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Vom Fonds zur Firma

Jörg
Riesmeier

Beruf:

Biochemiker

Position:

Geschäftsführer des Kölner Biotechnologie-Unternehmens Direvo IBT

Jörg Riesmeier
Der Biochemiker Jörg Riesmeier ist Geschäftsführer der Direvo ITB in Köln.

Pflanzenbiotechnologe, Fondsmanager und nun Firmenlenker. Jörg Riesmeier ist in Sachen angewandte Biowissenschaften viel rumgekommen. Das industrielle Biotech-Unternehmen Direvo IBT hat er in den vergangenen Jahren auf neuen Kurs gebracht.

Jörg Riesmeier ist seit 2010 Geschäftsführer des Kölner Biotechnologie-Unternehmens Direvo IBT. Als Firmenlenker hat sich der 48-jährige Biochemiker allerdings schon viel früher beweisen können.  Nach Studium und Blitz-Promotion  („zwei Jahre und zehn Tage“) in Berlin zählte er 2006 zu den Mitgründern des Potsdamer Pflanzenbiotech-Start-ups Planttec und wurde dessen Geschäftsführer. Nach einem mehrjährigen Intermezzo als Fondsmanager in den USA hat er in den vergangenen Jahren die auf industrielle Biotechnologie spezialisierte Direvo auf neuen Kurs gebracht.

Mitte der 1990er Jahre. Jörg Riesmeier ist mit gerade einmal 32 Jahren zum Geschäftsführer des kleinen Start-ups Planttec gemacht worden. Am Anfang läuft nicht alles glatt und er ist „mehr als einmal“ über die Haltung seiner Geschäftspartner verärgert: „Nur weil die eine Visitenkarte mit dem Namen einer großen deutschen Firma präsentieren, haben sie die Weisheit nicht für sich gepachtet!“

Rasanter Aufstieg

Mit der Zeit verschafft sich Riesmeier Respekt – auch durch „Tacheles reden im Hinterzimmer“. Ein bisschen war der Niedersachse zu seinem Job gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Am Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm arbeitete das Team um Lothar Willmitzer auch an stark anwendungsbezogenen Projekten. Das passte nicht ins Konzept des Institutes. Abbruch oder Ausgründung? Biochemiker Riesmeier hatte bereits bei Willmitzer promoviert, folgte ihm mit 28 als Juniorgruppenleiter ans Institut für Genbiologische Forschung Berlin und arbeitete nach dessen Schließung am MPI an seiner Habilitation. Bei einer solchen Karriere im Eiltempo war es eigentlich nur logisch, dass ihm die Leitung der neu gegründeten Planttec GmbH angetragen wurde. Riesmeier traute sich die Aufgabe zu und baute die Potsdamer Firma an der Schnittstelle von grüner und weißer Biotechnologie auf. 2000 wurde Planttec von Agrevo übernommen, bald darauf in Aventis Cropscience umgetauft und schließlich 2002 an die Bayer AG verkauft. Während dieser Zeit erweiterte Riesmeier den Standort auf der Insel Hermannswerder auf 70 Mitarbeiter. Ende 2003 wurde dann die Rechtsform der Firma geändert - für Riesmeier gab es damit keine adäquate Aufgabe mehr. Bayer erhielt den Standort als Bayer Bioscience bis 2008, dann wurden die Projekte in die USA und Belgien überführt und das Gewächshaus in Potsdam verlassen.

Geniales kalifornisches Flair

Damals wurde aus einer Tendenz ein Fakt: „Die Grüne Gentechnik war in Deutschland gescheitert“, sagt Riesmeier rückblickend. Er selbst ging als Fondsmanager mit seiner Familie nach Kalifornien. Eine richtige Entscheidung: „Das Flair an der Westküste war genial. Und erst das Geschäftsklima – wie für mich gemacht!“ Vom Pioniergeist beflügelt, wartete die nächste Herausforderung in Boston. Von dort organisierte er den niederländischen Fonds LSP Bioventures. Das Geld kam von Syngenta, die sich so frühzeitig mit cleveren Ideen aus der industriellen Biotechnologie versorgen wollte. Mit Erfolg: Nach dem Anfangsinvestment - vermittelt durch Riesmeier  – kauften die Schweizer 2012 eine Firma „irgendwo im tiefen Hinterland Floridas“ für satte 113 Millionen US-Dollar. Zu diesem Zeitpunkt war Tausendsassa Riesmeier aber schon wieder zurück in Deutschland. Grund: Die weltweit äußerst angespannte Finanz-Situation und die damit verbundene Zurückhaltung von Geldgebern. „Ab 2008 wurde die Lage grässlich. Das Investorengeschäft hat überhaupt keinen Spaß mehr gemacht“Enzyme steuern den überwiegenden Teil der biochemischen Reaktionen. Wie das genau funktioniert, erklärt Jan Wolkenhauer in der neuen Kreidezeit.Quelle: biotechnologie.tv, resümiert Riesmeier.

Direvo komplett umgekrempelt

Wie so oft spielte ihm dann der Zufall in die Hände. Die Direvo Industrial Biotechnology (IBT) GmbH in Köln suchte gerade einen neuen Geschäftsführer. Nach dem Herauslösen der Sparte industrielle Biotechnologie aus der Direvo Biotech AG war der Pharma-Arm gerade in der Bayer AG aufgegangen. Ex-Chef Thomas von Rüden übernahm kurzzeitig das Ruder der Direvo IBT – und reaktivierte mit Riesmeier einen Kontakt aus früheren Tagen. Der kannte die Firma bereits: „Wir bei LSP hatten Direvo zwar beobachtet, konnten uns aber nicht zu einem Investment durchringen.“ Damit wusste der frisch gebackene Chef natürlich auch, dass ihn gehörig Arbeit in Köln erwartete: „Wir haben die Firma komplett umgekrempelt.“ Drei Jahre später steht sie mit 30 Angestellten und zwei Hauptprodukten gut da. Die BluZy-Enzyme werten als Futtermittel verwendete Abfälle der Bioethanolproduktion auf. Die BluCon-Plattform garantiert die Umwandlung organischer Abfälle in wirtschaftlich verwertbare Einzelbausteine wie Milchsäure.

Experimente in der Küche

Die Riesmeiers wohnen jetzt wieder in Berlin: „Nach der Zeit in den USA wollten wir der Kinder wegen wieder auf bekanntes Terrain.“ Wochentags nächtigt Riesmeier in einer kleinen Mietwohnung in Köln. Die Wochenenden verbringt der laut Eigenaussage „experimentierfreudige Hobbykoch“ mit seiner Frau und den sechs und elf Jahre alten Söhnen in Berlin-Zehlendorf. Obwohl sie noch nicht so recht wissen, was der Papa macht, wollen beide Erfinder werden.  

Autor: Martin Laqua

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