Chemiekonzerne setzen zunehmend auf biologische Alternativen zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. BASF Agricultural Solutions hat nun einen weiteren Schritt in diese Richtung vollzogen und am 11. Mai 2026 am Standort Ludwigshafen die neue Fermentationsanlage BioHub offiziell in Betrieb genommen. Bislang war der Konzern bei der Fermentation biologischer Wirkstoffe auf externe Lieferanten angewiesen.
Mikroorganismen als Produktionshelfer
Im BioHub nutzt BASF Fermentation, also die industrielle Kultivierung von Mikroorganismen in geschlossenen Anlagen. Als Nährstoffquelle dienen dabei nachwachsende Rohstoffe wie Glukose. Daraus entstehen biologische Wirkstoffe, Mikrobenpräparate oder biotechnologisch gewonnene Vorstufen für Pflanzenschutzprodukte. BASF nennt als erste Produktionslinien das Bakterium Bacillus amyloliquefaciens, das die Basis des biologischen Fungizids Serifel bildet, sowie einen Hauptbaustein für Inscalis, ein Insektizid auf Basis des Pilzstamms Penicillium coprobium. Bei Inscalis handelt es sich damit nicht um ein biologisches Pflanzenschutzmittel im engeren Sinn, sondern um einen Wirkstoff, dessen Ausgangsstoff aus einem Mikroorganismus stammt und weiterverarbeitet wird.
Die Investition in die neue Anlage liegt im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. BASF begründet den Schritt mit zwei zentralen Vorteilen: einer größeren Produktionsflexibilität und einer robusteren Lieferkette, die weniger anfällig für externe Störungen sein soll. Dr. Melanie Bausen-Wiens, verantwortlich für Technologie im Bereich Agricultural Solutions, sieht den BioHub als wichtigen Meilenstein für die Weiße Biotechnologie im Konzern. Die interne Fertigung ermögliche es, Forschungsexpertise und industrielle Produktion enger zu verknüpfen und biotechnologische Innovationen schneller auf den Markt zu bringen.
Wachsender Markt für biologischen Pflanzenschutz
Der Markt für biologische Pflanzenschutzlösungen wächst weltweit stetig. BASF Agricultural Solutions, die im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 9,6 Milliarden Euro erzielte, will dieses Wachstum stärker nutzen. Die neue Fermentationsanlage soll dafür als skalierbare Plattform dienen, die bei steigender Nachfrage hochgefahren werden kann. Seit Mai 2026 ist Agricultural Solutions als eigenständiges Segment innerhalb des BASF-Konzerns aufgestellt, was der Sparte mehr unternehmerischen Gestaltungsspielraum gibt.
Der BioHub ist ein Beispiel dafür, wie industrielle Biotechnologie und Pflanzenschutzforschung zusammenwachsen. Der Ansatz, Pilze und Bakterien als Lieferanten biologisch aktiver Verbindungen zu nutzen, ist nicht neu, gewinnt aber angesichts wachsender Anforderungen an nachhaltige Landwirtschaft und strengerer Zulassungsanforderungen für chemische Pflanzenschutzmittel an Bedeutung.
ag
