Auch wenn alle Biologika auf modernsten biotechnologischen Verfahren beruhen, so gibt es doch Unterschiede bezüglich ihres Aufbaus, ihrer Herstellung und ihres Wirkmechanismus. Die wichtigsten Molekülklassen sind:
Proteine: Eiweißmoleküle, die sich für den Einsatz als Biologika eignen, sind Enzyme. Diese Biokatalysatoren beschleunigen biochemische Prozesse. Sie können zum Beispiel eingesetzt werden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. Auch eine weitere Proteinklasse ist sehr wirksam: Antikörper sind so etwas wie die Lenkwaffen des menschlichen Immunsystems. Sie binden mit hoher Affinität und Spezifität an ein bestimmtes Ziel und schalten es dadurch in ihrer Funktion aus. Auch in der Landwirtschaft wird ihr Einsatz erprobt: eine belgische Firma stellt sogenannte Agrobodies her, also Antikörper-Varianten, die als Fungizide eingesetzt werden können. Hierfür werden Lamas mit Glucosylceramiden immunisiert, sodass sie hiergegen Antikörper bilden. Diese Antikörper werden dann aus dem Blut der Lamas isoliert. Glucosylceramiden sind essenzielle Bestandteile in den Zellwänden fast aller Pilzarten. Binden die Agrobodies an die Pilzzellwände, werden diese zerstört.
RNA-Moleküle: Mithilfe der sogenannten RNA-Interferenz lassen sich gezielt Gene und Stoffwechselprozesse in einem Schädlingsorganismus ausschalten. Die RNA (Ribonukleinsäure) ist eine Abschrift der doppelsträngigen DNA. Sie ist jenes einsträngige Botenmolekül, das die genetische Information der DNA in Proteine umsetzt. Für die Herstellung der RNAi-Mitteln bestimmen Forscher in einem ersten Schritt ein essenzielles Protein, ohne das der Schädlingsorganismus nicht überleben kann. Anschließend bauen sie ein RNA-Molekül nach, welches exakt der Gensequenz dieses Proteins entspricht. Die Anwendung der Biologika erfolgt, indem das synthetische RNA-Molekül auf die Pflanzen gesprüht wird. Wenn der Schädling danach an der Pflanze nagt, nimmt er gleichzeitig auch das synthetische RNA-Molekül auf. Die eigene Immunabwehr des Schädlings attackiert daraufhin die fremde RNA. Da die synthetische RNA Sequenz aber identisch mit der eines essenziellen Proteins des Schädlings ist, wird auch diese Proteinsequenz zerstört. Die Folge: das überlebenswichtige Protein kann nicht mehr gebildet werden und der Schädling stirbt. Der Vorteil: Die RNA-Moleküle werden bereits nach wenigen Tagen abgebaut. Und da sie nur einzelne Gene blockieren, entstehen durch ihren Einsatz keine gentechnisch veränderten Organismen. Die Herstellungsverfahren für maßgeschneiderte RNA-Moleküle müssen effizienter werden. Eine Herausforderung bleibt auch, wie man die RNA-Moleküle am besten zum Wirkort bringt.
Viren: Auch Viren werden im Rahmen des biologischen Pflanzenschutzes verwendet. Baculoviren zum Beispiel befallen verschiedene Insekten – insgesamt wurden bisher 600 verschiedene Wirtsarten beschrieben. Dazu zählen sowohl Schmetterlinge und Käfer, als auch Baumwoll-, Soja- oder Zierpflanzenschädlinge. Der Nachteil dieser Methode: infizierte Insekten sterben nicht sofort ab, sondern schädigen die jeweilige Pflanze noch eine ganze Weile, bevor sie schließlich sterben. Deshalb arbeitet Andermatt daran, rekombinante Viren herzustellen, die zusätzlich Gene für insektenspezifische Toxine enthalten. In ersten Feldtest hat sich dieser Ansatz durchaus bewährt.
Zellen: Auch ganze Zellen werden eingesetzt, die dabei helfen, den Ackerbau und die Pflanzengesundheit zu verbessern. Mikroorganismen werden probiotisch eingesetzt, um das Leben im Ökosystem Wurzel positiv zu beeinflussen. Das Beispiel Hülsenfrüchte: diese versorgen sich selbst mit Stickstoff, in dem sie mit Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln in Symbiose leben. Zwar würde dieses Zusammenleben von ganz alleine entstehen, doch die Landwirte helfen meist noch nach: Lupinensamen werden als Saatgut dazu noch mit Knöllchenbakterien ummantelt. Andere agrarbiologisch interessante Zellen sind Pilzgeflechte, die sogenannten Pilzmycelien, mit denen sich Böden beimpfen lassen. Die Pilze gehen mit den Wurzeln eine Symbiose ein, die beiden Organismen hilft, die Bodenfruchtbarkeit zu steigern. Agrarforscher interessieren sich zunehmend auch für die Mikrobiome – also die Gemeinschaft der Mikroorganismen in den Ackerböden. Hier suchen sie nach dem besten Mix für die jeweilige Nutzpflanze.