Während in München vom 19. September bis 4. Oktober Oktoberfest gefeiert wird, rückt Bier wieder besonders stark in den Blick. Ein wichtiger Reststoff entsteht allerdings schon beim Brauen: Biertreber. Im Ende März abgeschlossenen EU-Projekt BioSupPack hat ein europäisches Konsortium gezeigt, wie sich der faserreiche Nebenstrom als Rohstoff für biobasierte Verpackungsmaterialien nutzen lässt. Die Ergebnisse stammen also nicht von der diesjährigen Wiesn, passen aber gerade jetzt zu einer zentralen Frage der Bioökonomie: Was lässt sich aus den Nebenströmen des Bierbrauens machen?
Vom Treber zum Biokunststoff
Im Zentrum des Projekts standen Polyhydroxyalkanoate, kurz PHA. Diese Biokunststoffe können von Mikroorganismen gebildet werden. Für die PHA-Variante PHB nutzte BioSupPack Biertreber als Ausgangsstoff. Eine Plasma-Vorbehandlung sollte die Biomasse für die anschließende mikrobielle Fermentation besser zugänglich machen. Das Verfahren wurde bis in industrienahe Umgebungen skaliert und erprobt.
Der Biertreber ist dabei mehr als nur ein anschaulicher Brauerei-Reststoff. Er enthält pflanzliche Bestandteile, die sich nach geeigneter Aufbereitung als Kohlenstoffquelle für biotechnologische Prozesse nutzen lassen. So entsteht eine Verbindung zwischen Lebensmittelproduktion, Biotechnologie und Verpackungsindustrie.
Verpackungen und Recycling zusammengedacht
Parallel zum Biertreber-Verfahren entwickelte das Konsortium PHA-basierte Beschichtungen, die nach Projektangaben zu 99 Prozent biobasiert und biologisch abbaubar sind. Sie können beispielsweise Karton beschichten. Hinzu kamen kompostierbare Faserverpackungen sowie PHB-basierte Materialien für starre Verpackungen wie Flaschen oder Displays.
Auch das Ende der Nutzung wurde mitgedacht. BioSupPack kombinierte die Materialentwicklung mit Sortiertechnik sowie mechanischen und enzymatischen Recyclingansätzen. Beim enzymatischen Recycling zerlegen Enzyme das Material gezielt, sodass Bestandteile zurückgewonnen und erneut genutzt werden können.
BioSupPack endete im März 2026. Die Ergebnisse sind deshalb keine neue Wiesn-Meldung, sondern ein aktueller Anlass, einen bekannten Stoffstrom neu anzuschauen. Gerade wenn Bier saisonal besonders präsent ist, zeigt Biertreber exemplarisch, wie Nebenströme der Lebensmittelindustrie zu Rohstoffen für neue biobasierte Produkte werden können.
ag