbare Technologien nutzen und verknüpfen

Anfang September hatte der Bioökonomierat eine Stellungnahme veröffentlicht, wie mithilfe der Bioökonomie die gegenwärtige Ernährungs- und Energiekrise besser bewältigt werden kann. Darüber diskutierten am ersten Forumstag die Co-Vorsitzende des Bioökonomierates, Iris Lewandowski, mit Staatssekretärinnen aus zwei Bundesministerien, dem Energielandwirt Thomas Karle und Raffael Wohlgensinger, Geschäftsführer des Berliner Start-ups Formo.

BMBF-Staatssekretärin Judith Pirscher betonte dabei die Notwendigkeit, sich zu vernetzen, um mit nachhaltigen Innovationen den Krisen zu begegnen und souverän in eine klimaneutrale Zukunft zu gelangen. „Wir wollen Tempo machen und mehr Fortschritt wagen“, sagte Pirscher. Dazu gehöre, alle verfügbaren Technologien zu nutzen und diese klug miteinander zu verknüpfen. „Wir wollen mit starker Forschung und Innovationen die Herausforderungen der Zeit meistern“, sagte Pirscher.


Silvia Bender, Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), sagte, für die Bioökonomie müssten biobasierte Rohstoffquellen erschlossen werden, die nicht mit der Nahrungsmittelversorgung in Konkurrenz treten. „Wichtig ist, dass wir zunehmend auf Rest- und Abfallstoffe setzen und Klima-, Umwelt- und Artenschutz bei der Biomasseproduktion stets mitdenken“, sagte sie. Die von der Bundesregierung derzeit erarbeitete Biomasse-Strategie ist Bender zufolge eine „gute Ergänzung zur Nationalen Bioökonomiestrategie“. Es gehe darin darum, klare Nutzungshierarchien aufzuzeigen und besser mit Böden umzugehen, so Bender.

„Wir müssen lernen mit Biomasse umzugehen“, betonte Energielandwirt Thomas Karle und Betreiber des Bioenergiedorfes Füßbach. In seiner Biogasanlage werden hauptsächlich pflanzliche Reststoffe wie Gemüseabputz und Weintraubentrester sowie Gülle aus der Tierhaltung eingesetzt. Er sprach sich für „kleine und regionale Strukturen“, bei der Energieerzeugung aus, weil sie „effizienter und nachhaltiger“ seien.

Der Bioökonomierat rät dazu, Agrarprodukte, die als Nahrungsmittel geeignet sind, zur Ernährungssicherung und nicht zur Herstellung von Energie wie Biodiesel und Ethanol zu nutzen. „Wir wollen keinen Verzicht, sondern Alternativen bieten“, betonte Iris Lewandowski, Co-Vorsitzende des Bioökonomierates. Die Biotechnologie biete dafür technologische Ansätze. „Langfristig brauchen wir eine resiliente Landwirtschaft“, so Lewandowski. Food-Innovationen wie die von Formo hergestellten, mit Mikroorganismen erzeugten Milchersatzprodukte, haben das Potenzial, die Ernährung zu sichern und zugleich die Umwelt zu schonen. „Was ich mir wünsche, ist ein fairer Wettbewerb und schnellere, evidenzbasierte Verfahren bei der Zulassung“, sagte Formo-Gründer Raffael Wohlgensinger.