„Wir machen Zukunftstrends in Landwirtschaft und Ernährung erlebbar“

„Wir machen Zukunftstrends in Landwirtschaft und Ernährung erlebbar“

Lars Jaeger

Beruf: 
Diplom-Kaufmann mit einer Ausbildung in Lebensmitteltechnologie

Position: 
Direktor der Grünen Woche und Geschäftsführer der EGE GmbH

Lars Jaeger auf der Grünen Woche 2026
Vorname
Lars
Nachname
Jaeger

Beruf: 
Diplom-Kaufmann mit einer Ausbildung in Lebensmitteltechnologie

Position: 
Direktor der Grünen Woche und Geschäftsführer der EGE GmbH

Lars Jaeger auf der Grünen Woche 2026

Lars Jaeger ist treibende Kraft hinter der Weiterentwicklung der Grünen Woche zu einer internationalen Plattform für Innovation, Nachhaltigkeit und Bioökonomie und zeigt dabei Leidenschaft für die Verbindung von Landwirtschaft, Forschung und Gesellschaft.

Seit 100 Jahren entwickelt sich die Grüne Woche: Von der Landwirtschaftsschau zur internationalen Bühne für Innovation, Nachhaltigkeit und Bioökonomie. Der Direktor Lars Jaeger erklärt im Interview, wie die Messe Politik, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft vernetzt und Trends sichtbar macht.

Frage

Herr Jaeger, wie hat sich die Grüne Woche in den letzten 100 Jahren von einer klassischen Landwirtschaftsausstellung zu einer Plattform für Bioökonomie und Innovation entwickelt?

Antwort

Die Grüne Woche begann 1926 als regionale Landwirtschaftsschau in Berlin und war zunächst vor allem eine Leistungsschau für agrarische Betriebe, Viehzucht und regionale Produkte. Über die Jahrzehnte hat sie sich zu einer internationalen Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau entwickelt, die heute Fach‑ und Privatpersonen aus aller Welt anzieht. Dabei hat sich der Fokus deutlich erweitert: Traditionelle Landwirtschaft und Regionalprodukte sind weiterhin präsent, gleichzeitig stehen gesellschaftliche Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt. Zudem machen Kongresse und Diskussionsformate, etwa das Global Forum for Food and Agriculture, die Messe zur zentralen Plattform für politische und wissenschaftliche Zukunftsdialoge. In den letzten Jahren sind auch die BioHalle, StartupDays und Innovationsthemen fester Bestandteil geworden, um den technologischen Wandel sichtbar zu machen. Bioökonomie findet sich beispielsweise in der Themenwelt grünERleben wieder und Nachhaltigkeit ist auch bei der Zero Fläche in Halle 27 ein zentrales Thema. 
Kurz gesagt: Die Grüne Woche ist heute ein Forum für die nachhaltige Transformation agrar- und ernährungswirtschaftlicher Systeme.

Frage

Wie unterstützt die Messe die Vernetzung von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Startups im Bereich nachhaltiger Technologien? 

Antwort

Wir verstehen die Grüne Woche als Dialog- und Netzwerkplattform, nicht nur als reine Ausstellung. Besonders sichtbar wird das bei der Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft. Beim Global Forum for Food and Agriculture kommen internationale Verantwortliche aus Agrarministerien, Fachleute aus der Wissenschaft sowie Vertretungen von NGOs zusammen, um über die Zukunft der globalen Agrar- und Ernährungswirtschaft zu diskutieren. Im umfangreichen Kongressprogramm gibt es Formate wie „Kraftstoffe der Zukunft“ oder das „Zukunftsforum Ländliche Entwicklung“, die seit Jahren fester Bestandteil sind. Für Startups und Innovationen bieten die StartupDays eine Bühne für junge Unternehmen aus AgTech, FoodTech und nachhaltigen Technologien, um Pitches zu präsentieren, Sichtbarkeit zu bekommen und Kontakte zu Investoren zu knüpfen. Diskussionsforen, Workshops und Themeninseln wie die BioHalle oder grünERleben bringen Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Verbänden an einen Tisch. So entsteht ein multilateraler Austausch zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, der weit über reine Produktpräsentation hinausgeht. 

