Biokunststoffe gelten seit Jahren als wichtige Alternative zu erdölbasierten Kunststoffen. Ein neuer Policy Brief des Joint Research Centre der Europäischen Kommission (JRC) zeigt nun, warum sie dennoch nur langsam in den Massenmarkt kommen. Weltweit machen biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe derzeit nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Kunststoffproduktion aus. Selbst bei angekündigten Kapazitätserweiterungen dürfte ihr Anteil bis 2030 kaum an die Ein-Prozent-Marke heranreichen.
Drei Wege zu biobasierten Kunststoffen
Der Bericht unterscheidet drei Produktionswege. Bei zertifiziert biobasierten Kunststoffen werden biogene Rohstoffe in bestehende fossile Prozesse eingespeist. Drop-in-Kunststoffe sind chemisch identisch mit herkömmlichen Kunststoffen und passen deshalb grundsätzlich in vorhandene Recycling- und Verarbeitungssysteme. Daneben gibt es eigens für Biomasse entwickelte Kunststoffe wie PLA, PHA oder PEF, die teils neue Eigenschaften mitbringen, etwa bessere Barrieren oder biologische Abbaubarkeit unter passenden Bedingungen. Der Klimanutzen ist grundsätzlich vorhanden. Über den gesamten Lebensweg sinken die Treibhausgasemissionen oft gegenüber fossilen Alternativen. Gleichzeitig können aber Zielkonflikte bei Landnutzung, Wasserverbrauch oder Nährstoffeinträgen entstehen. Das gilt besonders dann, wenn vor allem Zucker, Stärke oder Pflanzenöle als Rohstoff dienen.
Kosten und Entsorgung bremsen den Hochlauf
Am stärksten bremsen laut JRC die Kosten und der Stand der Technik. Viele Verfahren sind noch nicht weit genug für den großtechnischen Einsatz, neue Anlagen erfordern hohe Investitionen. Zugleich sind biobasierte Kunststoffe heute meist deutlich teurer als fossile Massenkunststoffe. Hinzu kommt, dass nicht jeder Biokunststoff automatisch gut in bestehende Sammel-, Sortier- und Recyclingsysteme passt. Gerade neuartige Materialien brauchen klare Kennzeichnung, ausreichende Mengen und passende Entsorgungswege. Der Bericht macht aber auch deutlich, warum der Bereich für Europa strategisch interessant bleibt. Die Branche schafft bereits Wertschöpfung und Arbeitsplätze, und sie könnte mit heimischen Rohstoffen unabhängiger von fossilen Ressourcen werden. Passende Materialien mit der richtigen Anwendung und einem stimmigen End-of-Life-Konzept müssen dafür ganzheitlich gedacht werden.
ag