„Bioökonomie heißt: Mit Pflanzen Geld verdienen“
Stephan ArensBeruf:
Diplom-Agraringenieur
Position:
Geschäftsführer der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) in Berlin
Beruf:
Diplom-Agraringenieur
Position:
Geschäftsführer der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) in Berlin
Milchkühe futtern kein Soja mehr, sondern heimisches Rapsschrot – und das Öl wird Biokraftstoff. UFOP-Chef Stephan Arens erklärt, warum für ihn Raps und Co. die Zukunft der nachhaltigen Landwirtschaft sind.
Stephan Arens vertritt die Interessen der Wertschöpfungskette heimischer Öl- und Eiweißpflanzen in Politik, Fachgremien und Öffentlichkeit und räumt in Interview mit einem gängigen Fehlglauben bezüglich Milchviehfutter auf. Er erläutert zudem die Bedeutung von Raps und Leguminosen (Hülsenfrüchtlern) für die Deutsche Wirtschaft und wie die UFOP den Wandel zu mehr heimischen Öl- und Eiweißpflanzen zu unterstützen sucht.
Herr Arens, viele Menschen glauben noch, dass Milchkühe vor allem mit Soja gefüttert werden. Stimmt dieses Bild heute überhaupt noch?
Nein, das ist überholt. In der deutschen Milchviehfütterung ist Rapsschrot mittlerweile das wichtigste Eiweißfuttermittel und hat Soja zu großen Teilen ersetzt. Das entsteht als Koppelprodukt, wenn Raps zu Öl verarbeitet wird – und genau dieses Öl kann wiederum zu Biokraftstoffen werden. So entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Lebensmitteln, Futtermitteln und Energie, der sehr gut zeigt, was wir unter moderner Bioökonomie verstehen.
Welche Rolle spielt Raps insgesamt für die moderne Bioökonomie – und wo genau stehen wir beim Anbau in Deutschland?
Zunächst einmal: Mit Bioenergie oder mit Pflanzen muss auch verdient werden – genau das ist Ökonomie. Bio-Ökonomie heißt also: Mit Pflanzen – allgemein mit biologischen Systemen – Geld verdienen. Der wirtschaftliche Pflanzenanbau wird aber nur dann skalierbar, wenn er effiziente Anbautechniken, stabile Abnehmer und politische Rahmenbedingungen hat, die Wertschöpfung sichern – von Öl über Futter bis Biokraftstoffe. Der Raps ist eine echte Schlüsselkultur, weil er Ernährungssicherung, Energieversorgung und Biodiversität miteinander verbindet: In Deutschland wird Raps auf rund 1,1 Millionen Hektar angebaut, ein großer Teil des bei der Verarbeitung erzeugten Öls, etwa 60 Prozent, fließt als Rohstoff in die Biokraftstoffproduktion. Zum Vergleich: Körnerleguminosen wie Erbse, Lupine oder Sojabohne kommen zusammen erst auf etwa 300.000 Hektar und haben damit noch erhebliches Ausbaupotenzial.
Sie sprechen die Leguminosen an. Warum sind Eiweißpflanzen wie Erbse, Ackerbohne, Lupine und Sojabohne so wichtig für eine nachhaltige Landwirtschaft?
Diese Kulturen sind für die Fruchtfolge Gold wert, weil sie Luftstickstoff im Boden binden und verfügbar machen, so wird die Bodenfruchtbarkeit verbessert. Das reduziert den Mineraldüngereinsatz und hinterlässt Nährstoffe für die Nachfrucht – ein klarer ökologischer und ökonomischer Vorteil. Gleichzeitig schaffen heimische Eiweißpflanzen zusätzliche Wertschöpfung auf den Betrieben und machen uns weniger abhängig von Importen, etwa bei Futtermitteln. Außerdem sorgen blühende Kulturen für Biodiversität und Klimaschutz.
Gibt es unter diesen Kulturen so etwas wie „Stars“ der aktuellen Entwicklung? Und wie weit ist Deutschland beim heimischen Protein?
Im Moment wird sehr viel über die Körnererbse gesprochen, weil sie von der Lebensmittelwirtschaft stark nachgefragt wird, etwa für pflanzenbasierte Produkte. Auch die Süßlupine ist spannend – aus ihr entstehen inzwischen Kaffeealternativen oder Eisprodukte. Und die Sojabohne, die viele Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem aus dem Supermarktregal kennen, etabliert sich zunehmend auch im heimischen Anbau.
Was genau macht die UFOP, um diesen Wandel hin zu mehr heimischen Öl- und Eiweißpflanzen zu unterstützen, und was fordert sie mit ihrer „10+10“-Strategie?
Wir arbeiten erstens daran, Anbau und Vermarktung zu optimieren – vom effizienteren Düngemanagement über präziseren Pflanzenschutz bis zur Weiterentwicklung der Fruchtfolgen. Zweitens betreiben wir intensive Öffentlichkeitsarbeit, um Verbraucherinnen und Verbraucher für Rapsöl, Biokraftstoffe und Eiweißpflanzen zu sensibilisieren. Drittens vertreten wir die Interessen der Branche in Berlin, Brüssel und in internationalen Gremien, vernetzen uns mit Erzeugern in Europa, Nord- und Südamerika sowie Australien und bringen so die Perspektive der heimischen Bioökonomie in die weltweiten Diskussionen ein.
Wir fordern mit unserer „10+10“-Strategie, dass bis 2030 jeweils 10 Prozent der deutschen Ackerfläche mit den Ölpflanzen wie Raps und Sonnenblume sowie mit Körnerleguminosen wie Erbse, Ackerbohnen, Lupine und Soja bepflanzt werden soll.
Viele vegane Produkte werben mit Nachhaltigkeit. Was wünschen Sie sich von Konsumentinnen und Konsumenten, die solche Alternativen kaufen?
Mein Appell ist: Schauen Sie genau aufs Etikett. In vielen Fleischersatzprodukten stammen Erbsen oder Bohnen noch nicht aus deutschem Anbau, sondern werden importiert. Wenn wir darauf achten, dass die Eiweißrohstoffe aus Deutschland kommen, stärken wir direkt unsere heimische Landwirtschaft und damit auch die Bioökonomie vor Ort.
Das Interview führte Tamara Worzewski