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23.05.2017

Nachhaltiger Torf für den Garten

Torf ist bei Gärtnern als Bodensubstrat beliebt. Die steigende Nachfrage zerstört jedoch das Ökosystem Hochmoor. Freiburger Forscher suchen nun eine nachhaltige Alternative.

Traditionelle Torfgewinnung zerstört Moorlandschaften
Traditionelle Torfgewinnung zerstört Moorlandschaften
Quelle: 
Ralf Reski

Ursprünglich wurde Torf als Heizmaterial verwendet. Heutzutage sind die vermoderten Pflanzenreste, die in Mooren entstehen, beliebte Substrate zur Bodenverbesserung im Gartenbau und daher in den meisten Balkon- und Gartenerden zu finden. Das Problem: Hochmoore spielen eine wichtige Rolle bei der Klimaregulierung. Der Torfabbau zerstört jedoch das Ökosystem. Außerdem bindet Torf große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid, das beim Abbau wieder freigesetzt wird.

Torfmoose züchten

Unter Federführung der Universität Greifswald wollen Forscher im Verbundprojekt „Mooszucht“ daher Torfmoose als nachhaltige und schnell nachwachsende Alternative für den Gartenbau entwickeln. An dem Vorhaben sind Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie ein Industriepartner aus Niedersachsen beteiligt. Das Projekt „Züchtung und Massenvermehrung von Torfmoosen zur industriellen Produktion eines nachwachsenden Substratausgangsstoffes für den Gartenbau“ wird in den kommenden drei Jahren vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit 1,1 Mio. Euro gefördert.

Paludikultur kommerziell nutzen

In vergangenen Projekten konnten Greifswalder Ökobiologen bereits zeigen, dass abgetorfte, degradierte Moore sich hervorragend eignen, um darauf neu Moose aus der Familie Sphagnum wachsen zu lassen. Diese Torfmoose können nach einigen Jahren geerntet und so als Torfersatz im Gartenbau verwendet werden. Die Nutzung nasser Moorflächen – auch Paludikultur genannt – verbessert danach die Biodiversität des Ökosystems und reduziert den Treibhausgaseffekt. „Bisher verhindert aber ein Mangel an Moossaatgut den kommerziellen Einsatz der Paludikultur. Außerdem muss deren Effizienz noch um mindestens 30 Prozent gesteigert werden“, erklärt der Freiburger Pflanzenbiotechnologe Ralf Reski.

Mit Smart Breeding zu schnell wachsenden Torfmoosen

Das Team um Reski ist seit Jahren auf den Feld der Moosforschung aktiv, zuletzt hatte er mit internationalen Kollegen herausgefunden, dass Moose ein Vorreiter der Blatt-Evolution gelten können. Im Rahmen des EU-Projektes „MossClone“ ist es den  Freiburger Biologen bereits gelungen, die Sphagnum-Moose in Bioreaktoren zu vermehren. „Diese Technologie werden wir in MOOSzucht zusammen mit den Kollegen vom Karlsruher KIT weiter verbessern. Außerdem werden wir unser Wissen über die genetische Beschaffenheit der Moose Physcomitrella und Sphagnum anwenden, um über so genanntes Smart Breeding besonders schnell wachsende Torfmoose zu gewinnen“, berichtet Reski.

bb

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