Ob aus natürlichen Ressourcen gewonnen oder aber mithilfe grüner Chemie produziert: Die Hersteller von Körperpflegeprodukten suchen biobasierte Inhaltsstoffe, die genauso gut funktionieren wie die petrochemischen Pendants. Typischerweise bestehen Kosmetika aus Tensiden, Alkohol, Fetten und Ölen, Farbstoffen, Duftstoffen sowie weiteren Zusätzen.
Pflegelotionen und Hautcremes
Ein häufiger Zusatz in Lotionen und Cremes ist das Polymer Isobuten. Es ist ein sogenannter Rheologie-Modifizierer, das heißt es verändert die sensorischen Merkmale des Produkts. Das Spezialchemie-Unternehmen Clariant und das Biotechnologie-Unternehmen Global Bioenergies haben ein Bio-Isobuten entwickelt, das mithilfe von Bakterien hergestellt wird. Weil es Viskosität und Textur der Kosmetikprodukte nicht verändert, kann es problemlos petrochemisches Isobuten ersetzen.
Um in Hautcremes die Vermengung von Wasser und Ölen zu ermöglichen, sind Tenside erforderlich. Neben Erdöl als dominierendem Rohstoff können Tenside auch aus pflanzlichen Ölen wie Raps- und Palmöl gewonnen werden. Auch eine biotechnologische Produktion durch Bakterien ist möglich, wie das Karlsruher Unternehmen Biotensidon GmbH mit Rhamnolipid-Tensiden zeigt.
Ähnlich wichtig wie Tenside sind Konservierungsmittel. Das Zwingenberger Biotechnologie-Unternehmen Brain AG verwendet Terpene aus Orangenschalen, um daraus mithilfe von Bakterien Perillasäure herzustellen. In Anti-Schuppen-Shampoos hat sie einen zusätzlichen Effekt: Sie tötet jene Bakterien, die mit für die Schuppenbildung verantwortlich sind. Bei weiteren biobasierten Konservierungsmitteln von Brain handelt es sich um bioaktive Moleküle der essbaren Pflanze Perilla frutescens. Sie werden in Kosmetikprodukten, aber auch in Lebensmitteln eingesetzt.
Der niedersächsische Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise besitzt einen eigenen Geschäftsbereich für Kosmetikinhaltsstoffe. 2018 stellte das Unternehmen das Produkt „Hydrolite 5 green“ vor, ein Pentylenglykol, das aus dem Nebenprodukt Bagasse aus der Zuckerrohrverarbeitung hergestellt wird. Kosmetikfirmen verwenden das bisher petrochemisch erzeugte Pentylenglykol in vielen Produkten für die Haut- und Haarpflege. Der multifunktionale Wirkstoff spendet Feuchtigkeit, verbessert das sensorische Profil der Formulierungen sowie die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe und trägt zur Stabilität der Produkte bei. Entwickelt haben die Holzmindener die grüne Alternative zusammen mit dem Leibniz-Institut für Katalyse der Universität Rostock.
Der Probiotik-Spezialist Belano medical AG aus Hennigsdorf hat aus Milchsäurebakterien der Gattung Lactobacillus den Wirkstoff namens „stimulans“ entwickelt. Als probiotischer Zusatz in Hautpflegeprodukten unterstützt er die Ansiedlung einer vielfältigen Bakteriengemeinschaft, die die Haut positiv beeinflussen und vor Rauheit sowie Trockenheit schützt. Eine klinische Studie untermauert diese Wirkung. Der Spezialchemiekonzern Evonik vermarktet den Inhaltsstoff exklusiv für den Einsatz in Hautpflegeprodukten.
Sonnencremes
Covestro, Hersteller von Hightech-Polymerwerkstoffen, hat als neues Betätigungsfeld die Kosmetikbranche entdeckt: Die Firma vertreibt Polyurethan-Dispersionen für Sonnencremes. Für biobasierte Cremes ist es teilweise schwierig, die gleiche Textur und Haltbarkeit zu erreichen wie etablierte petrochemische Produkte. Sogenannte Filmbildner tragen zur gewohnten Textur der Cremes bei, sind aber umstritten, weil sie im Verdacht stehen, den Stoffwechsel zu beeinflussen und ökologische Folgen zu haben, da sie in Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden können. Die Polyurethan-Dispersion von Covestro ist mehrheitlich biobasiert und vor allem innerhalb weniger Tage biologisch abbaubar. Das soll die Auswirkungen auf marine Ökosysteme minimieren.
Haarpflege
Viele der zuvor genannten Inhaltsstoffe verbessern auch Haarpflegemittel. Eine weitere Substanz, die häufig in Shampoos vorkommt, ist Butylenglykol, das unter anderem für die Konsistenz wichtig ist, als Feuchthaltemittel dient und dafür sorgt, dass das Shampoo erst beim Kontakt mit Wasser zu fließen beginnt. Dem US-Biotech-Unternehmen Genomatica ist es gelungen, anstelle von erdölbasierten Rohstoffen pflanzliche Zucker einzusetzen, aus denen Mikroorganismen biobasiertes Butylenglykol produzieren.