Frage

Welche Innovationen oder Technologien der letzten Jahre zeigen besonders, wie die Messe Zukunftstrends in Landwirtschaft und Bioökonomie vermittelt?

Antwort

Wir zeigen jedes Jahr zahlreiche Innovationen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat präsentiert aktuelle Entwicklungen rund um Tierhaltung, Ernährung und Forschung – darunter auch interaktive Exponate wie einen übergroßen, sprechenden Kühlschrank, der erklärt, wie Lebensmittel richtig gelagert werden, um Verschwendung zu vermeiden. Im ErlebnisBauernhof, den wir gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie gestalten, erfahren Interessierte viel über Innovationen in der Landwirtschaft. Hier wurden in der Vergangenheit Hightech-Traktoren ausgestellt oder Haltungsformen mittels VR-Brillen erlebbar gemacht. Unsere AgrarScouts stehen den Gästen für alle Fragen rund um das Leben und die Arbeit auf den Höfen zur Verfügung. In der Tierhalle präsentieren wir seit letztem Jahr die unterschiedlichen Haltungsformen von Rindern und zeigen, wie viel Platz und Ausstattung den Tieren jeweils zur Verfügung stehen. So wird Innovation nicht abstrakt, sondern anschaulich erfahrbar.

Frage

Welche Themen und Entwicklungen werden die Grüne Woche in den kommenden Jahren prägen, insbesondere im Hinblick auf nachhaltige und biobasierte Wirtschaftssysteme?

Antwort

Wir werden den Weg hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen und Bioökonomie weiter intensivieren. Zentrale Themen sind die Nutzung biologischer Rohstoffe und der reduzierte Einsatz fossiler Ressourcen in Kreisläufen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die digitale Transformation der Landwirtschaft, etwa durch KI, Sensorik und Landwirtschaft 4.0, ebenso wie neue Ernährungstrends und alternative Proteine, von Pflanzen- und Zellkulturproteinen bis hin zu urbaner Landwirtschaft. Bioökonomiebasierte Wertschöpfungsketten, inklusive regionaler Modelle und Bioprodukte, werden weiter ausgebaut. Und wir legen großen Wert darauf, auch die Öffentlichkeit in den Dialog mit Politik und Wissenschaft einzubeziehen – etwa durch Nachhaltigkeitstouren, Diskussionsforen und Formate, die Einblicke in Konsum- und Alltagsperspektiven ermöglichen. All das zeigt die wachsende Bedeutung nachhaltiger Ökosysteme und positioniert die Messe als Trendbarometer für die Transformation von Landwirtschaft und Ernährung. 

Frage

Welche aktuellen Forschungsprojekte sind auf der Messe vertreten und wie machen sie Bioökonomie sichtbar?

Antwort

Auch in diesem Jahr waren wieder zahlreiche Forschungsinitiativen vertreten. Zum Beispiel der vom Bundesforschungsministerium geförderte DiP‑Verbund als Modellregion Bioökonomie Sachsen‑Anhalt, der Projekte zur digitalen Pflanzenzüchtung, klimaresistenten Anbausystemen und biotechnologischen Innovationen präsentiert hat, begleitet von intensiven fachlichen Gesprächen und politischen Besuchen. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stellte Forschung zu glutenfreien Backwaren, digitalen Feldsensoren und KI-gestützter Agrartechnologie vor, um praktische Lösungen für zukunftsfähige Landwirtschaft sichtbar zu machen. Das Thünen-Institut gab Einblicke in Forschungsarbeiten zu Moorböden, recycelten Holzprodukten und nachhaltiger Rohstoffnutzung. Das Bundesumweltministerium zeigte das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, das Ökosysteme wie Moore, Wälder, Flüsse und städtische Grünflächen schützt und wiederherstellt. Und das Bundeslandwirtschaftsministerium machte aktuelle Entwicklungen in Landwirtschaft, Ernährung und Tierhaltung erlebbar: Interessierte konnten sich über Digitalisierung, Energieeffizienz, digitale Ausbildungstools für Tierwohl und innovative Fischereitechnologien informieren. Gleichzeitig wurden Projekte zu nachhaltiger Ernährung, Lebensmittelverschwendung und regionaler Wertschöpfung präsentiert, die zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Lösungen direkt in Praxis und Gesellschaft wirken.

Interview: Dr. Hanna Berger