Newsletter

Link versenden

Kaffeekapseln für den Kompost

Florian
Hammerstein

Beruf:

Diplom-Kaufmann


Position:

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Original Food GmbH in Freiburg

Florian Hammerstein, Original Food
Quelle: 
Original Food GmbH

Mit der voll kompostierbaren Kaffeekapsel wird Original Food-Gründer Florian Hammerstein erneut zum Vorreiter einer nachhaltigen Idee und beweist: Es geht auch anders.

Mit Kaffee wollte Florian Hammerstein lange nichts zu tun haben. Zu geschlossen war der Markt, in dem nur wenige das Sagen haben, zu verkrustet die Strukturen. Dass er mit seiner Firma „Original Food“ heute im Kaffeegeschäft tatkräftig mitmischt, ist seiner Begeisterung und dem Mut für ein ungewöhnliches Projekt geschuldet. „Wenn keiner anfängt, ändert sich nie etwas“, sagt Hammerstein. Sein „Wildkaffee-Projekt“ wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und schreibt nach 14 Jahren eine schwarze Null. Mit der kompostierbaren Kaffeekapsel sorgt der sozialökologisch engagierte Unternehmer erneut für frischen Wind in der Kaffeewelt.

In Freiburg aufgewachsen und zur Schule gegangen, studierte Hammerstein ab 1976 zunächst Biologie, wechselt dann aber recht schnell zur Betriebswirtschaft. Nach Studien in Zürich, München und Köln arbeitete er mehr als ein Jahrzehnt im Bereich Kommunikation großer Pharma- und Chemiekonzerne. „Der ökologische Gedanke war für mich schon damals tragend. Denn die Konzerne wollten umweltfreundlicher werden.“ 1995  gründete der Freiburger in seiner Heimatstadt seine eigene Marketing- und Kommunikationsagentur, die sich im Laufe der Jahre zunehmend auf Lebensmittel fokussierte.

Über 6.000 wilde Arabica-Sorten identifiziert

Ein Telefonat mit einem Redakteur der Zeitschrift „GEO“ im Jahr 2003 sollte dem Wirtschaftswissenschaftler den Impuls für sein heute erfolgreiches Kaffeegeschäft geben. In dem Gespräch erfuhr der Marketingexperte von der faszinierenden Vielfalt des Kaffees in der Bergregion Kaffa im Regenwald Äthiopiens. Von Hammerstein begleitete Forschungsprojekte sollten später 6.000 verschiedene Sorten Arabica-Bohnen ans Licht bringen. Doch die Heimat des Kaffees war durch Rodung stark bedroht. „Der Wald stand unter Druck, auch durch die wachsende Bevölkerung. Daher wollten wir den Bauern eine Alternative bieten, um Geld mit dem Wald zu verdienen und ihn so aus eigenem Interesse zu schützen“. Das „Schutz- und Nutzungsprojekt auf Basis des Wildkaffees“ war geboren und ist heute eine Erfolgsgeschichte.

Hohe Qualität und fairer Lohn für Kaffeebauern

Nicht das Geschäft mit den Arabica-Bohnen gab den Anstoß für die Gründung von Original Food im Jahr 2003. Hammerstein sah darin vor allem die Chance, seinem bis daher ehrenamtlichen Engagement für Schwellenländer eine neue Dimension zu geben. Mit der Flexibilität eines kleinen Unternehmens konnte sich der Kaufmann erfolgreich in der Nische eines großen Marktes etablieren. „Wir haben von vornherein gesagt, wir machen keine Preisführerschaft, sondern wollen die Besten werden. Und dann ist auch der Preis nicht mehr alles entscheidend.“ Hierfür konnte Hammerstein Gesellschafter gewinnen, die seine Vorstellungen von einem sozialen Unternehmen teilten. „Wir wollen keine Dividende sehen, sondern die Sache nach vorn treiben. Die Bauern in der Region wurden von Anfang an hoch entlohnt und können davon leben.“ Heute kooperiert Original Food mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Umweltverbänden.

Natürliche Resistenz gegen Schädlinge 

Die Kaffa-Region ist heute ein UNESCO-Biosphärenreservat und bietet 10.000 Kleinbauern mit der Kaffeeernte eine Lebensgrundlage. Die Bohnen werden von den Farmern handverlesen und vor Ort in der Sonne getrocknet, bevor sie in einer Manufaktur-Rösterei schonend verarbeitet werden und in den Handel kommen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Das Ergebnis der ersten Teströstung war nicht nur positiv, konnte Hammerstein aber nicht abschrecken. „Die Bohnen waren schwierig, aber hatten Potenzial“, erinnert sich der Geschäftsmann.

Dafür besaß der Wildkaffee andere Vorteile. Im Vergleich zu Kaffeesorten, die in Monokulturen angebaut werden, besitzen diese wild wachsenden Bohnen eine größere Resistenz gegen Schädlinge. „Hier funktioniert das natürliche Gleichgewicht. Da geht mal eine Pflanze ein und wird durch  andere ersetzt. Deshalb müssen wir jedes Jahr jedes Waldgebiet wieder probieren und verkosten.“

Kaffeekapseln zu 100% kompostierbar

Doch Geduld und Engagement haben sich gelohnt. Seinem Motto „Wenn ich was ändern kann, muss ich es tun“, ist Hammerstein treu geblieben. Mit der kompostierbaren Kaffeekapsel hat der Original Food-Gründer erneut das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Die Kapsel besteht aus Maisstärke, Zuckerrohr und Polymilchsäure (PLA), der Deckel aus Papier. Ein Zertifikat – nach aufwendigen Prüfverfahren - bescheinigt, dass die Materialien der EU-Norm entsprechen und tatsächlich in 12 Wochen bereits zu 90 Prozent, industriell und auch im Schnellkomposter abgebaut werden. „Die restlichen 10% verschwinden später. Im Hauskompost dauert der Abbau etwas länger“, berichtet Hammerstein voller Stolz.

Vorhandenes Wissen bündeln

Biobasierte Rohstoffe statt Aluminium und erdölbasiertem Kunststoff: Florian Hammerstein zeigt, es geht. Seit einem Jahr sind die kompostierbaren Kaffeekapseln auf dem Markt. Partner für diese Idee zu begeistern, war eine Sache. Das vorhandene Wissen zu bündeln, sollte rückblickend eine der größten Herausforderungen werden. Die Kaffeekapseln sind das Ergebnis einer dreijährigen Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten, Universitäten sowie Granulat- und Folienherstellern. „Es gab  Materialien, doch die waren dem hohen Druck und den hohen Temperaturen einer Espressomaschine nicht gewachsen. Wir haben lange gebraucht, um die verschiedenen Wissens- und Entwicklungsstellen so zu verknüpfen, bis wir ein fertiges Produkt hatten, das gleichzeitig ein optimales Ergebnis in der Tasse erzielt.“

Noch sorgt eine biobasierte, ebenfalls kompostierbare Folie um die Kapsel für den Erhalt des Kaffeegeschmacks. Doch die nächste Generation ohne Folie ist schon in der Entwicklung. Hammerstein: „Es ist natürlich auch ein großer Ansporn, als Kleiner was hinzubekommen, was die Großen im Markt nicht schaffen“.

Autorin: Beatrix Boldt

Back to top of page